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Heute beginnt jene ominöse Musikwoche in Berlin, über die kaum einer redet/reden will (vor allem Akteure in Musikszenen), weil sie viele nicht interessiert bzw. viele einfach nicht relevant finden. Dass lokale/subkulturelle Musikkultur Hilfe bräuchte, um sich an alte oder neue Formen der Lady Gaga Industrie zu verkaufen (und überhaupt verkaufen sollte ..), dass wird in Zeiten der Digitalisierung/DIY für viele immer weniger nachvollziehbar. Außerdem geht die Musikwoche an den Interessen lokaler Musikkultur vorbei bzw. torpediert diese sogar. Die 700000 Euro Senatsförderung wären anderweitig besser aufgehoben. Zum Beispiel in Infrastrukturmaßnahmen, die das Arbeiten und Wirtschaften lokaler Musikkultur sicherstellen. Und dazu gehören z.B. bezahlbare Mieten, eine neue Liegenschaftspolitik, sensibilisierte Stadtplanung und ausreichend “Freiräume” in der Innenstadt. Und von mir aus auch ein paar sanfte Direktfördermaßnahmen wie das Music Board.

Dazu mal zwei informative Texte und eine aktuelle DPA-Meldung:

Im Text über die Unterschiede der Berlin Music Days und der Berlin Music Week zeigt Franziska Hofmann, dass die Berlin Music Week wesentlich eine Top-Down-Strategien zur Implementierung neoliberaler Stadt- und Wirtschaftspolitik ist, die an den Interessen der lokalen Musikkultur vorbeigeht:

Text: Die Unterschiede zwischen Berlin Music Week und Berlin Music Days (Franziska Hofmann, 2013)

Hier ein kleines Plädoyer für Stadt- und Kulturpolitik, die sich an den Interessen kleinwirtschaftlich-alternativer Akteure ausrichtet:

Text: Das Music Board soll sich an den Interessen der alternativen Musiklandschaft orientieren – nicht am „Musikstandort Berlin“.

Und eine aktuelle DPA-Meldung verfasst von Heiko Prengel, der bestehende Kritik aufgreift: “Berlinern vergeht die Partylaune - In der Hauptstadt liegt zuviel Musik in der Luft: Weil Unternehmer die Bürger aus ihren Kiezen verdrängen, ist die Stimmung vor Beginn der Musikwoche gereizt.”

Berlinern vergeht die Partylaune

Nachdem die Musikmesse „Popkomm“ im Jahr 2009 in Berlin überraschend abgesagt wurde, ergab sich für die Stadt die Möglichkeit aus der gescheiterten Kampagne zu lernen und einen Neuanfang zu wagen, um Berlin als Musikhauptstadt im Konkurrenzkampf der Städte neu zu platzieren. Die Berlin Music Week und die Berlin Music Days verstehen sich beide als Antwort auf die gescheiterte Popkomm. Im Kern verfolgen beide Events über vier Tage lang das gleiche Ziel. Es geht darum Berlin als Musikhauptstadt noch attraktiver zu machen, die Berliner Clubs und Clubkultur zu schützen und zu stärken, die Bildung von Netzwerken unter den kreativen Akteuren zu fördern und auch darum, denn sonst wäre es nicht Berlin, eine große Party zu feiern. Aber es geht noch um viel mehr.

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Der größte Unterschied der beiden Veranstaltungen besteht darin, dass die Berlin Music Week (BMW) ein stadtpolitisches top-down-Phänomen darstellen und mit ihrer Ausrichtung bestimmte stadtpolitische Ziele verfolgt werden. Die BMW ist eine neue Form der Musikmesse und soll der Hauptstadt Berlin als „Musikhauptstadt Berlin“ eine Plattform geben, die Aktivitäten, Engagement, Vielfalt, Leidenschaft, Synergien und damit auch Kommunikation und Strahlkraft bündelt. Dieses breite und kooperative Podium soll das Standing Berlins als internationalen Musik-Hotspot stärken und unterliegt der direkten Steuerung von „Kulturprojekte“. (Vgl.: Berlin Music Week, 2012)

Die Berlin Music Days (BerMuDa) sind dagegen als ein bottom-up-Phänomen der Berliner Musikwirtschaft zu betrachten und wollen als authentisches und unabhängiges Club- und Kulturfestival verstanden werden, welches aufgrund seiner Unabhängigkeit in der Lage ist Kritik an den städtischen Verhältnissen zu üben. Die Besucher und Teilnehmer des Festivals sollen hier die Chance bekommen, neben der nationalen und internationalen elektronischen Musikszene und der Berliner Clublandschaft auch die dazugehörige Lebenskultur in all ihren Facetten intensiv und authentisch zu erleben. (Vgl.: BerMuDa, 2012)  Continue reading …

Als Gastbeitrag im Berlin Mitte Institut Blog erinnert Tara Hill (Journalistin, studierte Sozialwissenschaftlerin und DJ) an die politischen Dimensionen des Deep House – und bemängelt eine Respektlosigkeit all jener, welche die Musik auf ihre heterosexuelle und (neue kulturindustrielle) Spaßbefriedigung und Deutungsweise reduzieren.

