Doku: SubBerlin – Geschichte des Berliner Tresor Club
Oktober 4, 2010 | Gesammeltes Wissen über die Techno-Kultur | 4 CommentsEin weitere Techno-Doku über die Anfangszeiten des Berliner Techno, die in unser Doku-Sammlung in der Rubrik "Wissen über die Techno-Szene" nicht fehlen darf. "Der Film von Tilman Künzel erzählt sowohl die Geschichte des Tresors als auch den Übergang des Technos aus dem Underground in die Öffentlichkeit. Gezeigt werden Originalaufnahmen aus dem Club sowie Interviews mit DJs, dem Team um Dimitri Hegemann sowie Patrick Reich, dem Geschäftsführer des Unternehmens, das das Gelände zu Errichtung eines Bürogebäudes erwarb." (Quelle: Wikipedia)
'SubBerlin' erzählt die Geschichte des Berliner Techno-Clubs 'Tresor' von den Anfängen in der Zeit nach dem Mauerfall bis zu seinem Abriss im Jahr 2005. Nach der Wende schien alles möglich: Niemand wusste, wem welcher Grund und Boden gehört in Ost-Berlin – schon gar nicht auf dem ehemaligen Mauerstreifen. Kulturaktivisten drangen ein in die Tresorräume des längst abgerissenen Kaufhauses Wertheim und schufen einen magischen Ort, an dem sich die Jugend aus Ost- und West-Berlin erstmals zum Feiern traf – bei einer neuen, bis dahin unbekannten Musik.
'SubBerlin' zeigt die Entwicklung des Techno zwischen Detroit, Berlin und dem dortigen großen Stern, wo er auf der 'Love Parade' endgültig zum Massenphänomen wurde. Der Film ermöglicht Zuschauern, die Techno nicht zu ihrer Lieblingsmusik zählen, interessante Einblicke in eine Szene, die meist nur als Teil einer Party- und Spaß-Generation belächelt wird. Auf dem Portobello-Film-Festival 2008 in London wurde 'SubBerlin' mit dem Preis für die beste Musikdokumentation ausgezeichnet. (Quelle: Sevenload)
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Popmusik als Industrieprodukt (Peter Wicke, 1997) (Musikindustrie, Kulturindustrie, Musiksoziologie)
Oktober 1, 2010 | Gesammeltes Wissen über die Techno-Kultur | Leave a CommentEinen überaus spannenden Artikel zu den Zusammenhängen musikindustriell produzierter Popmusik fand ich auf den den Internetseiten der Humboldt Universität Berlin, geschrieben von Peter Wicke im Jahr 1997. In seinem Text beschreibt er, was es bedeutet, wenn Musik auf eine industrielle Art durch große Medienkonzerne für große Massen produziert und vermarktet wird. Er räumt auf mit dem Mythen von monolithischem "Kommerz" und "Manipulation", gleichzeitig fehlt ihm jedoch das Gespür für die strukturellen Unterschiede zwischen der Produktion von Musik in kleinkommerziellen Szenenzusammenhängen und der oligopolistischen Musikindustrie mit ihren großen Medienkonzernen. Jedoch gibt er einen schönen Einblick in die Komplexität der Massenmusikindustrie (z.B. Marketing, Rundfunk, Promotion, diverse Interessen Beteiligter, etc.), die auch in eine geschichtliche Entwicklung eingebettet werden. Sehr spannend zu lesen und mit einer ganzen Reihe an Aha-Effekten gespickt. Kann man gut als Gegentext zum Rèsumè über Kulturindustrie von Adorno studieren. Folgend ein paar Zitate, die Lust aufs Lesen wecken sollen:
Die Musikindustrie bildet das Fundament, auf dem die Kategorie Popmusik als ein jeweils bestimmtes Ensemble von Spielweisen, Strukturformeln, Produktionstechnologien, Aufführungspraktiken, Umgangsweisen mit Musik, Images und Medienbilder konstruiert wird.
