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Wie das Portal allfacebook.com berichtete hat Facebook begonnen Veranstaltungseinladungen zu reglementieren. Jetzt dürfen Privataccounts nur noch 100 Leute auf einmal und nacheinander einladen, wenn die Gesamtzahl von 300 noch bestehenden offenen Einladungen nicht überschritten wird. Die kommerziellen Ambitionen der Techno-Szenewirtschaft dürften damit gedämpft werden, denn Masseneinladungen zu Clubveranstaltungen als auch Open Airs wurden zum zentralen Bestandteil von Party-Marketing. Nicht für alle, aber für die meisten. So mancher Veranstalter verfügte sogar über mehre Accounts, nur um einladen und NutzerInnen adden zu können. Veranstalter haben bisher  kommerziell und umsonst von einer Funktion profitiert, die von Anfang an nicht für kommerzielle Verwendung vorgesehen war, sondern für Empfehlungen und Einladungen unter Privatpersonen. Und damit scheints jetzt erstmal vorbei zu sein.

facebook einladungen Facebook limitiert Veranstaltungseinladungen   Konsequenzen für Techno Szenewirtschaft ?

Die Facebook-NutzerInnen werden sich freuen, denn dies bedeutet (erstmal) weniger Party-Spam. Die Szenewirtschaft wird vermutlich per Statusupdates, Chronikpostings und mehr Sponsored Ads reagieren, aber die Masseneinladungen werden sich damit nicht ersetzen lassen. Für die Partys selbst könnte dies zum Vorteil werden, da Facebook-Events oftmals als entsubkulturalisierend wahrgenommen werden, da die Einladungsfunktion nicht als Mundzumund-Propaganda-Tool genutzt wurde, sondern zur willkürlichen Einladung möglichst vieler NutzerInnen. Durch die Vermassung und Durchmischung des Publikums, bzw. dem Erreichen neuer rein konsumorientierter und jüngerer Zielgruppen, wurde oftmals eine gefühlte verminderte Attraktivität des Party-Geschehens beklagt. Aber ich vermute auch, dass Facebook das kommerzielle Marketing-Potential von Veranstaltungseinladungen zukünftig stärker nutzen wird; der Bedarf die Facebook-NutzerInnen für kommerzielle Events als Werbegruppe anzusprechen, und dafür dann auch bezahlen, ist groß.

 Facebook limitiert Veranstaltungseinladungen   Konsequenzen für Techno Szenewirtschaft ?Author info: Fresh Meat

Fresh Meat is the founder of the „Berlin Mitte Institut für Bessere Elektronische Musik" web project, producing laid back webTV shows around the Berlin electronic dance music (EDM) scene, work and economy since 2006. He is spinning records in the universes of techno, minimal, techhouse, chillout and breakbeat music. Jan studied sociology at the Technische Universität Berlin and graduated with a thesis on the production of EDM in homerecording studios. He currently writes a sociologial dissertation on work in the Berlin EDM "underground" scene economy.

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Youtuber Domien Verschuuren durchstöberte Sample-Kits für Musik-produzenten – und fand auf einem einzigen (sogar in demselben Ordner), der “NuJazz City”, jene Trackelemente genauso, wie sie auch später durch Klangkarusselll in “Sonnentanz” benutzt wurden – woraus ein internationaler Hit wurde. Mittlerweile hat Universal (UMG) das Video wegen “Copyright Ansprüchen” sperren lassen. Gerade vor dem Hintergrund der im Video geäußerten Vorwürfe eine eher “delikate” Reaktion.


Edith 8: Das Video von Domien, welches von Universal auf Youtube gesperrt wurde, ist wieder online, und zwar auf Vimeo.

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Edith 7: Ein weiteres Sample wurde gefunden, Quinto hat mich drauf hingewiesen: Der sehr markante wabernde Bass-Synthie, wo manche bisher noch sagten “Na wenigstens haben se den selber gemacht“, stammt vom Nexus 2 Progessive Techhouse Sampling Pack (Min 3.24). Ergänzung: Kasparaitis in den Kommentaren meint, dass es sich hier wahrscheinlich um ein nachgebautes Sample handelt, sodass Klangkarussell vermutlich ihr Sample doch  nicht vom Nexus Pack haben, sondern jemand das Klangkarussell-Sample fürs Samplepack nachgebaut hat.

