Ein weiterer Seminartag rund um Techno-Kultur findet am 18.11.2011 von 11-18 Uhr am Archiv für Jugendkulturen statt. In drei knackigen Vorträgen und Diskussionen geht es um die politischen Dimensionen der Techno-Kultur, eine Soziologie der Praxis der Musikproduktion und ihrer szenespezifischen sozioökonomischen Bedingungen und die Frage, inwiefern sich politisches Streben immer auch schon in der Flyerkultur der Technoiden gezeigt hat. Pünktlich um 11 gehts los, der Eintritt ist kostenlos.  Weitersagen, weiterleiten und dabei sein !

11:00 – 13:15 Uhr: „Resistance through Rituals“ oder
„Friede, Freude, Eierkuchen“?
Techno zwischen Hedonismus und Protest (Max Lill)

14:00 – 16:00 Uhr: Die Produktion elektronischer Tanzmusik in
Homerecording-Studios (Jan-Michael Kühn)

16:15 – 18:00 Uhr: Flyerkultur und die Politik der Stadt (Mike Riemel)

Die Veranstaltung ist kostenlos, aber es wird um eine Anmeldung per Email gebeten: archiv AT jugendkulturen.de. Beginn: 11 Uhr pünktlich bis 18 Uhr, Ort:  Archiv der Jugendkulturen, Fidicinstr. 3, 10965 Berlin – weitere Info: Archiv fürJugendkulturen e.V.

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Ein sehr lesenswerter wissenschaftlicher Artikel, der eine theoretische Grundlage dafür bietet das wirtschaftliche Treiben rund um elektronische Tanzmusik nicht lediglich als Kreativwirtschaft oder Musikwirtschaft zu betrachten, sondern es als eine eigene Struktur wirtschaftlicher Tätigkeiten wahrzunehmen und auf entsprechende spezielle Handlungsbedingungen hin zu untersuchen.  Das komplette PDF gibts free im Netz. Download PDF: CLICK

"This  article  examines  a  very  basic  question  for  popular  music  studies:  what  is  ‘the  music industry?’ It surveys the usage of the term in various arenas and argues that it is often used in ways which state or imply that the industry is a homogenous unit with shared objectives and interests. However, the reality is that this picture is, at best, outdated and an inaccurate portrayal of the organisational structure of the global music economy in the mid-2000s. In addition, to think of a single ‘music industry’ rather than music industries, plural, is simplistic and does little to aid understanding  of  those  cultural  industries  which  are  primarily  concerned  with  the  creation, management and selling of music, either as a physical/digital product, a performance, or as a bundle of intellectual property rights. We tease out the implications of this, especially as they relate to understanding what is routinely referred to as ‘the music industry’ and the development of policies for it." (Abstract)

Heute möchte ich einen kleinen Gedankengang mit euch teilen und bin an euren Vorstellungen dazu interessiert. Ich bin der Ansicht, dass Begriff und Verständnis von "Underground" einer Revision bedürfen. Aufgrund des allgemeinen technologischen Wandels seit den 1990ern (speziell die Digitalisierung, Computerisierung und Internetisierung) sowie dadurch begünstigter zusätzlicher Popularisierung von Musik und Szene (speziell: elektronische Tanzmusik) haben sich die technologischen Grundlagen der Musikszene grundsätzlich geändert, sodass der Underground der 1990er verschwunden ist – und durch den Interground ersetzt wurde. Zum Technischen hinzu kommt natürlich, dass die Kultur elektronischer Tanzmusik immer weiter in der Mitte der Gesellschaft (und damit von den Vorstellungen dieser Gruppen verändert wurde) angekommen ist: in Berlin kann mittlerweile vielleicht sogar von „Volksmusik“ gesprochen werden.