Daß die Industrie ihrer Kundschaft am Ende nur liefere, was diese mehrheitlich wollen — eines der Standardargumente der Industrie — stellt allerdings die Verhältnisse ebenso auf den Kopf wie die Gegenthese. Hinter den Hits und Stars der Popmusik stehen nicht imaginäre Mehrheitsentscheidungen. In den Gesamtrelationen betrachtet wird das kommerzielle Geschehen von Minderheiten bewegt. Bezieht man in die Betrachtung aller Medien ein, ergibt sich ein ganz anderes Bild als Hitlisten und Schallplattenverkauf suggerieren.
Die Grundstrukturen, in denen der beschriebene Prozeß verläuft, waren in den fünfziger Jahren bereits voll ausgebildet. Popmusik verkörperte schon damals einen kommerziellen und technologischen Prozeß, der auf der Basis des Trägermediums Schallplatte organisiert ist und in der Hauptsache von einigen wenigen marktbeherrschenden Großfirmen getragen wird, die von einer Vielzahl spezialisierter Kleinunternehmen umgeben sind. Die fünfziger Jahre markieren hier insofern eine Zäsur, als der kommerzielle Prozeß bis Ende der vierziger Jahre angebotsabhängig verlief; die Plattenfirmen verkauften, was sie produzieren konnten. Mit der Massenproduktion von Konsumgütern wurden aber auch im Tonträgerbereich schnell die Sättigungsgrenzen des Marktes erreicht; der Gesamtprozeß geriet in eine Nachfrageabhängigkeit. Seither regelt sich der kommerzielle Prozeß durch eine kalkulierte Überproduktion, das heißt, es wird insgesamt wesentlich mehr produziert als tatsächlich absetzbar, weil nur so ein hoher Marktanteil zu halten ist, der wiederum eine entscheidende Voraussetzung dafür darstellt, mit den Risiken dieses Marktes einigermaßen erfolgreich umzugehen.
Insgesamt läßt sich daran ablesen, daß Popmusik nicht nur ein musikalisches und kulturelles Medium Jugendlicher ist, sondern mitten im Schnittpunkt von ökonomischen, technologischen, administrativen, kulturellen, sozialen und ästhetischen Entscheidungen steht und nur so existent sein kann. Keiner dieser Faktoren, auch nicht der ökonomisch- kommerzielle, liegt außerhalb des Musikalischen, sondern sie alle konstituieren das Musikalische hier. Deshalb sind die simplizistischen Vorstellungen, nach denen das Verhältnis von Musikindustrie, Popmusik und jugendlichen Musikhörern häufig beschrieben wird, nicht nur realitätsfern, sondern jede darauf gegründete Kritik bleibt zwangsläufig auf eine groteske Weise folgenlos.
Den vollständigen Text gibt es << hier >> zum Lesen, viel Vergnügen!
What’s Techno? – Thats’s Techno! (Barbara Volkwein, 2003) – Geschichte, Diskurse und musikalische Gestalt elektronischer Unterhaltungsmusik
September 25, 2010 | Gesammeltes Wissen über die Techno-Kultur | 2 CommentsBarbara Volksweins Buch über die musikalische Praxis House/Techno ist als kostenlose Onlineversion lesbar – siehe hier. Sehr interessant für Studierende / Technoszenen-Beforschende / Journalisten auf der Suche nach Definitionsangengeboten für das scheinbare Mysterium Techno. Ihr Resümee (Kapitel 9 – Thats Techno!) hier:
That’s techno! Zusammenfassung und Ausblick (Barbara Volkwein, 2003, 187-191)