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Es ist zwar total üblich und akzeptiert, dass munter von solchen “Construction Kits” gesampled wird. Aber das künstlerische Selbstverständnis – eine Art informell aufrecht erhaltener Berufsethos der Musikproduzenten in Musikszenen – besagt, dass eine distinktive Eigenleistung auch beim Sampling gefordert wird, um sich das musikalische Ereignis als künstlerische und kommerzielle Eigenleistung anrechnen lassen zu dürfen. Und diese bedeutet, dass das Ursprungssample grundsätzlich verändert werden sollte, um nicht genauso wie das Original zu klingen. Klangkarussell haben zwar durch die Arrangierung als Loop und Track auch eine, in diesem Sinne, künstlerische Eigenleistung vorzuweisen; jedoch wird die Bekanntheit dieses Tracks eher auf die charakterischten und unveränderten Sampleelemente zurückgeführt, als auf das Arrangement und die Einpassung der Samples. Wer hat nun den Hit gemacht? Hört selbst: (Video gesperrt durch Universal)

'Sonnentanz' unmasked: nothing more than a construction kit…

Edith 6: Da Universal das erste Video sperren lies, hat sich weiterer Youtuber mit Klangkarussell’s Sampling-Praxis beschäftigt – und zeigt anhand der einzelnen Beispiele aus dem Sampling-Kit, wie Klangkarussell mit der “Sampling-Ethik” von Musikproduzenten brechen.

Die "Sonnentanz" Debatte

Btw: Ein ähnliches Phänomen gibt es auch bei der Benutzung von Presets aus Audio-Software von z.B. Ableton oder Cubase. Werde die ange-botenen Presets nicht lediglich als Inspiration benutzt, sondern beinahe 1 zu 1 in Musiktracks übernommen, sprechen Produzenten abwertend von “Preset-Techno”.

Edith 1: Mittlerweile ist in sozialen Netzwerken eine Debatte losgestoßen, die einerseits die Position vieler Musikproduzenten bestätigt und in der Wortschöpfung “Dieb House” kulminierte.  Also eine “unkreative” Handhabe mit den Samples kritisiert,  und dies mit “Dreistigkeit” und “unverdientem Erfolg und Geld” bewertet. Anderseits werden auch Positionen lauter die urteilen, dass sich der Track alleine schon durch seinen Erfolg legitimiert und solcherlei Samplingpraxis heutzutage zum Geschäft gehöre – also normal sei. Diese kulminierte in der Wortschöpfung “Samplepolizei“. Von den Mainstream-Medien wurde das Thema noch nicht entdeckt, bisher beschränkt sich die Debatte auf soziale Netzwerke.

Edith 2: Da deutlich wurde, dass die distinktiven Samples von “Sonnentanz” nicht durch das Copyright von Klangkarussell/Universal geschützt sind und 1 zu 1 vom NuJazz-Construction Kit gesampled werden können, haben sich die ersten Produzenten daran gemacht ihre eigenen Sonnentanz-Versionen zu kreieren. Z.B:

FRÜHLINGSMARMELADE – MONDTANZ

Edith 4: HA ! Von wegen. Jetzt wird es richtig interessant. Will man sich das Video per Hidemyass anschauen, kommt eine Sperre seitens UMG.  Universal hat das Video auf Youtube gesperrt – wieso nur?

umg sonnentanz 500x385 Sonnentanz unmasked: Klangkarussell haben das Charakteristische bei Sonnentanz unkreativ gesampled

Edith 5: Mittlerweile gibt es ein populäres Missverständnis der Debatte: Manche interpretieren, dass die Legitimität von Sampling generell infrage gestellt wird – und verweisen auf eine große Historie von Sampling. Das ist natürlich nicht der Fall, so ziemlich alle in Musikszenen sind Fans von Sampling. Die stattfindende Diskussion kreist um die Debatte, welche Formen des Sampling legitim sein sollen und welche nicht. Und je nach Position im kulturellen Feld elektronischer Tanzmusik, frei nach dem Soziologen Pierre Bourdieu, sind bestimmte Ansichten unter Fans und Musikproduzenten wahrscheinlicher als andere. Und diese Ansichten kollidieren über unterschiedliche Meinungen zu Sampling.

