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Berlin wird oftmals dafür beneidet, dass es hier keine Sperrstunde gäbe. Dabei gibt es sie laut Bundesgesetz – und geht von 5 bis 6 Uhr morgens. Nur wird sie, vor allem in Berlin, nicht durchgesetzt. Als Berlin jedoch geteilte Stadt war, wurde die Sperrstunde von 1949 bis zur Wende in Westberlin komplett aufgehoben. Mit folgenreichen Konsequenzen fürs Westberliner Nachtleben – und bis heute. Die Geschichte dazu, wie das alles kam, könnt ihr hier lesen.

Jenseits der große und populären Clubmusikszenen rund um House & Techno existieren auch viele kleinere, die ganz eigene kulturelle Praxen und Ästhetiken in und um die Musik herum ausbilden und sich unterhalb der öffentlichen Aufmerksamkeitsschwelle bewegen. Dazu gehört z.B. die dich selbst so nennende “Free Tekno” Szene. Wie auf Jameika gibt es da noch Soundsystems, mit denen man durch die Gegend fährt (mit LKWs!), die man zusammenschließt und dann gemeinsam feiert. Die gondeln durch Europa, je nachdem wo sie gebeten werden ihre Musikanlagen aufzubauen und ihre eher harte und schnelle Version von Techno zu spielen. Gleichzeitig existieren kleinkommerzielle Strukturen, die das ganze finanzieren.

Free Tekno – Full documentary

“Free Tekno is a journey into the underground of illegal underground tekno festivals in central Europe. The crew travel with a group of Dutch and Irish boys who throw illegal rave parties in the forests of Germany and Czech Republic and gain access to an underground that many have heard of but few have seen.” Source

Der Musikindustrieforscher Prof. Dr. Peter Tschmuck veröffentlichte kürzlich eine Analyse der Geschäftsmodelle von Musikstreaming-Diensten in seinem Blog. Hier seine Schlussfolgerungen:

“Streaming ist nicht gleich Streaming: Unterschiedliche Modelle – Internetradio, personalisiertes Musikstreamen, User-generated-Content-Streaming und Cloud-Musik – verursachen unterschiedlich hohe Kosten beim Lizenzerwerb des Contents und bieten unterschiedliche Leistungen an. Die ausgewiesenen NutzerInnen-Zahlen sagen nichts über den Geschäftserfolg eines Streamingdienstes aus. Entscheidend ist nicht nur der Anteil aktiver NutzerInnen, sondern auch das Verhältnis von GratisnutzerInnen und Abonnenten. Der Anteil letzterer muss dabei erhöht werden, um bei der vorherrschenden Lizenzpolitik der Rechtinhaber wirtschaftlich reüssieren zu können. Die Integration von Streamingangeboten in Autoradios und das Bundling in der Angebotspalette von Internet Service Providern und Mobilfunkanbietern ist zwar eine wichtige, wenn nicht sogar die wichtigste Voraussetzung für eine entsprechende Marktdurchdringungen aber noch keine Garantie, dass die Services auch entgeltlich genutzt werden. Der hohe Kostendruck und der sich verschärfende Wettbewerb am Musik-Streamingmarkt werden in absehbarer Zeit zu einer Marktbereinigung unter den Angeboten führen. Erfolgreich werden jene Services sein, die Content-Beschaffungskosten in Griff haben und ihre Abonnentenbasis entsprechend ausbauen konnten. Musikstreaming wird in absehbarer Zeit nicht zur Cash Cow avancieren – zumindest nicht für die Streaminganbieter selbst.”

Die komplette Analyse gibts bei ihm Blog zu lesen.