Nun, was ist eigentlich dieses Underground? Ohne tiefer darauf einzusteigen, ihr werdet selbst davon einen Begriff haben: Underground fasse ich hier, etwas oberflächlich und verkürzt, auf zwei Ebenen: Einmal als handlungsanleitende Ideologie und einmal als technologisch ermöglicht und beschränkt. Die Ideologie umfasst starken Individualismus, eine Aversion vor als unnötig empfundenen Freiheitseinschränkungen und Regulierungen oder ungerechtfertigten Benachteiligungen, einen großen Hang zum Do-It-Yourself im Kleinen, oftmals einen kleinkommerziellen Unternehmerethos – nach eigenen Vorstellungen und Belieben die Welt gestalten, wesentlich orientiert an Musik und Szene, einen eher lässigen Lebensstil: eine marktradikale Selbstutopie. Außerdem eine Aversion gegen Massenmusik und Majormusikwesen, eine starke, nicht beliebige Beziehung zur Musik und zum Feiern selbst. Entsprechend gelten spezifische Produktionsverhältnisse: Statt Musikindustrie, eine kleinkommerzielle und atomistische Szenewirtschaft mit geringen Absatzzahlen pro Release. Der technologischen Status Quo ermöglicht, beschränkt und begünstigt die Ausgestaltung dieser Ideologie auf bestimmte Weise.

Die Technopraxis 1990er, wenn man kurz einen Blick durch Medien/Distribution/Darbietung und Musikproduktion wirft, waren geprägt von bestimmten technologischen Ermöglichungen und gleichzeitig Beschränkungen dieser Zeit: Dominanz der Printmedien wie Szenezeitschriften und Flyer, analoge Musikproduktion mit großen Maschinenparks, dem Tonträger Vinyl, vielen Distributoren und Plattengeschäften, usw. usf. Herstellung und Verteilung der Printmedien waren und sind nach wie vor zahlenmäßig beschränkt, unterliegen großem Aufwand und arbeiten mit großer Zeitverzögerung von Tagen und Wochen. Zur Produktion von Magazinen brauchte es noch einiges an Geld, um sich entsprechende Klangerzeuger zuzulegen. Man musste noch viel wissen und noch mehr Interesse und Geduld mitbringen, um überhaupt mit Musikproduktion beginnen zu können. Dann war der zentrale Tonträger noch Vinyl, welches einen hohen Kostenaufwand mit sich brachte, durch seine Haptik bestimmten Eigenschaften von Mobilität und Produktionskosten unterliegt. Insgesamt waren die Technologien damals wesentlich davon gekennzeichnet, das sie ein hohes Maß an Selektivität und Exklusivität begünstigten – was sich mit der Ideologie des Underground sehr gut vereinen ließ und sie in ihrer Entfaltung begünstige. Es konnte nicht jeder an der Szene so einfach, global und in Echtzeit teilnehmen, wie es heute der Fall ist.

Nun, werfen wir einen Blick in die Zeit ab 2000. Die Technologien des Internet, der Digitalisierung und Computerisierung haben jegliche Exklusivität und Selektivität weitestgehend durch eine globale Inklusion und starke Senkung der Zugangsbarrieren verdrängt. Musik hat ihre Bindung an den haptischen Tonträger verloren und ist jetzt überall und in Echtzeit unendlich per Musikfile verfügbar. Bei den meisten DJ-Sets legt die Computersoftware mittlerweile zusammen mit dem DJ auf, der jetzt wesentlich selected und Effekte bedient, aber nicht mehr technisch mixen muss. Um Musik zu produzieren reicht es, einen einfachen Computer zu haben und sich mit Software auszukennen, ein paarmal im Club gewesen zu sein und Podcasts zu hören. Dank Internet kann sich zudem jeder vernetzen und selbst vermarkten.