Mehr zur Reflexion über Musikproduktion in Homerecording-Studios gibts hier.

 Sonnentanz unmasked: Klangkarussell haben das Charakteristische bei Sonnentanz unkreativ gesampledAuthor info: Fresh Meat

Fresh Meat is the founder of the „Berlin Mitte Institut für Bessere Elektronische Musik" web project, producing laid back webTV shows around the Berlin electronic dance music (EDM) scene, work and economy since 2006. He is spinning records in the universes of techno, minimal, techhouse, chillout and breakbeat music. Jan studied sociology at the Technische Universität Berlin and graduated with a thesis on the production of EDM in homerecording studios. He currently writes a sociologial dissertation on work in the Berlin EDM "underground" scene economy.

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Wer schon immer wissen wollte, ob man tatsächlich kreativ ist, der sollte folgenden kurzen Kreativitätstest von Niklas Luhmann probieren:

“Auf der ersten Stufe ist eine ganz einfache Verhaltensregel zu befolgen: Man nehme sein Gewissen und gehe in das Nachbarzimmer. Wenn man feststellt, dass der Nachbar Bücher liest, die man selbst noch nicht gelesen hat, und wenn man dann ein schlechtes Gewissen verspürt, ist man nicht kreativ. Man will ihn nachahmen. Wenn man dagegen feststellt, dass der Nachbar die gleichen Bücher liest wie man selbst und man dann ein schlechtes Gewissen verspürt, ist man vermutlich kreativ. Denn dann such man, vielleicht unbewusst, neue Wege.  Kreativität wird hier also über die Steuerung von Schuldgefühlen getestet. Allerdings ist dies nur die erste Stufe des Tests. Auf der zweiten Stufe gilt dagegen die Regel: Wer den Kreativitätstest anwendet, ist schon deshalb nicht kreativ; denn das zeigt, dass er interessiert daran ist, kreativ zu sein. Und das wollen ja schließlich alle.”

Weiterlesen über Kreativität? Kostenfrei lesbare PDFs:

Ulrich Bröckling: Über Kreativität. Ein Brainstorming. – LINK

Niklas Luhmann: Kreativität – LINK

Michael Horn von der Webseite Audio-Mastering-Guide hat 3 Ebooks über Mastering, Recording und Promotion für Musikproduzenten geschrieben und diese zum kostenfreien Download bereitgestellt. Mehrere hundert Seiten Audio-Fachwissen, und das ganz für lau. Jetzt müsst ihr euch nicht mehr in Internetforen mit angenervten Besserwissern rumschlagen, und die sich nicht mehr mit wenigwissenen Nixcheckern. Einfach Buch runterladen, am besten ganz durchlesen bzw. nachschlagen, was man braucht. Ich habe nur kurz mal drübergelesen; dort ist eine Menge Fachwissen zusammengetragen worden, welches Musikproduzenten nutzen können, um die Qualität ihrer Musik zu verbessern.

Mixing & Mastering
Ein Leitfaden zum Pre-Mastering, Mastering und Mixing

>> Download PDF

Recording, Mikrofone, Raumakustik
Ein Leitfaden zur Recording- und Mikrofonpraxis

>> Download PDF

Music-Promotion-Guide
Selbst-Promotion für Musiker und Bands

>> Download PDF

Meine Arbeit über Musikproduktion in Homerecording-Studios
adde hier einfach mal ganz frech:

>> Click

Das ist interessant: Das Unternehmen “Industrial Strange” versucht mithilfe der Grenzziehungen in Musikszenen besser “Clubwear” (sowas gibts tatsächlich noch) zu verkaufen, indem man die “Fuck Fake DJs” Zielgruppe definiert, sich mit ihnen, zumindest als Marketing-Kampagne, verbindet – und durch diesen Austausch offenbar hofft mehr Klamotten zu verkaufen. Ich vermute zur Zielgruppe gehören dann die Vinyl-DJs, die Anti-Guetta-Fraktion, ältere DJs die mit den Apple/Traktor-Praxen der jüngeren Generation nicht mehr zurechtkommen, usw. Dabei wird schlauerweise nicht vermittelt wer genau angesprochen werden soll, es geht schließlich lediglich um die Kommerzialisierung der Anti-Haltung. Diese Haltung wirkt nämlich  lebensweltlich ausgrenzend/exklusiv, und das ist nicht im Sinne kulturindustrieller Zielgruppenbildung, die aufgrund ihrer Ambitionen und Kostenstruktur auf Viele setzt und setzen muss.