Mit zunehmender Popularität und Wachstum der Berliner Techno-Szene und Szenewirtschaft gehen auch Prozesse einher, die für ästhetischen Wandel sorgen. Einerseits freut man sich über das rasante Wachstum, damit auch Aufmerksamkeit/Interesse und neue wirtschaftliche Möglichkeiten; anderseits wirken diese Veränderungen entsubkulturalisierend in die Musikszene zurück. Die Signale dafür mehren sich und verbleiben mit einer “Ballermannisierung” nicht lediglich auf Seite zunehmend konsum- und feierorientierter, aber weniger musikzentrierter Jugendlicher, sondern ändern auch die ästhetische Struktur des Angebots. Man gehe eben lieber in “Feiergalerien”, viele wissen ein anspruchsvolles musikalisches Programm nicht mehr zu schätzen. Ein interessantes Interview dazu gab Jonny Stieler, Betreiber des geschlossenen Clubs “Horst Kreuzberg” in der taz.

“Clubs wie das Horst richten sich eher an ein musikalisch fachkundiges Publikum, und da muss man feststellen, dass dieses begonnen hat, Berlin wieder zu verlassen. Man muss ja unterscheiden zwischen Party, Feier und Rave. Feiern ist etwas für Leute, die sich irgendwo betrinken und mit Konfetti bewerfen wollen und denen die Musik eher egal ist. Feierpublikum wollten wir im Horst nicht so gern haben. Horst Krzbrg hat Leute angezogen, die Interesse an einem echten Club haben. Und Raver, die mit großem Eifer bestimmte DJs sehen wollen. Aber dieses Publikum, das sich auch aus Profis, wie Musikjournalisten und Musikern, rekrutiert hat, die hier leben, verlässt Berlin gerade wieder. Viele Engländer, die unser Stammpublikum gebildet haben, sind zurück nach England gezogen. Der Berlinlack ist einfach wieder ein wenig ab.”

Der Begriff des “Clubsterbens” scheint mir im Interview etwas missverständlich genutzt worden zu sein: Bisher beschrieb er als “Kampfbegriff” stets die Verdrängung der Clubs aus der Innenstadt aufgrund steigender Mieten und veränderter Bevölkerungsstrukturen, nicht jedoch die absolute Anzahl an Veranstaltungsorten in Berlin. Und der Verdrängungsprozess lässt sich historisch, das heißt die letzten 20 Jahre, problemlos nachvollziehen. Und letztendlich stehen Clubs genau für das musikzentrierte und szenebasierte Publika, welches Jonny Stieler ebenfalls zunehmend vermisst, sodass der Begriff “Clubsterben” auch hier seine Entsprechung findet. Weniger Clubs, mehr Eventlocations.

PS: Man beachte auch die Nutzung des Begriffes “Szenewirtschaft” im Interview icon smile Ästhetischer Wandel in der Berliner Techno Szene und Szenewirtschaft“… denn die Berliner Szene- und Kreativwirtschaft brauchte den international …”

PPS: Zur “”Ballermannisierung” siehe auch die Doku “Nachts auf der Warschauer Brücke”.

 Ästhetischer Wandel in der Berliner Techno Szene und SzenewirtschaftAuthor info: Fresh Meat

Fresh Meat is the founder of the „Berlin Mitte Institut für Bessere Elektronische Musik" web project, producing laid back webTV shows around the Berlin electronic dance music (EDM) scene, work and economy since 2006. He is spinning records in the universes of techno, minimal, techhouse, chillout and breakbeat music. Jan studied sociology at the Technische Universität Berlin and graduated with a thesis on the production of EDM in homerecording studios. He currently writes a sociologial dissertation on work in the Berlin EDM "underground" scene economy.

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Für den Geschichtsteil zur Szenewirtschaft musste ich, wie ihr es vielleicht schon bemerkt habt, auch eine Menge zu Detroit Techno recherchieren und bin dabei auf die sehr sehenswerte Doku “High Tech Soul – The Creation of Techno Music” gestoßen, die ich euch hiermit empfehlen möchte.