Kürzlich meinte ein Bekannter zu mir: «Ich finde das Berghain ja super, nur die ganzen Schwulen stören mich.» Dies sagte nicht irgendjemand, sondern eine Person, die durchaus etwas auf ihren Musikgeschmack hält, und selber aktives Mitglied der Techno- und House-Szene ist. Es war im Übrigen auch keine homophobe Person – der Begriff «Schwule» bezog sich ausschließlich auf die (teils) offensiven körperlichen Zurschaustellungen, die man im Berghain antrifft, und die für viele wohl im ersten Moment dominant, für manche Besucher sicherlich sogar «agressiv» wirken.

Trotzdem störte mich persönlich die Aussage wiederum sehr. Sie erinnerte mich an eine ähnliche Aussage vor einigen Jahren: «Ich würde ja gerne Deep House hören, nur diese penetrante Zelebration der ‘Blackness’ darin nervt.»

Heute würde dies niemand mehr sagen, denn der Begriff «Deep House» ist ubiquitär geworden. So ubiquitär, dass ein Artikel im «Mixmag» mit dem Titel «Don’t Call it Deep House» einen Shitstorm auslösen kann: die Ausdehnung eines Genre-Begriffs bis zur Bedeutungslosigkeit zu kritisieren, bedeutet für viele zwangsläufig eine ‘elitäre’, ‘snobistische’ Mentalität zu vertreten. Oder, wie jemand es auf meiner Facebook-Page stellvertretend für viele formulierte: «If it’s good tunes, it’s good tunes.»

Genau dieselbe Argumentation hörte man in den letzten Tagen von vielen Verteidigern der kanadischen Produzentin Grimes, die ebenfalls einem – allerdings aus einer genau umgekehrten Situation entstandenen – Shitstorm ausgesetzt war, nachdem sie im einflussreichen Video-Blog «Boiler Room» anstelle eines ‘legitimen’ elektronischen Sets via Ipod Mariah Carey, Taylor Swift oder Vengaboys gespielt hatte. Grimes wehrte sich anschließend gegen die Auffassung, sie habe dies aus purer Lust an der Provokation, aus Suche nach Aufmerksamkeit getan – es handle sich dabei nicht um ein «Trolling» der oft über-ernsten elektronischen Szene, sondern um ihren persönlichen Geschmack.

Viele ihrer Verteidiger beriefen sich deshalb darauf, dass es sich bei den gespielten Songs ja eigentlich um «gute» oder zumindest um «erfolgreiche, da eingängige Popmusik» handle. Ist also der Wirbel um Grimes genauso wie der Artikel im «Mixmag» bloss Ausdruck einer elitären, nach Abgrenzung suchenden Wert- und Welthaltung – genauso wie früher zwischen E- und U-Musik unterschieden wurde? Sind es nur bärtige Hipster mit Jutetaschen, oder noch schlimmer: Musiknazis, die sich gegen die Vermischung von Mainstream- und Subkultur, die es ja schon immer gegeben hat, wehren?

Ich behaupte: Nein. Der Unterschied liegt in der Tatsache, dass Subkulturen immer auch «Identitätspolitik» betreiben. Sie bieten vielen Menschen, die sich im Mainstream der Gesellschaft nicht wiederfinden, ein emotionales Zuhause, eine Wärme und Geborgenheit, vor allem aber: eine Zugehörigkeit, die ihnen sonst oft vorenthalten bleibt. Die daraus entstehende Musik ist deshalb Träger eines «minoritären Wissens», wie es Deleuze/Guattari nennen, einem Wissen also, das die gelebten Erfahrungen ihrer Mitglieder spiegelt und weitergibt: «Music from the margins» also, Musik von den Rändern der Gesellschaft, von Menschen, welche sich (subjektiv oder objektiv) einer Minderheit zugehörig fühlen. Continue reading …

Das Magazin Sabatoge Times brachte Distinktion in Musikszenen neulich auf einen wahrlich plakativen Höhepunkt. Aus vollen Rohren wird gegen Richie Hawtin geschossen: Er verkaufe den Underground, sei bei weitem nicht so kreativ wie er immer behaupte – und bändele immer mehr mit jenen Akteuren an, die mit clubbasierter elektronischer Tanzmusik immer weniger gemein haben.