Wenn, wie im ersten Kapitel das Zitat von Jeff Mills dokumentiert, Techno eine Musik sein soll, die man sich nicht vorstellen kann, dann bezieht sich dies nicht auf eine unverstehbare Musik, sondern auf Sounds, die den (Pop)Musikhörern fremd und neu erscheinen. Techno hat besonders in den frühen Jahren seiner Existenz mit ungewöhnlichen Klängen und Klangzusammenstellungen überrascht. In der medialen Vermittlung wurde händeringend nach einem handlichen Begriffsrepertoire für die Erscheinung von Techno gesucht – bunt durcheinander gewürfelt war der Gebrauch des Technobegriffs für ein soziokulturelles sowie musikalisches Phänomen. Erst aus szeneinterner Sicht schälten sich die für die Musik adäquaten Klassifizierungen von Techno heraus: House, Acid, Techno, Gabber/Hardcore, Trance und Ambient bildeten bis Ende der 90er Jahre die tragenden Säulen elektronisch und computergestützt produzierter Clubmusik. Nicht nur in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung etabliert sich nun, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, die Unterscheidung von Techno und House als feststehende Größe, die rein musikalisch gesehen auch wesentlich ist. Continue reading “What’s Techno? – Thats’s Techno! (Barbara Volkwein, 2003) – Geschichte, Diskurse und musikalische Gestalt elektronischer Unterhaltungsmusik” »
Text: Theodor W. Adorno: Rèsumè über Kulturindustrie
September 23, 2010 | Gesammeltes Wissen über die Techno-Kultur | Leave a CommentTheodor W. Adorno's und Max Horkheimer's und klassischer Beitrag zur Theorie einer Massenkultur ("Kulturindustrie") findet nach wie vor noch Rezeption, jetzt gibt es ihren zusammenfassenden Text auf Scribd zum Lesen. Gleich im Anschluss empfiehlt es sich den ein oder anderen kritischen Text zu Adorno im Netz zu lesen, einfach Suchmaschine anschmeißen. Denn "die" Kulturindustrie ist keinesfalls solch ein monolithischer Block, wie von Adorno dargestellt. Auch gibt es mittlerweile sehr gute Studien aus z.B. den Cultural Studies, die eine einseitige Manipulation des Konsumenten widerlegen. Wem die Natürlichkeit seiner Konsumpräferenzen, sei es für Musik, Kunst, Essen oder anderes schon immer fragwürdig erschient, und er oder sie sich fragte, inwiefern genau diese eigentlich durch die "Kulturindustrie" aus Film, Radio, Fernsehen, Musik, Marketing, Promotion, usw. erst entstehen bzw. forciert werden, der wird dazu in diesem Klassiker der Frankfurter Schule einige Denkanregungen finden. Viel Spaß, sind übrigens nur fünf Seiten.
Der Gesamteffekt der Kulturindustrie ist der einer Anti-Aufklärung; in ihr wird, wie Horkheimer und ich es nannten, Aufklärung, nämlich die fortschreitende technische Naturbeherrschung, zum Massenbetrug, zum Mittel der Fesselung des Bewußtseins. Sie verhindert die Bildung autonomer, selbständiger, bewußt urteilender und sich entscheidender Individuen. (Adorno, s.u.)
Adorno, T. Résumé über Kulturindustrie Continue reading “Text: Theodor W. Adorno: Rèsumè über Kulturindustrie” »
Fast ein Viertel der gesamten DJ-Auftritte in Deutschland finden in Berlin statt
September 20, 2010 | Gesammeltes Wissen über die Techno-Kultur | 2 CommentsDas haben Bernd Adamek-Schyma und Bas van Heur auf Basis einer von ihnen durchgeführten Studie (2006) herausgefunden. Die Ergebnisse veröffentlichten sie in kompakter Vierseitenform mit allerei Grafiken im zwölften Band des Nationalatlas Deutschland unter dem Titel “DJ-Kultur und elektronische Musik – unterwegs mit Laptop und 12-Inch“. Leider erfahren wir in dem Artikel nichts darüber, wie die Daten zustande gekommen sind. Den gesamten Bericht gibt es hier zum Runterladen.
