Dubstep in Berlin – der Name ist Programm. Eine Momentaufnahme kanalisiert durch Interviews einzelner Akteure, die über Status, Perspektiven und Eigenschaften einer eher kleinen Berliner Szene aber recht internationalen Musik sprechen. Schade fand ich, dass auf die Entstehung der Szene in Berlin nicht stärker eingegangen wurde – also Freakcamp, die Zelle, Hardwax, Sub:Stance im Berghain usw. Nichtdestotrotz, interessant zu schauen, alleine schon wegen den Einstellungen/Meinungen der Akteure und der für Musikszenen typischen Distinktionen zwischen der “ursprünglichen Idee/dem ursprünglichen Sound” und Effekten von Popularisierung/Kommerzialisierung.

DOKUMENTATION – Dubstep in Berlin

“Berlin ist weltweit bekannt als die Technohauptstadt. Aber auch Dubstep erfreut sich wachsender Beliebtheit. Wir möchten Euch mit dieser Dokumentation die Berliner Szene mit ihren Künstlern, Partys und Clubs näherbringen. Erfahrt mehr über die Einflüsse, Erfahrungen und Inspirationen der Berliner DJs und Veranstalter, aber auch internationaler Produzenten.”

Ein weitere Techno-Doku über die Anfangszeiten des Berliner Techno, die in unser Doku-Sammlung in der Rubrik “Wissen über die Techno-Szene” nicht fehlen darf.  “Der Film von Tilman Künzel erzählt sowohl die Geschichte des Tresors als auch den Übergang des Technos aus dem Underground in die Öffentlichkeit. Gezeigt werden Originalaufnahmen aus dem Club sowie Interviews mit DJs, dem Team um Dimitri Hegemann sowie Patrick Reich, dem Geschäftsführer des Unternehmens, das das Gelände zu Errichtung eines Bürogebäudes erwarb.” (Quelle: Wikipedia) Kann btw. auch auf DVD gekauft werden: Click.

SubBerlin – The Story of Tresor

‘SubBerlin’ erzählt die Geschichte des Berliner Techno-Clubs ‘Tresor’ von den Anfängen in der Zeit nach dem Mauerfall bis zu seinem Abriss im Jahr 2005. Nach der Wende schien alles möglich: Niemand wusste, wem welcher Grund und Boden gehört in Ost-Berlin – schon gar nicht auf dem ehemaligen Mauerstreifen. Kulturaktivisten drangen ein in die Tresorräume des längst abgerissenen Kaufhauses Wertheim und schufen einen magischen Ort, an dem sich die Jugend aus Ost- und West-Berlin erstmals zum Feiern traf – bei einer neuen, bis dahin unbekannten Musik.

‘SubBerlin’ zeigt die Entwicklung des Techno zwischen Detroit, Berlin und dem dortigen großen Stern, wo er auf der ‘Love Parade’ endgültig zum Massenphänomen wurde. Der Film ermöglicht Zuschauern, die Techno nicht zu ihrer Lieblingsmusik zählen, interessante Einblicke in eine Szene, die meist nur als Teil einer Party- und Spaß-Generation belächelt wird. Auf dem Portobello-Film-Festival 2008 in London wurde ‘SubBerlin’ mit dem Preis für die beste Musikdokumentation ausgezeichnet. (Quelle: Sevenload)

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So lauten die Ergebnisse einer Befragung, die femalepressure.net in Eigenregie durchgeführt hat. Alle Daten gibt es hier als PDF zum Runterladen. Sie stützt die weit verbreitete Wahrnehmung in der Musikszene, das elektronische Musik männerdominiert ist. Um den entgegen zu wirken und eine tiefere Thematisierung zu bewirken, veranstaltet Female Pressure vom 12. bis 13. September das Perspectives Festival im about:blank. Die Zahl “unter 10%” stammt aus dem aktuellen Perspectives-Newsletter.

Vinyl erlebt seit einigen Jahren einen kleinen Boom mit stetig steigenden Stückzahlen, aber mit House/Techno und DJ-Kultur hat das nichts zu tun. Dort schrumpft und stagniert es weiter vor sich hin. 150 Stück verkauft man heute pro 12″-Release, während es noch vor einigen Jahren ca. 1000 waren – so Kai Fraeger vom Wordandsound-Vertrieb, der diese Zahlen in einem BLN.FM-Interview nannte. Diese Entwicklung bestätigen mir auch immer wieder zahlreiche DJs, Labelmacher und Musikproduzenten in Gesprächen und Interviews. Nur eben die herausragend bekannten, die “Underground-Hits” und große Namen, schaffen es vierstellige Stückzahlen abzusetzen und damit Gewinn zu erwirtschaften.