“One of the founding fathers of underground techno has become nothing more than an EDM conformist and hypocrite in recent years, yet seems to be immune to criticism. It’s time he was held to account.”

Lesenswerter Rant. (Rant – das sagt man heutzutage so!) Im englischsprachigen Raum poppen jene Artikel und Blogposts mit Kritik zu Veränderungsprozessen elektronischer Tanzmusik seit einigen Jahren (EDM-Boom) deutlich vermehrt auf. Und das ist der mit Abstand am schärfsten formulierte, aber ein gleichzeitig ausführlich recherchierter Artikel, den ich zu sowas seit langem gelesen habe. Hier gehts zum Artikel bei der Sabotage Times.

“If Hawtin’s sharing stages with Avicii, Swedish House Mafia and Skrillex, that’s his business, but if that’s the crap he wants to be associated with, then he’s off my Christmas card list. Doesn’t this concern anyone else? This is what he is does now, along with his weekly Ibiza junket (and that’s another thing…). What bothers me is the excuses he gives.”

Vom Musiksoziologen Simon Frith existiert  ein ins Deutsche übersetzter und kostenfrei lesbarer Text mit dem Titel “Zur Ästhetik populärer Musik” von 1992. Er beschäftigt sich mit der Frage, wie es dazu kommt, dass wir Musik gut oder schlecht finden. Dabei geht er jedoch erstmal nicht musikwissenschaftlich vor, sondern erörtert die sozialen Funktionen der Musik, Wenn diese entsprechend erfüllt werden, dann empfinden wir Musik als “gut”, respektive umgedreht als “schlecht”. Hier seine These dazu. Frech wie ich bin, habe ich die Teilthesen aneinander kopiert. Muss ja nicht alles schlechter in eigenen Worten wiedergeben. Die drei Punkte markieren je die Lücke. Zitat:

“Beginnen will ich damit, daß ich die vier signifikantesten Arten, Popmusik zu gebrauchen, skizziere, um aufzuzeigen, wie dieser Gebrauch uns dabei helfen kann, das Entstehen von Werturteilen in der Popmusik zu verstehen. Der erste Grund, der im Umgang mit populärer Musik eine Rolle spielt, ist ihre Funktion bei der Beantwortung von Fragen zur Identität: wir benutzen Popsongs, um für uns selbst eine besondere Art von Selbstdefinition, einen bestimmten Platz in der Gesellschaft zu schaffen. Das Vergnügen, das Popmusik erzeugt, ist ein Vergnügen der Identifikation — mit der Musik, die wir mögen, mit den Künstlern, die diese Musik spielen, mit allen Gleichgesinnten, die das Vergnügen an dieser Musik mit uns teilen  Continue reading …

Wer es noch nicht mitbekommen hat: Vorgestern hat die Sängerin Grimes via iPod ein kleines DJ-Set zum besten gegeben und dabei mit Songs der Vengaboys und Maria Carey tief in der Popmusik-Kiste gekramt. Daraufhin gab einige äußerst hässlich-herablassende Kommentare (eine Auswahl siehe hier) auf Facebook und Twitter von enttäuschten Boiler Room/Minus Fans. Denn Boiler Room und Minus/Hawtin stehen, zumindest idealisiert, bekanntlich eher für Underground-Clubmusik und mixbasiertes DJing.

Auch wenn die Kommentare wahrlich keinen Beifall verdienen, so ist der “Skandal” ein deutliches Beispiel dafür, dass es trotz aller Annäherungsversuche und flüssigen Übergänge zwischen Chicago/Detroit basierter elektronischer Tanzmusik und poporientierter Chartmusik nach wie vor deutliche Differenzen gibt – die sich immer wieder in zahlreichen Distinktionen und Kulturkämpfen entladen. Das kann man jetzt für irrelevant, snobistisch oder lächerlich halten – ändert aber nichts daran, dass die Unterschiede zwischen beiden Varianten immer wieder reproduziert werden. Sogar das Billboard-Magazine berichtet bereits darüber.

boilergrimes 500x276 Grimes spielt Chartspop beim Boiler Room, wieso wird daraus ein kleiner Skandal?