Clubkultur als Clubwirtschaft: Über Professionalisierung in der Berliner Techno-Szene (Sabine Vogt)
September 5, 2010 | Gesammeltes Wissen über die Techno-Kultur | Leave a CommentBei Recherchen im Netz fand ich einen lesenswerten Beitrag der Musiksoziologin Dr. Sabine Vogt zum Wirtschaften in der Berliner Techno-Szene. Basierend auf ihrer Dissertation schrieb sie für Industrie-Kultur.de einen kurzen Artikel, die ich auch hier in der Rubrik "Wissen über die Techno-Szene" archiviert haben möchte. Daher bat ich um Erlaubnis den Text hier posten zu dürfen, und nun ist er hier. Voila! Er gibt interessante Einblicke in die Situation Berlins in den 1990ern, quasi die "Rahmenbedingungen" für die Entwicklung der Berliner Techno-Szene. Deckt sich mit den Erzählungen der Akteure von damals, aber in dem Beitrag kompakter und zusammenhängender. Im Anschluss daran gibt intressante Gedanken dazu, warum sich die Berliner Techno-Szene in den 1990ern zunehmend professionalisierte und damit auch weiter kommerzialisierte.
Clubkultur als Clubwirtschaft – das Beispiel Berlin
Sabine Vogt, 21. Mai 2007
Berlin ist Anziehungspunkt und Schmelztiegel, ein Eldorado für Abenteurer und Jugendliche, gerade in Sachen Musik. Man improvisiert, arbeitet zusammen, tauscht sich aus, gründet Firmen und öffnet immer neue Clubs. In diese Kultur der Hauptstadt und ehemaligen Industrie-Metropole hat sich Sabine Vogt begeben. In ihrer Dissertation geht es um die Metamorphose von urbanen Industriekulturen in selbstverwalteten Kulturindustrien. Mit vielfältigen Perspektivwechseln zwischen der Rezeption und der Produktion von Popmusik macht die Autorin dem Leser klar, dass gerade diejenigen, die in postmodernen Idyllen und Alternativnischen unangepasst sein wollen, mit ihrer auf Musik bezogenen Lebensplanung zur erweiterten Reproduktion kapitalistischer Mentalitäten beitragen. Mit dem Ende der DDR ist Berlin zum Übergangsraum in vielerlei Richtungen geworden. Für einen historischen Augenblick stand die Stadt sogar im Mittelpunkt des Weltgeschehens: Nach dem Mauerfall am 9. November 1989 kam die deutsch-deutsche Vereinigung, am 20. Juni 1991 die Entscheidung für Berlin als Hauptstadtsitz, danach die Klärung von Eigentumsfragen sowie der Regierungsumzug. Zum alten Berlin-Gefühl gesellte sich nun ein neues: Gefühlsverwirrung zwischen Abschied und Aufbruch. Abschied allerdings, so schien es, war eine Vokabel, die es nur im östlichen Stadtteil gab. Ostberlins morbider Charme wich einer spekulativen Geschichtslandschaft, deren Bilder Ereignisse und Persönlichkeiten der lokalen, deutschen und auch europäischen Geschichte wiedergaben, die man hier seit Ende des Zweiten Weltkriegs nicht gesehen hatte. Was zwischen heute und früher lag, die DDR, schien auf einmal vergessen und ausgelöscht. Continue reading “Clubkultur als Clubwirtschaft: Über Professionalisierung in der Berliner Techno-Szene (Sabine Vogt)” »
Erwerbsarbeit in der Berliner Techno-Szene (Exposè für die Dissertation von Jan Kühn)
August 23, 2010 | Gesammeltes Wissen über die Techno-Kultur, Jan Kühn Wissenschaft | 3 CommentsAm Promotionskolleg "Die Produktivität von Kultur" werde ich, gefördert durch ein Stipendium der Hans-Böckler-Stiftung, ab Juli 2010 bis (geplant) Juli 2012 eine soziologische Dissertation mit dem Namen Arbeiten in der Berliner Techno-Szene: Die Vergemeinschaftungsform „Szene“ als Struktur für Erwerbsarbeit am Beispiel der Berliner Techno-Szene" an der Technischen Universität Berlin anfertigen. Betreut wird diese durch Hubert Knoblauch und Vinzenz Hediger. Bei Hubert Knoblauch schrieb ich bereits eine Diplomarbeit zur Produktion von Techno-Musik in Homerecording-Studios.