Die erste Bretterbude steht schon:

2013 07 31 15.51.431 Exklusiv: Neue Bar 25 entsteht am Rosenthaler Platz

Spaß beiseite. Die Bretterbude ist eine Installation vom “Stadtlabor Weinbergpark” und soll Aufmerksamkeit für “urbane Prozesse” schaffen, welche mit Gentrifizierung und Touristifizierung konkretisiert werden. Also ich heute dort entlang lief fiel mir ein großes Plakat auf, welches sich mit der zunehmenden Anzahl sogenannter “Flagshipstores” in Mitte beschäftigte. Gerade die Modebranche spielt bei der Gentrifizierung der innerstädtischen Gewerbestruktur eine herausragende Rolle. Berlin-Mitte ist wegen Gentrifizierung bei weitem nicht (mehr) so stark im Gespräch wie andere Viertel, daher ist das eine ganz interessante Aktion.  Kommt her und schaut es euch an, und zwar Brunnenstr Ecke Invalidenstr. Mehr Infos zum Stadtlabor hier.

2013 07 31 15.52.58 Exklusiv: Neue Bar 25 entsteht am Rosenthaler Platz

“Das „Stadtlabor Weinbergpark“ ist eine temporäre Installation in Berlin-Mitte. Es hat eine Tür, ein Fenster und ein Dach – als Hausbesitzer hat man gerade gute Karten in der Stadt, dachte der Erbauer. Mit wachem Blick will er zwei Monate lang aus der Wohnkulisse heraus das Gebiet rund um den Weinbergpark ganz genau in den Blick nehmen. Im Fokus: urbane Prozesse. Von Gentrifizierung über Tourismus bis zur Nutzung des öffentlichen Raums ist alles drin.”

Nachdem ich vor einigen Monaten über “unkreatives” Sampling im Fall Klangkarussell/Sonnentanz berichtete und damit eine im Internet vorgetragene Beschwerde des Youtubers Domien Verschuuren aufnahm, wurde ich öfter auf diese Praxis des Sampling/Remixing angesprochen und um Erläuterung gebeten – zuletzt z.B. im Rahmen einer Diskussionsrunde der Bundeszentrale für politische Bildung. Seitdem bekomme ich öfters Beispiele zugeschickt, welche bestimmte (erfolgreiche) Sampling-Praxen/Tracks kritisieren. Einerseits ist Sampling als Schattenpraxis wesentlicher Bestandteil der zeitgenössischen Popkultur, derer Legalisierung sich z.B. die Recht auf Remix Kampagne bemüht; anderseits bilden sich neue Erwartungen und Vorstellungen einer gerechtfertigten urheberlichen Leistung heraus, die bestimmte der neue Sampling-Praxen als illegitim verstehen und damit einem willkürlichen “Ideenklau” Grenzen setzen möchten. Die Idee und Rechtfertigung des Urhebers, auf den eine bestimmte eigene Leistung zurückzuführen sei, scheint auch mit dem Sampling nicht zu vergehen. Der Vorwurf des “unkreativen Sampling” bringt dies auf den Punkt. Klangkarussell mit Sonnentanz war da ein recht deutlicher Fall.

Hier nun etwas sehr Ähnliches: Auf dem Label Kling Klong erschien kürzlich der Track “Finder” der jungen “talentierten” Stuttgarter  “Ninetoes” (“Sommerhit 2013″), dessen wesentliches Thema aus der Wiederholung eines Samples besteht, welches zu wenig verändert wurde, um nach Ansicht eines Musikfan, der mich auf diesen Fall aufmerksam machte, als eigenständige kreative Leistung zu gelten – mit eigener Trackbezeichnung und ohne Kenntlichmachung des Originals. Zitat:

“Ihr kennt ja wahrscheinlich den track Ninetoes-Finder oder? Nun ja mit Hinweis von nem Freund haben wir das Original gefunden was genau das selbe Stück ist nur ohne Claps und Beats… Ich finds ganzschön frech immer Lieder zu releasen, welche eig kaum eigene Arbeit erfordern sondern eig. nur ne edit mit ein paar Kicks und Claps sind.”