Entsprechend haben wir heute neue "Probleme", welche bereits in den 1990ern in Ansätzen existierten: Noch mehr Musik, der man noch weniger folgen kann. Nicht mehr zu überblickender Musik-Spam. Hey, can you listen to my track please? Mehr DJs und Liveacts, welche stärker um heiß begehrte Gigs wettbewerben. Ganz viele, die trotz Talent und Engagement doch außerhalb des DJ-Booth den Etablierten zuschauen müssen. Unsere Freunde werden gleichzeitig in Social Networks immer mehr auch unsere potentiellen Kunden. Szenekommunikation findet wesentlich im Netz statt. Immer mehr Tracks junger Nachwuchsproduzierenden finden in die Clubs, gleichzeitig fürchten etablierte Professionelle die ungünstigen Bedingungen durch die neue technologische Marktradikalität.

Nun, die Ideologie des Underground ist offensichtlich nicht verschwunden – sie hat aber eine andere technologische Basis bekommen und sich als Phänomen im Ganzen entsprechend gewandelt – hin zum Interground. Das ist, wenn das Obskure seine technologische Basis von Selektivität und Exklusivität verliert, aber trotzdem noch die Ansprüche aufrecht erhält und globalisiert, entmaterialisiert und in Echtzeit via Musikfiles und totaler Vernetzheit umsetzt: Der Underground der 1990er ist der Interground ab 2000.

Würde mich über Gedanken und Kritik eurerseits dazu freuen.

Merci. Jan Kühn / Fresh Meat

Im Rahmen des all2gethernow-Camp im Kater Holzig zum Bermuda-Festial 2011 am 4. November 2011 in Berlin halte ich (Jan Kühn) einen Vortrag über die Szenewirtschaft der Berliner Techno-Szene mit Bezug zur Stadtpolitik. Würde mich freuen, wenn ihr vorbeikommt, zuhört und zur anschließenden Diskussion mitdiskutiert. Eintritt für das gesamt a2n-Camp wird 10 Euro sein – außerdem gibt es dafür zahlreiche weitere Vorträge und Diskussionen. Anbei der Abstract: 

Folgt man Diskursen der Techno-Szene oder externen Diskursen über die Szene (z.b. seitens Stadtmarketing oder Musikindustrie), so sei wirtschaftliches Geschehen rund um Clubkultur irgendwie "Underground", irgendwie "anders". Gleichzeitig herrscht Einigkeit, es sei jedoch auch nur ein "Business" – wie eben jedes andere auch. Beide Positionen werden im Vortrag kritisch hinterfragt und neu miteinander verbunden – mit der These, dass (idealtypisch) die Szenewirtschaft der Techno-Szene eine eigene Strukturlogik zwischen Underground und Musikindustrie verfolgt. Anhand erster empirischer Einsichten aus meiner aktuellen Forschung wird argumentiert, dass sich aus der spezifischen Kultur und Szene elektronischer Tanzmusik szenespezifische Produktionsverhältnisse entwickeln ("Minor, Independent"), die bestimmte Handlungsbedingungen ermöglichen und andere unwahrscheinlich machen. Speziell vor dem Hintergrund großstädtischer ökonomischer Verdrängungsprozesse in Zeiten neoliberaler Stadtvermarktung scheint mir diese Unterscheidung wertvoll, da sie deutlich macht, dass eine Politik des Städtewettbewerbs um globale Kapitalströme und besserverdienende Schichten nicht im Sinne der Szenewirtschaften oder Subkulturen ist ("Pionierdilemma") – obwohl die alternative Stadtkultur als Standortfaktor im Stadtmarketing angeführt wird. 

Im Vortrag wird grob eingeführt, was sich unter Szene, Szenewirtschaft und Subkultur verstehen lässt. Dann werden idealtypisch "Techno-Underground", Szenewirtschaft (Clubs, Labels, Agenturen, usw.) und Musikindustrie gegenüber gestellt, um unterschiedliche strukturelle Ausprägungen zu diskutieren. Zum Abschluss und als Einleitung in die folgende Diskussion wird auf zwei strukturelle Rahmenbedingungen für Clubkultur-Politik hingewiesen: Erstens, der "zynische" Charakter von Stadtvermarktungspolitik und Szenen/Subkulturen über Prozesse der Gentrifikation. Zweitens, die strukturelle Vielfalt (bedeutsam subkulturell geprägter) musikwirtschaftlicher Ausprägungen, die mit zusammenfassenden Begriffen (und gleichzeitig Betrachtungsweisen) wie "Musik-/Kreativwirtschaft" und entsprechender Reduktion auf rein wirtschaftliche Relevanz ausgeblendet werden – was sich als politisch geförderter Nachteil für Szenen/Subkulturen darstellt.