Dieses Promotionsvorhaben, angesiedelt an der Schnittstelle zwischen Kunst-, Musik-, und Arbeitssoziologie, wird sich mit der Erforschung neuer Formen von Erwerbsarbeit am Gegenstand der Berliner Techno-Szene beschäftigen. Fern von gewerkschaftlicher Regulierung, spezieller beruflicher Ausbildung und auch häufig ohne formale Arbeitsverträge schafft sie vielen Szeneteilnehmenden übergangsweise und auch über eine jahrelange Dauer hinweg durch verschiedene Formen von Erwerbsarbeit eine strategische Grundsicherung, und darüber hinaus Karriereperspektiven. Herausgebildete Arbeitsidentitäten, wie der "Techno-DJ", "Booker" oder "Musikproduzent" sind dabei tief verwurzelt in symbolischer Arbeit kombiniert mit ökonomischem Kalkül, szenespezifischer Werthaltung kombiniert mit strategischem Verdienen von Geld, der Produktion von massenhaft konsumierbarer Ästhetik unter der marktwirtschaftlich-pluralisierten Bedingungen.
Erstes Ziel ist zu zeigen, wie die Vergemeinschaftungsform der Szene solche „losen“ Formen von Erwerbsarbeit schafft und stabilisiert. Zweites Ziel ist die Dokumentation der Arbeitspraxis und Arbeitsbedingungen zentraler Tätigkeiten (Techno-DJ, Booker, Produzent, u. A.). Wie bewerten sie diese ihre Arbeitsbedingungen? Wie sieht ihr Arbeitsalltag aus? Und schließlich drittens: Die Beantwortung der Frage, wie dauerhafte Szenearbeit durchgeführt werden kann. Welche Ansätze von Professionalisierung treten bereits auf? Wie hängt die Arbeitspraxis mit allgemeinen gesellschaftlichen Institutionen zusammen?
Zur Erhebung der Daten ist eine methodische Triangulation aus Autoethnografie, Experten- / biografischen Interviews und Videoanalyse vorgesehen. In der Promotion wird argumentiert, dass die Techno-Szene als modellhafte ökonomische Struktur unter den Bedingungen stetiger Individualisierung und technologischer Demokratisierung für neue Formen von Erwerbsarbeit auch für andere Bereiche verstanden werden kann.
Das gesamte Exposè kann hier heruntergeladen werden: PDF Kontakt Jan Kühn: Click
Archiv der Jugendkulturen, Abteilung: Rave- und Clubkultur
August 10, 2010 | Gesammeltes Wissen über die Techno-Kultur | 1 CommentBevor ihr zukünftig eure Techno-Schätzchen für wenig Geld bei Ebay verkauft oder gar wegwerft – bringt sie am besten bzw. schickt sie zum Archiv der Jugendkulturen e.V. Abteilung Archiv für Rave- und Clubkultur. Von CDs, über Magazine bis Flyer – dort wird alles für die zukünftige Erhaltung archiviert. Folgend die Ziele des Archivs:
(…) eine wissenschaftliche Grundlage zur Erforschung der Rave-und-Clubszene zu bieten und eine Anlauf- und Informationsstelle für ForscherInnen, JournalistInnen, MusikerInnen, Fans und andere Interessierte darzustellen. Dabei soll der Fokus nicht nur auf Techno als populärste Stilrichtung der elektronischen Musik liegen, sondern die gesamte Vielfalt der elektronischen Tanz-Musik mit ihren zahlreichen Spielarten und Genres zusammengetragen werden: House, Trance, Drum & Bass, Electro, Gabber, IDM, Industrial, EBM, Goa und vieles mehr. (Quelle)
Ausführliche Informationen zum Archiv: CLICK.
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Über Musikgeschmack lässt sich nicht streiten?! (Musikwissenschaft, Musiksoziologie)
Juli 6, 2010 | Gesammeltes Wissen über die Techno-Kultur | 6 CommentsJa, das hört man nun wahrlich öfters. Da ist ein Track noch so hart, noch so furchtbar, zu cheesy, zu langweilig, offensichtlich unkreativ oder schlecht produziert – und womöglich ist dieser dann auch noch in den Top 10 irgendwelcher Charts, die besten Freunde fahren tierisch drauf ab - und man selbst versteht die Welt nicht mehr.