Trotzdem natürlich profitierte der Track, das Label und der Musikproduzent von der ästhetischen Ursprungsleistung des Samples, durch z.B. Musikverkäufe, Status, Anerkennung, Folgeaufträge, einer Remix-EP, vielleicht auch DJ-Gigs.

Folgend das Original:

RALPH MACDONALD – THE PATH PART 2.wmv

Hier der Track:

Ninetoes – Finder (Original)

Das geht aus einem Dokument hervor, welches die Veranstalter Kulturkosmos Müritz e.V. kürzlich veröffentlichten (PDF). Da dort nicht die Top of the Pops gespielt werden wär interessant zu erfahren, wie viel davon tatsächlich bei den Künstler_innen angekommen ist, deren Musik gespielt wurde. Auch sonst lohnt ein Blick in die Gewinn- und Kostenrechnung des Festivals mit Produktionskosten von über 5 Millionen Euro. Gerade vor dem Hintergrund, dass es sich trotz großer Besucherzahlen und enormen Erfolges ein “undergroundiges” Image bewahren kann und für viele als “unkommerzielle ” Ausnahmeerscheinung mit hoher Authentizität gilt. Manche hingegen betrachten die Veränderungen kritisch und wenden sich kleineren und unbekannteren Festivals zu.

Ganz einfach, geht in vier Minuten:

How to Make a Beatport Chart Topper

Ihr glaub nicht, dass das funktioniert? Hier ein Mash-up einiger derzeitiger Beatport Top-Tracks, gemacht von Daleri – super Idee:

Das ist die Tracklist des Mashups, sounds all the same, right?

1. Dimitri Vegas, Like Mike – Wakanda (Original Mix) [Intro]
2. FTampa – Kick It Hard (Original Mix)
3. Alvaro & Moti – NaNaNa (Original Mix)
4. Pyero – Genesis (Original Mix)
5. Chuckie, Dzeko & Torres – Down To This (Original Mix)
6. Makj – Springen (Original Mix)
7. Sini – Razz Up (Original Mix)
8. Pelari – Cango (Original Mix)
9. Krewella – Alive (Hardwell Remix)
10. Shermanology – The Only Way (Original Mix)
11. W&W – Thunder (Original Mix)
12. Gta, Henrix & Digital Lab – Hit It! (Original Mix)
13. Sultan, Ned Shepard, Fedde Le Grand – No Good (Extended Mix)
14. Henrix, Wayne & Woods – Jumangee (Original Mix)
15. Alvaro & Mercer feat. Lil Jon – Welcome To The Jungle (Original Mix)
16. Klauss Goulart & Mark Sixma – Rio (Original Mix)

Das Beispiel zeigt anschaulich, wie sehr Standardisierung in der Kulturproduktion auch heute eine große Rolle spielt, obwohl man lieber von “Kreativität” spricht. Btw, man kann problemlos andere Dance-Music Charts durchhören, z.B. “Deep House” auf Beatport. Ähnlicher Effekt, vielleicht nicht ganz so auffällig. Musikszenen neigen auch zur Mimese, aber dort, wo es ums große Geld geht, scheint der Effekt noch stärker ausgeprägt zu sein.

Schon seit vielen Jahren, und damit zahlreichen aufgedeckten Unzulänglichkeiten der Verwertungsgesellschaft GEMA (z.B. hier), wird beklagt, dass es endlich einer alternativen Verwertungsgesellschaft für Musik bedarf – und diese befindet sich nun mit der C3S in der Entstehungsphase. Aus ihrer Gründung ergeben sich zahlreiche Chancen für die technologisch und kulturell veränderte Musikwelt von heute: Z.B. der Berücksichtigung von Creative Commons Lizenzierung, dem Ende der Gema-Vermutung, eine echte demokratische Mitbestimmung über die Strukturen der Verwertungs-gesellschaft, einer tatsächlich vorhandenen Verteilungs-gerechtigkeit der Einnahmen, die Nutzung zeitgemäßer Tracking-Technologien, usw.

Und damit das alles möglich wird, seid ihr gefragt: Beteiligt euch am Crowdfunding, damit der juristisch und verwalterische Kraftakt der Gründung einer Verwertungsgesellschaft möglich ist ! Hier gehts zum Crowdfunding.

