Was haben wir nicht immer geprotzt – mit unseren Tonträgerregalen. Tausend Schallplatten an einer Wand konnten nicht irren: Hier muss ja wohl fundamentierter Musikgeschmack zu Hause sein! Mit dem praktisch besiegelten Ende haptischer Musiktonträger braucht es schon eine Digitalanzeige überm Flachbildschirm, die den aktuellen Terrabyte-Stand gespeichterter MP3s visualisiert, um einen ähnlichen Effekt zu erzielen.

De:Bug präsentiert:
I Love My iComm
Social Music Networks auf dem Weg
zur besitzlosen Musikgesellschaft
Samstag, 17 Uhr, 8 Mai 2010

Mit Franka Stenzel (Musikanwältin), Mathias Schaffäuser (Ware Records), Jan Kühn (Berlin Mitte Institut), David Noël (SoundCloud), Christoph Lange (Simfy); Moderation: Sascha Kösch (De:Bug)

Und nicht einmal das würde den Besitz des einst hoch geschätzten Kulturgutes Musik zu einer Bedeutungsrenaissance verhelfen. Denn wie hat es die Kampagne zur Einführung eines durchgefilterten Zeitungsproduktes erst kürzlich sinngemäß formuliert: Was hilft eine pralle Festplatte mit Musik für 400 Jahre, wenn wir doch selbst nicht einmal 200 erleben. Weniger ist angeblich wieder mehr, Bescheidenheit beim täglichen One-Klick-Download-Wahnsinn eine Zier. Werte ex-Musikkonsumenten, macht Euch doch endlich frei von den Zwängen des Besitzes! Ihr meint, das klingt nach Kommunismus? Nennen wir es doch lieber iComm oder den eingeschlagenen Weg der Social-Music-Networks. Nennen wir es Hypemachine (hypem.com), Elbows (elbo.ws) und Blip (blip.fm) – um nur einige zu nennen. Dank jener MP3-Suchmaschinen, Blogscanner und Streaming-Player ist es praktisch unnötig geworden, Musik selbst zu besitzen. Sobald ein Song in den unendlichen Weiten des Internets eingespeist wurde, ist er hier zu hören. Klar, ganz legal mag das tägliche Hören der neuenThe-XX-Single auf der heimischen Stereo ohne Download-Gebühr nicht sein.

Aber Schwamm drüber. Als Ausgleich kaufen wir beim nächsten Konzert der Band vielleicht ein Schweißband am Merchandising-Stand , falls wir irgendwo Freikarten gewinnen. (Text von Sascha Kösch, De:Bug)

Franka Stenzel …
… ist hauptsächlich im Bereich des Urheber- und Medienrechts tätig. Bereits während ihrer Studien- und Referendariatszeit sammelte sie praktische Erfahrungen im Musikbusiness und gewann so detaillierte Einblicke in die Arbeitsweisen von Verwertungsgesellschaften, Musikverlagen und -schulen. Durch ihr privates musisches Interesse ist Franka Stenzel mit den juristischen, aber auch betriebswirtschaftlichen Problemen von Künstlern vertraut und hat daher den Schwerpunkt ihrer Anwaltskanzlei auf das Gebiet des Musikrechts ausgerichtet. In ihrer Tätigkeit als Rechtsanwältin in Berlin, arbeitet Franka Stenzel größtenteils mit jungen Musikern und Unternehmen der Indie-Szene zusammen und unterstützt sie auf ihrem Weg durch den Musik-Business-Dschungel.