Zeit sich zu fragen: Was ist eigentlich Musikgeschmack, wenn man sich über den der anderen echauffiert?

Zu diesem Thema gibt es bereits zahlreiche Veröffentlichungen. Bei meiner Recherche im Netz fand ich eine kostenlos zugängliche musikwissenschaftliche Diplomarbeit von Evelyn Hemmer, die sich der Aufarbeitung des Thema "Musikgeschmack" ein ganzes Kapitel widmet. Eigentlich dreht sich die Arbeit um "Die Veränderungen der Musikrezeption durch das Web 2.0 und deren Auswirkung auf die Musikpromotion", aber besonders spannend im Zusammenhang zu diesem Posting finde ich das Kapitel I "Musikrezeption und Musikgeschmack", Seite 6-25. Spätestens wenn ihr das gelesen habt, werden ihr auch andere Kapitel aus der Diplomarbeit lesen wollen. Nur zu, es lohnt!
Außerdem seid ihr dann bei der nächsten Diskussion über Musikgeschmack informiert. Wenn euch dann jemand vorwirft, "Du hast ja echt mal überhaupt keine Ahnung und einen richtig miesen Musikgeschmack", dann sagt ihr: "Moment mal, es gibt da eine Diplomarbeit von Eveyln Hammer im Netz und die sieht das folgendermaßen .."
Die komplette Diplomarbeit hier als PDF runterladen: CLICK
Evelyns Schlussfolgerungen lauten wie folgt:
"Zusammenfassend kann man sagen, dass Musikrezeption eine aktive Tätigkeit ist und zur Ausbildung des Musikgeschmacks führt. Der Musikgeschmack ist nicht willkürlich, sondern von verschiedenen Faktoren der Sozialisation abhängig. Darunter fällt auch die Prägung durch die Medien. Durch eine aktive Auseinandersetzung mit Musikmedien nehmen wir neue Musik passend zur Identität auf. " Continue reading “Über Musikgeschmack lässt sich nicht streiten?! (Musikwissenschaft, Musiksoziologie)” »
Techno: Eine Remix-Kultur (Doku über Remix und Copyright, RIP! – A remix manifesto)
Juni 22, 2010 | Gesammeltes Wissen über die Techno-Kultur | Leave a Comment
Im Netz fand ich eine interessante Dokumentation (RIP! – A Remix Manifesto) über die kulturelle Praxis des "Remixens". In ihr geht nicht direkt ums Remixen, also die ganzen Finessen, Howto's und verschiedene "Best Practises", eine Geschichtes oder Ähnlichem. Es geht darum einer Argumentation Öffentlichkeit zu verschaffen, die sich gegen ein Copyright aus Zeiten des Industriekapitalismus wendet. Dabei wird ein kurzer Streifzug durch die Geschichtes des Copyrights gemacht, modernekulturindustrielle Auswüchse aufgezeigt und die Frage aufgestellt, inwiefern in der heutigen Zeit mit ihren "Power to the people"-Technologien solch ein Copyright überhaupt noch sinnvoll sei. Das Video soll einer politischen Perspektive auf die Nutzung kultureller Orientierungen Öffentlichkeit verschaffen, ein Argument finde ich besonders interessant:
Der Hinweis darauf, dass die Grundlage jedes kreativen Produkts Orientierungen zugrunde liegen, welche der kreative Akteur sich woanders besorgt, z.b. bei Werken oder auch beiläufigen Handlungsergebnissen anderer. Die Doku zeigt, wie selbst Walt Disney sich aus dem kulturellen Fundus der öffentlichen Orientierungen bediente und fleißig in den Micky Maus Comics "remixte", ohne sich dabei Gedanken über "Copyrights" machen zu müssen, bzw. die "freischwebenden", öffentlich zugreifbaren Orientierungen selbst als Material anzusehen, dass irgendwie geschützt sein sollte. Im Gegensatz dann zu den Produkten der eigenen Remixe, wie Micky Maus, wo sie streng verfolgen und sanktionieren, wie Orientierungen an der "Micky Maus" in den öffentlichen Spähren der Gesellschaft benutzt und verwertet werden.