fuckfakedjs 500x751 Kommerzialisierung einer Distinktion: Fuck Fake DJs

 Kommerzialisierung einer Distinktion: Fuck Fake DJsAuthor info: Fresh Meat

Fresh Meat is the founder of the „Berlin Mitte Institut für Bessere Elektronische Musik" web project, producing laid back webTV shows around the Berlin electronic dance music (EDM) scene, work and economy since 2006. He is spinning records in the universes of techno, minimal, techhouse, chillout and breakbeat music. Jan studied sociology at the Technische Universität Berlin and graduated with a thesis on the production of EDM in homerecording studios. He currently writes a sociologial dissertation on work in the Berlin EDM "underground" scene economy.

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Where art and commerce hold hands in the sunset:
A pilot study of Kater Holzig @ Papaya Playa – a Design Hotels project
Von Benjamin Scheerbarth

Kompletter Artikel hier kostenfrei lesbar, Zusammenfassung/Schlussfolgerung below:

“Though the artistic avant-garde has been heralded as effective critics and resistors of capitalist subjugation, the subjectivities and structures that emerged in relation to KaterHolzig @ Papaya Playa—A Design Hotels™ Project illustrate the ongoing co-optation of such subcultures by global capitalism. The emerging markets for creative products as well as the appropriation of Selbstbestimmung by capitalist logic dramatically lessen the critical potential of counterculture. However, both in spite of and because of this, it is premature to declare demands for personal freedom and creativity to be futile. Though the Tulum experience has proven problematic, it does invite further investigation into ideas of creativity and personal freedom. Ulrich Bröckling posits that in order for true creativity to unfold it needs space (at least temporarily) free from the constraints of sustaining a living. However, in this project every member, knowingly or unknowingly, instrumentalizes their creativity towards marketable products, services, experiences, and emotions. Bröckling further suggests that when creative deviance is expected and demanded, persistent nonconformity paradoxically becomes the ultimate conformity. Thus, the solution must not be “Don’t be creative!”; rather, it lies in the discontinuation of such imperatives altogether.

Further, the project problematizes the widely held notion that functional differentiation leads to increased personal freedom. Does the pluralization of individual roles and ties of the creative-individual-as-enterprise actually result in an increase in individual freedom? For Georg Simmel, liberation from social ties and the resultant increase in individual choice does not automatically increase individual freedom, since choice still requires support from others. In effect, “free” is only to understand oneself as dependent—especially for the creative self, which depends on affirmative recognition from others. In today’s creative workplace, “security cannot be found easily outside of the hierarchical unit that has been replaced by a series of projects.” Thus, the flexible, fluid, and ephemeral networks and the multiplicity of roles and social ties observed at Papaya Playa are, though perhaps more efficient, not more liberating than the traditional structures they replace.

Die sogenannte “Kultur- und Kreativwirtschaft” ist spätestens seit Ende der 1990er auch bei uns in Deutschland ein großes Thema. In Berlin hat sie eine besondere Historie, da hier auf Basis subkultureller Milieus, den Konsequenzen der Wende und neuer Technologien ein neuer Sozialraumtypus, der des “Culturepreneurs” (Bastian Lange), entstanden ist. Auch die Berliner Szenewirtschaften und Szenen rund um elektronische Tanzmusik werden typischerweise unter ihr subsumiert – und in akademischen, politischen aber auch gesellschaftlichen Diskursen aufgrund ihrer Attraktivität und Standortrelevanz als “Kreativwirtschaft” bzw. “Kreativszene” verstanden. Mittlerweile gibt es zahlreiche Bücher zwischen Prophetie, Academia, Kritik und Wirtschaftspolitik, die man ja nicht alle lesen kann und oftmals auch nicht muss. Einen guten Einstieg ins Thema geben zwei im Internet umsonst herunterladbare Veröffentlichungen, die ich euch ans Herz legen möchten. Als Techno-Forscher kommt man um die Berücksichtigung dieser hybriden Ansätze nicht mehr herum. Ich bin zwar nach wie vor mit dem Begriff “Kreativität”, manchen ihm zugrunde liegenden Annahmen und seinen Anwendung auf ganze Menschengruppen, auf Kriegsfuß, und setze diese Zurückhaltung in eine Theorie der Szenewirtschaft um; dennoch kann man von einigen Einsichten dieses Forschungsfeldes lernen.

