Dokumentation über Detroit Techno, (Requiem for Detroit)
May 17, 2010 | Gesammeltes Wissen über die Techno-Kultur Leave a CommentObwohl die Überschrift dieses Postings anders lautet: Das is keine Dokumentation über Detroit-Techno im direkten Sinne, also deren DJs oder Clubs in Detroit. Vielmehr umreißt sie, was die Industrialisierung und ihre Folgen für Arbeit und Leben der Bewohner der amerikanischen Stadt Detroit von Ende das 19. Jahrhunderts bis heute bedeutet.
Wikipedia schreibt dazu:
Detroit wurde in den 1980er Jahren während einer Krise der Automobilwirtschaft zum Sinnbild des Untergangs einer Industriestadt. Die namensgebende Stadt und besonders die subjektive Wahrnehmung Detroits in dieser Zeit spielt für die Protagonisten eine große Rolle. Sie wird als kaputt, niedergehend, kalt und bedrohend empfunden. Zudem ist Detroit eine geteilte, rassengetrennte Stadt. Die schwarze Bevölkerung wohnt in der verfallenen Innenstadt und den Trailer Parks an der 8 Mile und die weiße Bevölkerung in eingezäunten, gepflegten Vorstädten (Suburbs). Deshalb ist Detroit Techno nicht positiv und hell, sondern düster und melancholisch. (Quelle)
Für das Verstehen der Ästhetik und praktischen Zelebrierung von Detroit-Techno, und damit auch den modernen Formen des House und Techno ist sie somit hilfreich, da sie eine Idee davon gibt, in welchen Verhältnissen die Detroit-Techno-Akteure, also Musikproduzenten, DJs, Clubbetreiber, Clubgänger etc., aufwuchsen. Somit gibt sie eine Idee davon, welche Lebensrealitäten, und damit konstruktive inspirative Welten, die Akteure vorfanden und in die musikalische Praxis "Detroit-Techno" umsetzten. Viele Produzenten und DJs der Zeit geben an, dass die gespenstische Verfallenheit Detroits und ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen in bedeutendem Maße die Soundästhetik ihrer Musik formte. Sie schritten durch die riesigen verlassenen und verfallenen Hallen der Industrie und lebten in einer Zeit hoher sozialer Ungleichheit, Armut und Arbeitslosigkeit.
Allerdings sollte der hier angesprochene Zusammenhangnicht deterministisch verstanden werden, im Sinne von, dass Detroit-Techno eine Musik ist, die einzig das Produkt der gesellschaftliche Verhältnisse darstellt. Bei der Produktion von Techno fließen weitaus mehr Faktoren ein, die durchaus mit den Verhältnissen in Zusammenhang stehen, aber auch eigene Realitäten einbringen. Angefangen bei situativen Faktoren bis ihn zu den Möglichkeiten der benutzten Technologien, Hypes, kulturökonomischen/szenespezifischen Produktions- und Verteilungslogiken, usw usf.
Eine spannende Doku, bereits der Soziologe Georg Simmel schrieb von "Soundscapes", also "Gräusche-Umwelten", in denen Akteure sich bewegen, und die als inspirative Quelle verstanden werden kann: Eine Sammelsurium vorhandener Reize und Muster. Welten an Geräuschen, in denen sich Menschen bewegen, aus deren Einflüssen sie ihre musikalische Ästhetik und Vorstellungswelten formen. Besonders interessant daran ist, dass dies bei Detroit keine natürliche Umwelt ist, sondern die einer von Menschen geschaffenen post-industriellen Großstadt mit ihren spezifischen Eigenschaften, wie diese in der Doku leicht verdaulich angerissen werden. Wer mehr über solche Zusammenhänge von Ästhetik und Ökologie wissen möchte, dem sei Lektüre aktueller Werke der Musiksoziologie angeraten.
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