“Die Initiative der Cultural Commons Collecting Society (C3S) möchte eine faire und flexible Alternative zur GEMA gründen. Die C3S will mit Kreativen und Musikliebenden gemeinsam Musikern zu einem besseren Auskommen verhelfen – ohne Drohgebärden. Wir wollen eine digitale Alternative mit einer gerechten Verteilung für alle. Wir möchten eine Europäische Genossenschaft gründen, die jedem Musiker volles Stimmrecht bietet; nicht nur Spitzenverdienern wie in der GEMA.”

Erfreulicherweise veröffentlichte der Berliner Soziologe Georg Fischer vom Jäger & Sampler Blog erst kürzlich kostenfrei lesbar seine sozialhistorische Diplomarbeit, in der es um Kreativität und Innovation des Sampling geht. Dabei hebt er die Rolle hervor, die Sampling für die Entwicklung elektronischer Musik und der DJ-/Track-/Club-Kultur spielte. Sehr lesenswert und informativ, sowohl für privat Interessierte als auch akademisch Orientierte.

“Die Arbeit beschäftigt sich mit der musikalischen Praxis des Samplings unter den Gesichtspunkten Kreativität, Neuheit und Innovation. Nach einer Diskussion und konzeptionellen Aufbereitung dieser Schlüsselbegriffe aus sozialwissenschaftlicher Perspektive richtet sich der Fokus der Arbeit auf die historische Analyse des musikalischen und künstlerischen Phänomens Sampling. Zuerst werden die Vorläufer aus der akademisch-künstlerischen Avantgarde-Bewegung und der „Neuen Musik“ (etwa von 1900 bis 1975), anschließend die Populär- und Subkulturen von HipHop und Drum’n’Bass (etwa von 1970 bis 2000) untersucht. Zur Untersuchung können die folgenden beiden Hauptthesen formuliert werden:

Erstens soll anhand der Historie des Samplings aufgezeigt werden, dass es sich hierbei weder um eine schnelllebige Mode noch um eine alles umschmeißende Revolution, sondern vielmehr um eine Innovation mit brüchiger Entwicklung, vielfältigen Konsequenzen und diversen gesellschaftlichen Referenzen handelt. Die Ausmaße dieser Sampling-Kultur lassen sich eigentlich erst mithilfe eines breiten Innovationsbegriffs adäquat begreifen. Von besonderem Interesse ist hierbei die Beobachtung, dass die bis zur Jahrhundertmitte eher vereinzelt auftretenden Samplingversuche sich mit den Formationen der „Musique concrète“, der „Elektronischen Musik“ und der „Minimal Music“ erstmals systematisch verdichten und eine eigene, wissenschaftlich unterfütterte Produktionskultur entstehen lassen. Aber erst in den 1970er Jahren kann mit der Soundsystem- und DJ-Kultur des HipHop, also in einem anderen sozialen Kontext, unter spezifischen technischen Voraussetzungen und besonderen Motiven, das Sampling erneut erfunden und weiterentwickelt werden sowie schließlich als Innovation in gesellschaftlicher Breite diffundieren.

Zweitens können beim Sampling verschiedene Formen von Kreativität beobachtet werden, die sich in der Entwicklungsgeschichte innerhalb spezifischer Sampling-Praktiken etablieren und rückgebunden an Genre-eigene Regelsysteme ausprägen konnten. Jene kreative Praktiken des Suchens, Gestaltens und Sinnstiftens von Samples finden in kreativen Verbünden verschiedener Größe, innerhalb spezifischer institutioneller Settings und auf Grundlage eines gemeinsam geteilten Produktionsparadigmas statt. Die zweite These mündet in der Schlussfolgerung, dass die Stücke, die in HipHop und Drum’n‘Bass auf der Grundlage von Samples produziert werden, einer dreifachen Forderung nach Kreativität ausgesetzt sind: Erstens durch das Finden unverbrauchter, aber ästhetisch anschlussfähiger Samples; zweitens durch die Transformation und Ausgestaltung dieser Samples zu attraktiven „Tracks“, die Publikum, Kollegen und Konkurrenz bestenfalls beeindrucken; drittens durch Aufführung dieser Tracks in Form von DJ-Sets und damit durch ihre Einbettung in neue musikalische Zusammenhänge.”

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Techno Szene, Berlin Mitte Institut für Bessere Elektronische Musik, Underground





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