Auch die musikalische Praxis Techno baut auf immer wiederkehrenden Mustern (kreativen Erzeugnissen) der Vergangenheit auf, die Produzenten neu variieren und zusammenbauen, an denen sie sich orientieren: Der Loop, die Geschwindigkeit, das Grundgerüst, die Elemente des Tracks (Kickdrum, Bassläufe, Hihats, Percussion, Melodien, etc.), ihre Anordnung zueinander (typische Grooves), die Form des Tracks, die Rezeption im Club, usw, usf. Jeder Track ist also eigentlich ein Remix der Techno-Kultur. Würde jetzt jemand das Copyright an allgemeinen Mustern des Techno besitzen, wäre diese 'public domain', wie sie im Video genannt wird, nicht existent, und die Techno-Kultur in ihrer modernen Vielfalt und dynamischen Entwicklung vielleicht auch nicht. Somit zeigt das Video ganz wunderbar eine fundamentale Paradoxie des Copyright: Das einzelne Orientierungen der Kultur gegenüber anderen exklusiviert werden, um diese z.b. zu verwerten, zu schützen, klassische Erwerbsarbeit zu ermöglichen, etc.
Und das ist dann auch leider eine zentrale Frage, die uns die Doku nicht beantworten kann: Wie und weshalb werden diese Grenzen (Copyrighted; Ja/Nein) zwischen den Orientierungen gezogen? Welche dürfen copyrighted werden, welche nicht? Wie sind diese Grenzen zustande gekommen, welche Akteure waren wie, in welchem Maße und wie machtvoll daran beteiligt? Wieso darf jeder House produzieren, ohne verklagt zu werden? Aber der fertige House-Track soll dann ein geistiges Eigentum sein? Wieso besitzt niemand das Copyright an House? Wenn man das Urheberrecht an einem ganzen Track besitzen kann, wieso dann nicht auch von einem Musikstil? (Nicht, dass ich das befürworten würde, geht hier um analytische Dimensionen ..
Wieso passierten diese Grenzziehungen so in der Vergangenheit und nicht anders?
In RiP: A remix manifesto, Web activist and filmmaker Brett Gaylor explores issues of copyright in the information age, mashing up the media landscape of the 20th century and shattering the wall between users and producers.The film’s central protagonist is Girl Talk, a mash-up musician topping the charts with his sample-based songs. But is Girl Talk a paragon of people power or the Pied Piper of piracy? Creative Commons founder, Lawrence Lessig, Brazil’s Minister of Culture Gilberto Gil and pop culture critic Cory Doctorow are also along for the ride.
An dieser Stelle auch noch ein Hinweis über die juristische Promotion von Till Kreuzer. Er beschäftigte sich mit dem modernen Copyright in seiner Doktorarbeit und fand Spannendes heraus. Das Lesen diesen Links lohnt sich, da euch dort folgendes erwartet:
In den nachfolgenden Überlegungen wird der Frage nachgegangen, welche Maßnahmen notwendig sind, um das Urheberrecht zu einem zentralen Regelungsprinzip für eine globale Informationsordnung weiterzuentwickeln. Ein Urheberrecht, das seinem Anspruch als „Magna Charta der Informationsgesellschaft“ gerecht wird. Es wird in dieser zukunftsgerichteten Betrachtung nicht um „Körbe“ oder die Auslegung von EU-Richtlinien oder völkerrechtlichen Verträgen gehen. Vielmehr sollen einerseits die wesentlichen Defizite des geltenden Urheberrechts und deren Folgen dargestellt und andererseits meine Vision für einen neuen konzeptionellen Ansatz des Urheberrechts skizziert werden. (Quelle)
















