Der Stadtforscher und Geograph Bastian Lange über die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Kreativen in Berlin. Schöner zusammenfassender Text, kurz, knackig und prägnant:

Im Licht der sozioökonomischen Strukturkrise verweist das Schlagwort eines »neuen Unternehmertums« zum einen auf individualisierte Existenzstrategien oder Ausgrenzung aus sozialen Arbeitskontexten (…) Zum anderen hebt es aber auch das gekonnte Ausbalancieren zwischen staatlichen Transferzahlungen, kurzfristigen Jobs sowie Selbstständigkeitsstrukturen hervor, die von immer mehr jungen Akteuren aus dem Bereich der Kulturproduktion praktiziert werden (müssen) (…) In Berlin spitzte sich diese Strukturformation in Begriffen wie »neues Prekariat« und »urbane Penner« im Jahr 2006 zu: Hochqualifiziert und zugleich geringe Einkommen mit hohen Bindungen an studentische oder subkulturelle Milieus kennzeichnen das stilistische role-model des neuen »Berliner Selbstunternehmers«. (…) Hinter dieser Selbstertüchtigungssemantik zeichnet sich ein neuer Modus der Wissensökonomie ab, der radikal auf kurzfristigen Kreativinnovationen, definitiven Arbeitsflexibilitäten und immensen Anforderungen der Selbstorganisation basiert, sich aber zugleich auf minimalen sozialen Sicherungssystemen sowie dünner Kapitaldeckung entfaltet (…)1

1Aus Bastian Lange (2007): Kreative Industrien – Magma und Mantra der Stadtentwicklung. Das Beispiel Berlin. In: Kommune, Heft 2, S. 64-69.

PDF hier, via BastianLange.de. (2007): Kreative Industrien – Magma und Mantra der Stadtentwicklung. Das Beispiel Berlin. In: Kommune, Heft 2, S. 64-69.

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  • Tobsen

    Kurz, knackig, prägnant und… vielleicht problematisch? Das liest sich eher wie eine Anleitung zur effizienten Erschließung kreativer Potentiale. Auch die Rhetorik finde ich etwas zweifelhaft. Fängt schon bei der Überschrift an: Kreative Industrien…

    Und bei solchen Passagen wirds mir schon etwas schummrig:
    “Hinter dieser Selbstertüchtigungssemantik zeichnet sich
    ein neuer Modus der Wissensökonomie ab, der radikal auf
    kurzfristigen Kreativinnovationen, definitiven Arbeitsflexibilitäten
    und immensen Anforderungen der Selbstorganisation
    basiert, sich aber zugleich auf minimalen sozialen Sicherungssystemen
    sowie dünner Kapitaldeckung entfaltet. Dieser
    selten anerkannte und wahrgenommene Modus einer
    »Berliner Ökonomie« erfährt Relevanz bei der Wirtschaftsförderung
    sowie auf der Imageebene der Stadt: Buzzwords
    wie »Capital of Talents« oder »Young Creative Industries«
    sollen – ähnlich wie in anderen Metropolregionen – Dynamik und Potenziale Berlins andeuten (Lange 2005).”

    Da frage ich mich, wie soll man denn bitte “kreativ” sein, wenn man 24/7 am Rande des Existenzminimums lebt? Desweiteren kann man Kreativität, meiner Auffassung nach, nicht dauerhaft unter kapitalistische Akkumulationsprozesse stellen.

    Alles in allem ein etwas zu unkritischer Lagebericht?!

  • Tobsen

    Kurz, knackig, prägnant und… vielleicht problematisch? Das liest sich eher wie eine Anleitung zur effizienten Erschließung kreativer Potentiale. Auch die Rhetorik finde ich etwas zweifelhaft. Fängt schon bei der Überschrift an: Kreative Industrien…

    Und bei solchen Passagen wirds mir schon etwas schummrig:
    “Hinter dieser Selbstertüchtigungssemantik zeichnet sich
    ein neuer Modus der Wissensökonomie ab, der radikal auf
    kurzfristigen Kreativinnovationen, definitiven Arbeitsflexibilitäten
    und immensen Anforderungen der Selbstorganisation
    basiert, sich aber zugleich auf minimalen sozialen Sicherungssystemen
    sowie dünner Kapitaldeckung entfaltet. Dieser
    selten anerkannte und wahrgenommene Modus einer
    »Berliner Ökonomie« erfährt Relevanz bei der Wirtschaftsförderung
    sowie auf der Imageebene der Stadt: Buzzwords
    wie »Capital of Talents« oder »Young Creative Industries«
    sollen – ähnlich wie in anderen Metropolregionen – Dynamik und Potenziale Berlins andeuten (Lange 2005).”

    Da frage ich mich, wie soll man denn bitte “kreativ” sein, wenn man 24/7 am Rande des Existenzminimums lebt? Desweiteren kann man Kreativität, meiner Auffassung nach, nicht dauerhaft unter kapitalistische Akkumulationsprozesse stellen.

    Alles in allem ein etwas zu unkritischer Lagebericht?!

  • http://www.berlin-mitte-institut.de/ Fresh Meat

    @ Tobsen, danke für deine Meinung.

    Das es sich wie eine Anleitung liest, würde ich nun nicht sagen. Aber natürlich lässt es sich als Anleitung gebrauchen. Es ist ja eigentlich nicht die Aufgabe des Textes, die Verhältnisse zu bewerten, sondern sie zu beschreiben. Und in dem Zitat (hätte ich auch zitiert) kommt das ganz gut zum Vorschein.

    Welche Bedingungen nun Ideal sind für welche Form von Kreativität, das ist nochmal ein ganz anderes, sehr breites Thema. Aber Kreativität findet eigentlich überall und die ganze Zeit statt, der gesellschaftliche Rahmen spielt dabei natürlich auch eine sehr bedeutsame, aber vor allem sehr konplexe Rolle. Ist auf jeden Fall wert es nicht nur im Rahmen eines COmments in einem Blog zu diskutieren, dafür ist das Thema, also deine Frage, viel zu komlplex.

  • http://www.berlin-mitte-institut.de Fresh Meat

    @ Tobsen, danke für deine Meinung.

    Das es sich wie eine Anleitung liest, würde ich nun nicht sagen. Aber natürlich lässt es sich als Anleitung gebrauchen. Es ist ja eigentlich nicht die Aufgabe des Textes, die Verhältnisse zu bewerten, sondern sie zu beschreiben. Und in dem Zitat (hätte ich auch zitiert) kommt das ganz gut zum Vorschein.

    Welche Bedingungen nun Ideal sind für welche Form von Kreativität, das ist nochmal ein ganz anderes, sehr breites Thema. Aber Kreativität findet eigentlich überall und die ganze Zeit statt, der gesellschaftliche Rahmen spielt dabei natürlich auch eine sehr bedeutsame, aber vor allem sehr konplexe Rolle. Ist auf jeden Fall wert es nicht nur im Rahmen eines COmments in einem Blog zu diskutieren, dafür ist das Thema, also deine Frage, viel zu komlplex.

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