Mathias Schaffhäuser …
… mischt seit 1994 im Techno- und House-Zirkus mit und veröffentlicht aktuell auf Lebensfreude, Persistencebit Rec. und WIR Recordings. Ende 1997 gründete er sein Label Ware, das mittlerweile bei Katalognummer 84 (Stand Januar 2010) angekommen ist. 2001 landete er mit „Hey Little Girl“ einen veritablen Clubhit, 2002 enterte “Musik ohne Bass” die Clubs. Von Mathias gibt es unter anderem Remixe für Goldfrapp, Steve Bug, Misc., Frankie, Luomo, Renato Figoli, Crane A.K., Raz Ohara, Faust und viele andere. Im Frühjahr 2010 ist mit „Re:3 / Selected Remixes Vol. 3“ sein neuntes Album erschienen, das seine Mixe für Acts wie die legendäre Kraut-Rock Band Faust, für Nooncat, die Disco Legende und No-Wave Innvantoren Patrick Cowley & Jorge Socarras und den holländischen Newcomer Philogresz enthält.

Jan Kühn …
… studierte Soziologie an der TU Berlin und graduierte über eine Untersuchung der Produktion von House/Techno-Musik in Homerecording-Studios. Derzeit bereitet er sich auf eine Promotion zur Untersuchung von Erwerbsarbeit in der Berliner Techno-Szene vor. Desweiteren konzeptioniert und produziert mit dem Berlin Mitte Institut für Bessere Elektronische Musik Radio- und WebTV-Sendungen rund um die Berliner Techno-Szene.

David Noël …
… ist “Evangelist and Community Manager” bei SoundCloud. Die in Berlin ansässige Musikplattform ist ein Service für Musik-Profis, ihre Musik im Web zu präsentieren und einer der am schnellsten wachsenden Musik-Serviceseiten im Web. Vor seiner Tätigkeit bei SoundCloud war David Mitbegründer und Marketing-Chef von Hobnox, einer Social-Media-Entertainment-Plattform, abeitete als A&R und Promoter für das Independent-Label Defiance Records und war als Tourmanager mit einer Unmenge an Künstlern quer durch Europa unterwegs. David hegt eine Leidenschaft für “all things tech & music”.

Christoph Lange …
… ist Mitbegründer und Marketing-Chef von simfy.de, das mit mehr als 1,5 Millionen Nutzern Deutschlands größte Musikplattform und zugleich Marktführer für Online-Musiklösungen ist. Auf simfy.de können Nutzer aus einem derzeit über 5 Millionen Titel umfassenden und täglich wachsenden Musikrepertoire Musik hören und Playlists zusammenstellen. Simfy kommt von simplify und steht für unkomplizierte Musiklösungen. Ausgedacht hat sich Christoph den Namen während eines entspannten Brainstormings im Thermalbad von Bad Saulgau.

Leipzig (Pop-Up ist eine Messe mit Diskussionsforen und einem damit verbundenen Musikfestival in Leipziger Clubs zum Thema Popkultur. Leipzig Pop Up will vor allem die “independent” agierende Szene im Bereich Popmusik/-kultur erreichen, also diejenigen Musik-”Macher” und -”Beobachter”, bei denen eine kreative Motivation an erster Stelle steht, und die so Popmusik in all ihren Formen mit neuen Impulsen zu beleben vermögen. Das können zum Beispiel Musiker, Labels, Fans, Agenturen, Clubs oder auch Medien sein. Leipzig Pop Up soll für diese Kennenlernen und Kommunikation abseits von “Business” und ohne Abhängigkeit von Größe oder Finanzkraft ermöglichen. So sollen derzeit weitgehend brachliegende Netzwerk-Strukturen jenseits der herkömmlichen Musikindustrie belebt, Inhalte über das “Produkt” Popmusik hinaus wieder attraktiv gemacht, Diskussionen angeregt werden. (Text: Pop up)

header popup2010 740x88 08.05.2010: Fresh Meat auf der (Pop up Musikmesse in Leipzig beim Diskussions Panel: Social Music Networks auf dem Weg zur besitzlosen Musikgesellschaft

http://www.leipzig-popup.de

Textquelle, Vollständiges Programm: PDF

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  4. Die Szenewirtschaft der Techno-Szene: Eine eigene Welt zwischen Underground und Musikindustrie (Vortrag @ a2n-camp / Kater Holzig, 04.11.2010, 15 Uhr)



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