Einmal wäre da Michael Söndermann’s “Gesamtwirtschaftliche Perspektiven der Kultur-und Kreativwirtschaft in Deutschland” (PDF) von 2009. Dieser gibt einen statistisch basierten Überblick und Einblicke in ein wirtschaftspolitisch (neoliberal) motiviertes Verständnis von Kultur- und Kreativwirtschaft. Die Bundesregierung stützt sich auf seine Zahlen und Definitionen – diese werden auch darüber hinaus, in z.B. einzelnen Branchen, viel zitiert. Auch die mittlerweile unzählbaren und recht ähnlichen Kreativwirtschaftsberichte einzelner Städte und Regionen übernehmen seine Kategorien und Setzungen. Das gibt einen guten Gesamtüberblick, jedoch stößt man hier sehr schnell an Grenzen: Die Kategorisierungen richten sich nach statistisch festgelegten Branchen, über das tatsächliche dynamische Innenleben der einzelnen Bereiche mitsamt ihrer internen Grenzen und Grenzziehungen erfährt man kaum etwas. Stattdessen gibts die alte Hochkultur vs. Popkultur Legitimation. Außerdem wirken die Berichte und Setzungen, wie auch Söndermann selbst, recht prophetisch, unkritisch und oftmals unreflektiert gegenüber dem, was die Kreativwirtschaft kann, sein sollte, tatsächlich sei und sein könnte. Für Analyse von Musikszenen also eigentlich ungeeignet, als Grundlage politischen Handelns durch die Stimulierung von Entsubkulturalsierungseffekten, gemessen an den eigenen Ansprüchen von Wachstum und Wertschöpfung,  vermutlich sogar kontraproduktiv. Aber in solchen Branchen- und Marktverständnissen denken viele in Politik und Wirtschaft, daher sollte man diese Definitionen kennen.

Beinahe am gegenüber liegenden Pol ist der ebenfalls frei verfügbare Tagungsbericht “Kultur- und Kreativwirtschaft in Stadt und Region” (PDF) von 2011, angefertigt von Bastian Lange, Markus Hesse und Anne von Streit. Er verortet sich auch in den grundsätzlichen Annahmen und Einsichten der gewachsenen Relevanz von Kreativwirtschaft und Kreativität/Innovation für Stadt und Region, speist sich aber aus qualitativen Forschungsergebnissen. An Beispielen werden in soziologische, historische und wirtschaftsgeografische Voraussetzungen eingeführt, die zu einer Konstitution von “Kreativszenen” und “Kreativwirtschaften” führen. Dabei werden auch Spezifika einzelner Branchen erläutert, die Grundlagen ihrer eher prekären Arbeitsverhältnisse dargelegt und die Probleme politischer Steuerung und Kulturförderung ausgeführt. Gerade der erste Text, und die Texte von Lange & Hesse werfen doch ein sehr anderes und weitaus präziseres Bild auf sogenannte “Kreativbranchen”.

Natürlich gibt es noch zahlreiche weitere gute Texte in diesem Bereich, die ich hier allerdings nicht weiter aufliste. Die Idee diesen Postings ist eher einen pragmatischen Einstieg für Interessierte am Thema zu bieten. Aber posted am besten einfach Texte, die ihr für wichtig haltet, in den Kommentaren. Danke euch icon smile Texte zur Theorie über Kultur  und Kreativwirtschaft

 Texte zur Theorie über Kultur  und KreativwirtschaftAuthor info: Fresh Meat

Fresh Meat is the founder of the „Berlin Mitte Institut für Bessere Elektronische Musik" web project, producing laid back webTV shows around the Berlin electronic dance music (EDM) scene, work and economy since 2006. He is spinning records in the universes of techno, minimal, techhouse, chillout and breakbeat music. Jan studied sociology at the Technische Universität Berlin and graduated with a thesis on the production of EDM in homerecording studios. He currently writes a sociologial dissertation on work in the Berlin EDM "underground" scene economy.