Jan Kühn / Fresh Meat (Read more…)

"Das Musizieren als Mischen technisch generierter Klänge – und als solches definiert es sich in der Techno-Kultur – kommt einer kopernikanischen Wende gleich." (Wicke)

Mit großem Interesse laß ich einen Text des Musikwissenschaftlers Peter Wicke aus dem Jahre 1998. Seine Stärke liegt darin an konkreten Beispielen zu zeigen, was das Neue bzw. Andere von elektronischer Tanzmusik als Praxis im Muszieren des Auflegens und Produzierens im Unterschied zu Formen des Musizierens mit herkömmlichen Instrumenten bei z.B. Bands ist. Die etwas sperrige These, welche dem Text zugrunde liegt, zielt auf eine Entmedialisierung elektronischer Tanzmusik ab:

"… Indem die Medien zum Instrument des Musizierens werden, verlieren sie ihre vermittelnden Funktion mit weitreichenden Folgen für die ästhetischen Dimensionen von Klang."

Im Laufe des Textes erläutert Wicke dieThese anhand von Beispielen, wo sie klarer und fassbarer wird. Vom eigenständigen Musikstück hin zum Track im DJ-Set, von analoger Klangwelt hin zur "kalten" digitalen ohne jegliche Repräsention im Realen, neues Musizieren mit Maschinen und Computern als Instrumenten, die neue Live-Form des Auflegens und damit verbundende Umdefinition des Musikers, das stundenlange Nonstop-Bummbumm:

"… in der von der Techno-Musik in Gang gesetzten und in Gang gehaltenen Symbiose zwischen Klang und Körper [offenbaren sich] kulturelle Strategien der ästhetischen Wahrnehmung, die den Gegensatz von synthetisch und authentisch, von medial und real, von Simulation und Realisation, Produktion und Reproduktion lange schon hinter sich gelassen haben … "

Insgesamt sehr lesbar und nachvollziehbar. An manchen Stellen kann man gut kritisieren, aber die Dimensionen des Neuen scheinen mir gut herausgearbeitet. Viel Spaß beim Lesen !

Hier gibts den Text umsonst und vollständig – CLICK

Resident Advisor hat eine schöne kleine Doku produziert, welche sich dem derzeitigen Stand der elektronischen Tanzmusikszene in Detroit widmet. Besonders rosig sieht es nicht aus – was Events angeht – , aber ein Stamm hochqualitativer Musikproduzenten scheint sich zu stetig reproduzieren und zu entwickeln. Seht selbst icon smile Doku: The Detroit Electronic Dance Music Scene in 2011

"Detroit has always had a creative streak, due in large part to the boom and subsequent bust of the auto industry. Quite simply, Detroit is a city of extremes, and its music reflects that. These days, Detroit's importance in the global electronic music scene is often referred to in the past tense. When we visited the city, though, we found a number of artists with their eyes (and ears) firmly set towards the future. After our time in the Motor City, it's clear to us that Detroit will endure and innovate for years to come."

Für das studentische Soziologiemagazin habe ich einen Artikel geschrieben, in welchem ich erläutere wie ich bei der Untersuchung der Produktion von Techno-Musik vorgangen bin – und die benutzte Methode der fokussierten Ethnografie beschreibe. Falls manche dies im Zusammenhang der ursprünglichen Forschung im Rahmen meiner Diplomarbeit interessiert, so können diese sich den Text in der aktuellen Ausgabe des studentischen Soziologiemagazins  kostenfrei durchlesen.