Die Linie der Doku ist eine kurze Darstellung der sozial-ästhetischen Lage Detroits (Automobilkrise, Automatisierung der Massenproduktion und rasantes Schrumpfen der Bevölkerung bis heute, dadurch weitflächiger Leerstand) an die sich eine Portraitierung der drei Protagonisten, die zu den wesentlichen Erfindern von “Techno” wie wir sie als musikalische Praxis kennen, zählen: Allen voran Juan Atkins, der mit Stücken wie “Techno City” und “Nude Photo” als “Originator” von Techno zählt. Die anderen beiden sind Derrick May und Kevin Saunderson. Zusammen sind sie auch als “Belleville Three” bekannt, da sie dieselbe gleichnamige High School besuchten. Der Musikwissenschaftler Dennis Mathei zählt sie zur “ersten Generation” von Detroit Techno, während die “zweite Generation” mit der Gruppe Underground Resistance verbunden wird. Und dazu gehören zentral Mike Banks, Jeff Mills und Robert Hood. Während die erste Generation, stark inspiriert durch House-Musik aus Chicago, den 4/4 Onbeat vor allem mit synthetischen und “außergewöhnlich-extraterrestrischen” Klängen verband, und damit der elektronischen Tanzmusik, die bis dato deutlich durch Funk/Disco/Gospel/Soul geprägt war eine neue Richtung gab, integrierte die zweite Generation eine Härte mit erhöhter Geschwindigkeit und verband sie mit einem repetitiven Minimalismus.

Auch hier waren es, wie schon vorher im House und Disco, wesentlich Afroamerikaner, die diese neue Musik schufen. Allerdings spielten Homosexuelle für die Musik in Detroit keine große Rolle, wie auch schon in Chicago – im Gegensatz zu vorher in New York mit Disco.

High Tech Soul – The Creation of Techno Music (full)

 

Folgend möchte ich euch einen weiteren Text zugänglich machen, der ein Teil einer Magisterarbeit ist. Unter dem Titel “Detroit Techno und die Frage nach der Hautfarbe” gab der Autor Daniel Schneider sie 2009 am John F. Kennedy Institut für Nordamerikastudien der Freien Universität Berlin ab. Der folgende Text ist das siebente Kapitel, ein weiteres – bezüglich der Zusammenhänge von Detroit Techno und Hautfarbe – kommt noch im Laufe der nächsten Tage. Wer nicht so lange warten möchte, hier könnt ihr euch die Magisterarbeit komplett runterladen.

Folgend nun das siebente Kapitel, geschrieben von Daniel Schneider (M.A.)
Kontakt: deces (AT) web.de

Die Bedeutung von Detroit Techno in der europäischen Technoszene

Der Ort Detroit und die dort angesiedelte Musikszene sind bis heute zumindest in einem Teil der internationalen Technoszene von Bedeutung geblieben. So ist die Stadt – und Ähnliches gilt auch für Chicago – schon seit den 1990er Jahren ein fast mystisch verklärter Ursprungsort, eine Art Wallfahrtsort für viele DJs, Produzenten und Fans aus Europa1. Detroit ist Namensgeber für bis heute populäre Technosubgenres (Detroit Techno und auch Neo Detroit) und seit bald 20 Jahren beziehen sich immer wieder meist europäische Technoproduzenten auf diesen Ort. Der Name „Detroit“ und andere Bezüge auf die „Motor City“ sind beispielsweise beliebte Titel für dann meist auch in einem an Detroit Techno erinnernden Stil produzierte Tracks2. Der in Europa wieder sehr populäre amerikanische (Deep) House wird heute außerdem vor allem von Produzenten aus Detroit definiert (s. Kapitel 4.2), allerdings ist auch das Interesse an Chicago House in den letzten Jahren wieder deutlich angestiegen3. Wie lässt sich nun die Sonderstellung von Detroit – um Chicago soll es hier weniger gehen, auch wenn hier ähnliche Mechanismen am Werk sind – innerhalb der Technoszene erklären?