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kreativwirtschaft Texte zur Theorie über Kultur  und Kreativwirtschaft

(Bildquelle: berlin.de)

Prekarität bei Kulturschaffenden auf den Punkt gebracht.

existenzangst 500x375 Prekarität in der Kultur  und Kreativwirtschaft

Quelle: Facebook (Vermutlich irgend eine Galerie – wenn jemand mehr weiß her mit den Infos)

Im Jahr 2007 veröffentlichte Ryan Moore von der Florida Atlantic University eine Studie über die Kulturproduktion von Punk im südlichen Kalifornien. Er nutze Pierre Bourdieu’s Theorie des kulturellen Feldes, um anhand eigener empirischer Daten zu zeigen, dass jugendkultureller Widerstand nicht lediglich symbolisch oder via Stil vollzogen wird, sondern auch durch das Herausbilden alternativer musikindustrieller Strukturen in Form kleiner Labels und Fanzines geschieht. Passt natürlich gut in meine Theorie der Szenewirtschaft und gehört damit auch in die Wissenssektion dieses Blogs. Umso mehr man wühlt, umso mehr Studien finden sich, die das Feld der Kulturproduktion nicht lediglich der Logik Kulturindustrien überlassen, sondern tiefer in subkulturell orientierten Szenen blicken. Fein, fein.

Das komplette Paper gibt es hier zu lesen: CLICK (PDF)

Ryan Moore: Friends Don’t Let Friends Listen to Corporate Rock
Punk as a Field of Cultural Production

“In a world where media employ the rhetoric of democratic “choice” but are in fact owned by only a handful of multinational conglomerates, the most subversive element of punk may be that its methods of production give mavericks and heretics a chance to scream from the margins of popular culture.”

“This article examines punk subculture’s methods of commercially independent cultural production. While previous scholarship on punk and other youth cultures concludes that resistance is to be found in fashion, style, and symbolic gestures, the author locates dissent in the act of producing music and media that are relatively autonomous from the corporate culture industry, which in punk subcultures is known as the “do-it-yourself ethic.” Pierre Bourdieu’s theory of “the field of cultural production” is used to explain how cultural producers are motivated to create and perform independently of the commercial marketplace. The findings are based on years of participant- observation and in-depth interviewing within punk subcultures in the Southern California region.”

Abstract/Klappentext: Das Phänomen Netaudio wird erstmals aus ethnologischer Sicht untersucht. Anhand ihres vielfältigen empirischen Materials stellt Antina Michels anschaulich dar, auf welche Art und Weise Netaudio produziert, wofür Netlabels genutzt werden und wie deren Akteure in lokalen und transnationalen Netzwerken kommunizieren und kooperieren. Die Studie verdeutlicht an zwei prägnanten Fallbeispielen – den nicht-profitorientierten Netlabeln Pentagonik und Pulsar -, wie alternative Modelle zur konventionellen Musikindustrie entstehen. Musiker, Künstler, Netlabelbetreiber und Veranstalter schließen sich europa- und zunehmend auch weltweit in sozialen Netzwerken zusammen. Sie leben und erproben so zeitgemäße Formen von On- und Offline-Vergemeinschaftung. Diese Pionierarbeit zeigt auf, wie die Netaudio-Szene das Netzwerk nutzt, um ihre Ideen und Ideale erfolgreich umzusetzen. Durch die zahlreichen in diesem Buch enthaltenen Interviewpassagen, Bilder und Beschreibungen bekommt der Leser einen tiefen Einblick in den Alltag der Akteure. Als eine der ersten wissenschaftlich fundierten Studien zum “Phänomen Netaudio” kann dieses Buch als Fundament für weiterführende Untersuchungen im Themenbereich Netlabels und Netaudio empfohlen werden.

Download des gesamten Buches (PDF): Click

Gehosted von Netaudio Berlin

titel montage Studie über Netlabels: Soziale Netze On  und Offline (2009, Antina Michels)



Techno Szene, Berlin Mitte Institut für Bessere Elektronische Musik, Underground

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