Kostenfreier Download des PDF hier (S. 52): CLICK

Einleitung: In diesem Beitrag möchte ich anhand von Forschungen über Technomusik-Produzenten in Homerecording-Studios, die im Rahmen meiner Diplomarbeit stattfanden, Studierenden die Methode der fokussierten Ethnografie (FE) vorstellen. FE, so meine Erfahrung, eignet sich vortrefflich für sehr spezifische Forschungsprojekte wie z. B. Abschlussarbeiten, in deren Rahmen man sich kleine soziale Phänomene „herauspicken“ und sie unter für StudentInnen absolvierbarem Aufwand untersuchen kann. Die teilnehmend-beobachtende Forschungstätigkeit im Feld verbindet entdeckerischen und theoretisch-kreativen Spaß mit hohen methodischen Anforderungen und wissenschaftlichen Fragestellungen. Da FE als zentrale Vorbedingung eine hohe Vertrautheit mit dem Feld bereits vor der eigentlichen Forschungstätigkeit voraussetzt, eignet sie sich besonders, um schon bestehende Interessen- und Wissensfelder der Forschenden mit wissenschaftlichen Fragestellungen in Abschlussarbeiten zu verbinden, und somit eine interessante, anspruchsvolle und lehrreiche Forschungstätigkeit durchzuführen. Insbesondere in einer sich ausdifferenzierenden und damit pluralisierenden, immer komplexeren Gesellschaft können so permanent neu auftretende Formen sozialer Praxis als Forschungsgegenstände im Kontext ihres Feldes erschlossen und mithilfe wissenschaftlicher Zugänge untersucht werden. Damit werden soziologisch relevante kleinteilige Lebenswirklichkeiten beschrieben, die sich mithilfe immerzu neuer Technologien ausbilden, stabilisieren, und in denen die gesellschaftliche Entwicklung zunehmend auch außerhalb der großen Institutionen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik stattfindet. (Vgl. Willis 1990) Nachdem ich zuerst die FE als Methode umreiße, folgt im Anschluss die exemplarische Darstellung meines eigenen Vorgehens und meiner Forschungserfahrungen.

Banner Soziologiemagazin Die Methode der fokussierten Ethnografie bei der Untersuchung von Techno Produktion

Dieser Artikel dient dazu anhand von Forschungen an Technomusik-Produzenten in Homerecording-Studios, welche im Rahmen meiner Diplomarbeit stattfanden, Studierenden die Methode der fokussierten Ethnografie (FE) vorzustellen. FE, so meine Erfahrung, eignet sich vortrefflich für Abschlussarbeiten, da sich kleine soziale Phänomene “herausgepickt” und unter für studenti­sche Abschlussarbeiten absolvierbarem Aufwand untersucht werden können. Die teilnehmen­d-beobachtende Forschungstätigkeit im Feld verbindet entdeckerischen und theoretisch-krea­tiven Spaß mit hohen methodischen Anforderungen und wissenschaftlichen Fragestellungen. Da FE als zentrale Vorbedingung hohe Vertrautheit mit dem Feld bereits vor der eigentlichen Forschungstätigkeit voraussetzt, eignet sie sich besonders, um private Interessen abseits des Studiums mit wissenschaftlichen Fragestellungen in Ab­schlussarbeiten zu verbinden, und somit eine interessante, anspruchsvolle und lehrreiche For­schungstätigkeit durchzuführen. Insbesondere in einer sich ausdifferenzierenden und damit pluralisierenden, immer komplexeren Gesellschaft (vgl. Beck 1986; Castells 2009; Bauman 2009; Rosa 2005, u. a.) können so permanent neu auftretende Formen sozialer Praxis als Forschungsgegenstände im Kontext ihres Feldes erschlossen und mithilfe wissenschaftlicher Zugänge untersucht werden. Damit werden soziologisch relevante kleinteilige Lebenswirklichkeiten beschrieben, die sich mithilfe ständig neuer Technologien ausbilden, stabilisieren und in denen zunehmend die gesellschaftliche Entwicklung auch außerhalb der großen Institutionen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik stattfindet. (vgl. Willis 1990; Castells 2010)

Folgend wird zuerst die FE als Methode umrissen, anschließend folgen Darstellungen meines Vorgehens und meiner Forschungserfahrungen.