(Bildquelle Boiler Room)

Dubstep in Berlin – der Name ist Programm. Eine Momentaufnahme kanalisiert durch Interviews einzelner Akteure, die über Status, Perspektiven und Eigenschaften einer eher kleinen Berliner Szene aber recht internationalen Musik sprechen. Schade fand ich, dass auf die Entstehung der Szene in Berlin nicht stärker eingegangen wurde – also Freakcamp, die Zelle, Hardwax, Sub:Stance im Berghain usw. Nichtdestotrotz, interessant zu schauen, alleine schon wegen den Einstellungen/Meinungen der Akteure und der für Musikszenen typischen Distinktionen zwischen der “ursprünglichen Idee/dem ursprünglichen Sound” und Effekten von Popularisierung/Kommerzialisierung.

DOKUMENTATION – Dubstep in Berlin

“Berlin ist weltweit bekannt als die Technohauptstadt. Aber auch Dubstep erfreut sich wachsender Beliebtheit. Wir möchten Euch mit dieser Dokumentation die Berliner Szene mit ihren Künstlern, Partys und Clubs näherbringen. Erfahrt mehr über die Einflüsse, Erfahrungen und Inspirationen der Berliner DJs und Veranstalter, aber auch internationaler Produzenten.”

Ein weitere Techno-Doku über die Anfangszeiten des Berliner Techno, die in unser Doku-Sammlung in der Rubrik “Wissen über die Techno-Szene” nicht fehlen darf.  “Der Film von Tilman Künzel erzählt sowohl die Geschichte des Tresors als auch den Übergang des Technos aus dem Underground in die Öffentlichkeit. Gezeigt werden Originalaufnahmen aus dem Club sowie Interviews mit DJs, dem Team um Dimitri Hegemann sowie Patrick Reich, dem Geschäftsführer des Unternehmens, das das Gelände zu Errichtung eines Bürogebäudes erwarb.” (Quelle: Wikipedia) Kann btw. auch auf DVD gekauft werden: Click.

SubBerlin – The Story of Tresor

‘SubBerlin’ erzählt die Geschichte des Berliner Techno-Clubs ‘Tresor’ von den Anfängen in der Zeit nach dem Mauerfall bis zu seinem Abriss im Jahr 2005. Nach der Wende schien alles möglich: Niemand wusste, wem welcher Grund und Boden gehört in Ost-Berlin – schon gar nicht auf dem ehemaligen Mauerstreifen. Kulturaktivisten drangen ein in die Tresorräume des längst abgerissenen Kaufhauses Wertheim und schufen einen magischen Ort, an dem sich die Jugend aus Ost- und West-Berlin erstmals zum Feiern traf – bei einer neuen, bis dahin unbekannten Musik.

‘SubBerlin’ zeigt die Entwicklung des Techno zwischen Detroit, Berlin und dem dortigen großen Stern, wo er auf der ‘Love Parade’ endgültig zum Massenphänomen wurde. Der Film ermöglicht Zuschauern, die Techno nicht zu ihrer Lieblingsmusik zählen, interessante Einblicke in eine Szene, die meist nur als Teil einer Party- und Spaß-Generation belächelt wird. Auf dem Portobello-Film-Festival 2008 in London wurde ‘SubBerlin’ mit dem Preis für die beste Musikdokumentation ausgezeichnet. (Quelle: Sevenload)

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So lauten die Ergebnisse einer Befragung, die femalepressure.net in Eigenregie durchgeführt hat. Alle Daten gibt es hier als PDF zum Runterladen. Sie stützt die weit verbreitete Wahrnehmung in der Musikszene, das elektronische Musik männerdominiert ist. Um den entgegen zu wirken und eine tiefere Thematisierung zu bewirken, veranstaltet Female Pressure vom 12. bis 13. September das Perspectives Festival im about:blank. Die Zahl “unter 10%” stammt aus dem aktuellen Perspectives-Newsletter.

Vinyl erlebt seit einigen Jahren einen kleinen Boom mit stetig steigenden Stückzahlen, aber mit House/Techno und DJ-Kultur hat das nichts zu tun. Dort schrumpft und stagniert es weiter vor sich hin. 150 Stück verkauft man heute pro 12″-Release, während es noch vor einigen Jahren ca. 1000 waren – so Kai Fraeger vom Wordandsound-Vertrieb, der diese Zahlen in einem BLN.FM-Interview nannte. Diese Entwicklung bestätigen mir auch immer wieder zahlreiche DJs, Labelmacher und Musikproduzenten in Gesprächen und Interviews. Nur eben die herausragend bekannten, die “Underground-Hits” und große Namen, schaffen es vierstellige Stückzahlen abzusetzen und damit Gewinn zu erwirtschaften.



Techno Szene, Berlin Mitte Institut für Bessere Elektronische Musik, Underground

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