Im folgenden Kapitel möchte ich aufzeigen, inwiefern der afroamerikanische Hintergrund von Detroit Techno in der europäischen (bzw. deutschen) Rezeption immer wieder, ob nun direkt oder indirekt, eine relevante Rolle spielt. Die Bedeutung von Detroit Techno hängt zwar nicht ausschließlich, aber meiner Ansicht nach doch zu einem signifikanten Teil mit dem afroamerikanischen Hintergrund der Produzenten zusammen4. Continue reading …

Diese Doku über die Entstehung von DJ-Kultur, House Music und Clubkultur in New York müsst ihr euch unbedingt anschauen.  Zeitlich beginnt sie Anfang der 1970er, als Disco gerade in der heißen Underground-Entstehungsphase ist und später, vor allem im “Paradise Garage”, langsam zur in New York geprägten “Garage House Music” wird – und endet Ende der 1980er mit der Schließung des Clubs “Paradise Garage”. Das Tolle an der Doku sind die authentischen Originalaufnahmen aus Clubs und Straßenecken von damals, die Kommentare der DJs, Clubbetreiber und Clubbing-Fans – und natürlich die grandiose Musik am Übergang von Funk, in Disco zu House. Sind alles Originalkommentare, die sehr beeindruckend zeigen, wie diese DJ-Kultur, wie wir sie heute für selbstverständlich halten, in eher marginalisierten Vierteln New Yorks aus einer Mischung von vorwiegend Gays, Afroamerikanern und Latinos entstand. Drei Clubs stehen im Mittelpunkt: “Gallery”, “Loft” und natürlich das berühmte “Paradise Garage” – quasi das Berghain New Yorks in den 70er/80ern.

Besonders der DJ Larry Levan wird portraitiert, da er durch seinen Musikgeschmack,  seine Musikselektion und sein Faible für Akustik/Lautstärke/Sound als wesentlicher Wegbereiter für Clubkultur und House, wie wir sie auch heute noch praktizieren, steht – und wie sie dann später in Chicago ausdefiniert wurde. Außerdem wird kurz Francis Grosso interviewt, der im New Yorker “Sanctuary” bereits Ende der 1960er das nahtlose Mixing, welches er damals “Changes” nannte, durch Crowdreading erfand. Er gilt als der erste DJ, der erkannte, dass das Publikum es durch Weitertanzen belohnt, wenn die Beats einen Songs mit dem vorherigen harmonisch ineinander übergehen – und dass gewisse hypnotische Effekte entstehen können, wenn der DJ es schafft über verschiedenen Songs (richtige Tracks gab es erst viele  Jahre später, der Clubsound der Anfangszeit bestand aus rhythmuslastiger Popmusik) einen konstanten Beat zu halten.

Wer möchte, kann sich danach noch eine erst kürzlich fertiggestellte Kurzdoko über die aktuelle  House-Szene New Yorks (2012/2013) von Resident-Advisor anschauen. Obwohl versucht wird irgendwas Faszinierendes herauszuarbeiten, wirkt das doch sehr trist – und weit weg von der Energie, die im New York der 1970/1980er Jahre pulsierte. Liegt vielleicht auch daran, dass wesentlich die Dope Jams Leute portraitiert werden. Scheinen zwar nett zu sein, aber ne lebendige Szene sieht anders aus. Gentrification. Sollte uns in Berlin eine große Lehre sein.

Real Scenes: New York

(PS: Ich habe die erste Doku natürlich nicht erstellt, aber hier hochgeladen, weil sie auf Youtube wegen Gemashizzle geblockt ist. Originaltitel: MAESTRO – the history of housemusic & club culture)

.. , und sich inspirieren lassen, dann kommt irgendwann das hier bei raus: Lokale Musikszenen werben für Global Player?  Tired of German techno? Try some Swedish metal. Und die passende Theorie dazu gibts von Timothy Taylor:The Changing Shape of the Culture Industry; or, How Did Electronica Music Get into Television Commercials?

germantechno 500x582 Wenn Werber gerne auf Techno Partys gehen ..

Adorno about Popular Music (now with english annotation)

Hand aufs Herz, wie viele  von euch beklagen sich, dass in manchen Clubs / auf manchen Partys die Gäste zu jung oder zu alt sind?


imover30 Altersbedingte Distinktion im Nachtleben



Techno Szene, Berlin Mitte Institut für Bessere Elektronische Musik, Underground

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