Die frisch diplomierte Designerin und Urberlinerin Herzette setzte sich in ihrer Abschlussarbeit künstlerisch mit Möglichkeiten auseinander, wie sie ihr persönliches Lebensgefühl von Techno visualisieren und illustrieren kann. Dafür fragte sie nicht nur sich selbst, sondern auch andere Akteure der Szene. Herausgekommen sind Bilder, welche vereinzelte Aspekte des Lebensgefühl “Techno” in eigenwilligen und daher besonders interessanten Illustrationen interpretieren. Schaut euch ihre Webseite und auch folgendes Video an. block.herzette.de

herzette Techno ist mein Lebensgefühl

Herzette ist die Verbindung von Henriette und ihrem Herzen. Beide glauben daran, dass gute Arbeitsergebnisse nur aus ihrer Zusammenarbeit entstehen können. Es ist die pure Leidenschaft, die sie zum illustrieren treibt.

“Herzette ist die Verbindung von Henriette und ihrem Herzen. Beide glauben daran, dass gute Arbeitsergebnisse nur aus ihrer Zusammenarbeit entstehen können. Es ist die pure Leidenschaft, die sie zum illustrieren treibt.”

Erik Meyer hat seine soziologische Dissertation aus dem Jahre 2000 über die Techno-Szene als kostenlosen Download (Creative Commons) veröffentlicht – solltet ihr euch  anschauen. Insgesamt gibt sie einen guten Einblick über Strukturen der Techno-Szene der 1990er. Speziell setzt er sich mit der Frage auseinander, inwiefern  Techno-Szenen (trotz oder gerade wegen Individualisierung, Mediatisierung und Kommerzialisierung) einen neuen Ort des Politischen für Jugendliche darstellen.

Download PDF: CLICK

techno cover Die Techno Szene Ein jugendkulturelles Phänomen aus sozialwissenschaftlicher Perspektive (Dissertation, 2000, Erik Meyer)

“Das Buch untersucht anhand der Techno-Szene, ob die heutige Jugend politisches Engagement anders füllt, anders lebt, als die Jugendgenerationen vor ihr. Besonders Jugendlichen wird in den letzten Jahren häufig Politikverdrossenheit bescheinigt. Die Gründe, die dafür angegeben werden sind mit Schlagworten wie Kommerzialisierung, Mediatisierung und Individualisierung zu skizzieren, die sich bis in die Jugendstile hinein auswirken. Typisch erscheint in diesem Zusammenhang “Techno”: Musik, die prägend ist für eine bestimmte Form der Gruppenbildung bei Jugendlichen, deutlich zu sehen beispielsweise in der “Love Parade”, an der jährlich über eine Million Menschen teilnehmen. Das Buch geht der Frage nach, ob die Techno-Szene also einen neuen Ort des Politischen für junge Menschen darstellt und liefert mithin sowohl einen Beitrag zur Diskussion um den Wandel von Jugendkultur als auch zur politischen Soziologie posttraditionaler Vergemeinschaftungsformen.”

Zum ersten Mal hat ein Techno/House-Produzent zusammen mit den Zuschauern/Hörern und Chatteilnehmern einen Techno- Track produziert – alles live im Radio und auf dem Videostream! Vom Klangdesign einzelner Töne bis zum Arrangement eines Tracks hat Florian Meindl (Flash, Trapez, MyBestFriend …) jeden einzelnen Schritt live für euch gemacht und genau erklärt, was er tut. Gleichzeitig gab er viele Tipps, was man beachten sollte.

Florian Meindl – They way it took us (Live produced during a WebTV session at Berlin Mitte Institut)

Listen to the finished track – CLICK (Free download time finished)
Download Mitschnitt Part 1 (Loop)  CLICK
Download Mitschnitt Part 2 (Arrangement)  CLICK

Youtube-Video-Playlist Part 1 (Loop) CLICK
Youtube-Video-Playlist Part 2 (Arrangement) CLICK
Youtube-Playlist aller Videos (25 insgesamt)  CLICK

Moderatoren der Produktionssendungen:
Florian Meindl, Fresh Meat, Kandel, Disko DNA

Teil 1 und 2 unser Produktionssendung stehen nun zum Download bereit. Schaut euch auch die Videos auf Youtube an, da könnt ihr Florian zuschauen, wie er produziert und musiziert. Im ersten Teil ging es um die Live-Produktion eines Loops. Nachdem dies auf viel Aufmerksamkeit im Netz stieß, entschlossen wir uns noch eine zweite Sendung hinterzuschieben: Teil 2, mit der Live-Arrangierung des Loops zu einem ganzen Track. Florian wird den Track zuhause bald zuende produzieren. Anschließend könnt ihr ihn euch hier kostenlos runterladen, im Club spielen, euren Freunden geben, etc.

Insgesamt habt ihr nun 8 Stunden Audiomaterial des gesamten Entstehungsprozesses (vom Erstellen des Loops bis hin zum Arrangement) als kostenlosen Download zur Verfügung, sodass ihr nicht nur den fertigen Track hören und spielen, sondern auch seine Entstehung und Entwicklung Schritt für Schritt nachvollziehen könnt. Wir sind natürlich auch gespannt darauf, wie ihr diese Idee der Liveproduktion und Übertragung derselbigen im Internet mit anschließendem Download aufnehmt und weiterentwickelt. Wir würde uns außerdem freuen, wenn ihr bei Soundcloud in der Timeline den Produktionsprozess in seinen einzelnen Schritten markiert und diskutiert.

Für uns vom Berlin Mitte Institut war es besonders wichtig, den normalen Produktionsvorgang eines Tracks mal live nachzuvollziehen und zu diskutieren. So wie er sich in der Sendung ereignete, ganz ähnlich passiert er auch tagtäglich in den Homerecording-Studios quer über den Globus verteilt. Jedoch haben Produzenten ihre eigenen/lokalen/gruppenspezifischen Herangehensweisen und Produktionstechniken die sie bevorzugen; und nicht zuletzt gibt es gerade dort die größten Diskussionen, wenn es zum Beispiel darum geht, wie man richtig produziert (Presets benutzen ja oder nein, oder wenig oder viel modulieren, Sampling gut oder böse, etc). Das sind interessante Werte-Schlachten, die gerne in Chats und Internetforen ausgefochten werden …

Part 1 und Part 2 als Streams/Downloads auf Soundcloud

Youtube-Playlist Part 1: Erstellung des Loops (Grundgerüst)

Youtube-Playlist Part 2: Arrangierung des Loops zu einem Track

Part 1: Ziel der Sendung war, dass Florian eine Skizze von einem Track (ein Loop, ein Grundgerüst) produziert – das haben wir soweit auch geschafft. Für uns vom Berlin Mitte Institut war es besonders wichtig, den normalen Produktionsvorgang eines Tracks mal live nachzuvollziehen und zu diskutieren.

Part 2: Am 18. Januar 2010 von 19-23 Uhr folgte der zweite Teil unserer Produktionsendung mit Floriand Meindl. Nachdem er im ersten Teil zusammen mit euch einen fertigen Loop produziert hat, arrangierte er nun den Loop zu einem ganzen Track.

PS: Fresh Meat hat zu dem Thema "Die Produktion von House/Techno im Homerecording-Studio" eine soziologische  Diplomarbeit verfasst, die hier euch hier runterladen könnt.

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