Am 03.06.2012 verschickte die Gema, vor dem Hintergrund der bundesweiten Demonstrationen gegen die geplante Tarifreform am 06.09.2012, an ihre Mitglieder einen Newsletter, der es in sich hat. Nicht nur scheint sie zu bedauern, dass die Gema wegen des gesetzlich gewährleisteten Versammlungsrechtes nicht rechtlich gegen die Demos vorgehen kann – die geäußerte Kritik vieler Kulturarbeiter und Medien wird auch als "polemisch und unsachlich" qualifiziert. Gleichzeitig versucht sie ihre eigenen Mitglieder zu mobilisieren, gegen die Demonstranten argumentativ vorzugehen. Jedoch sind viele von denen unzufrieden mit den aktuellen Strukturen, sodass manche Emails an die Gema schreiben bzw. den Newsletter auf Facebook und anderen sozialen Netzwerken veröffentlichen und diskutieren. Folgend gibts den Newsletter zum Lesen, danke Sacha fürs Weiterleiten an mich:

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Betreff: Anti-GEMA-Demonstrationen am 06.09.: Hintergrundinformationen und Fakten Datum: Mon, 03 Sep 2012 13:48:06 -0400
Von: GEMA-Information <gema-newsletter@xmr3.com>

 

Liebe Mitglieder,

sicherlich haben Sie bereits aus der aktuellen Presseberichterstattung oder auf diversen Social-Media-Plattformen erfahren, dass für den 6. September 2012 an fast allen GEMA-Standorten und weiteren deutschen Städten Demonstrationen gegen die Tarifreform angekündigt sind – so in Berlin, Dortmund, Dresden, Frankfurt, Leipzig, München, Nürnberg, Stuttgart.

Worum geht es?

Hauptveranstalter des Anti-GEMA-Tages am 06.09. ist das Aktionsbündnis Kultur-retten.de. Auf einer Kampagnenwebsite wird zu einer Demo zeitgleich an fast allen GEMA Standorten aufgerufen. Gefordert wird, die ab 2013 gültige Tariferhöhung zu verhindern, da diese die kulturelle Vielfalt im gesamten Veranstaltungssektor bedrohe und eine Vielzahl von Arbeitsplätzen im Veranstaltungsbereich gefährde. Der Veranstalter will mit der Website Kultur-retten.de eine Kommunikationsplattform und ein Netzwerk für alle bieten, deren Existenz direkt von den neuen Tarifen gefährdet sei. Der Tag wird über lokale Bündnispartner organisiert, die wiederum auf verschiedenen Kanälen zur Demo aufrufen und die Menschen mobilisieren. Ein zentraler Kanal ist hier Facebook. Aktuell sieht der Ablauf in Berlin und München wie folgt aus:

 

Wie agieren wir?

Ein rechtliches Vorgehen der GEMA dagegen ist – auch wenn von den Organisatoren vielfach mit falschen und polemischen Behauptungen gearbeitet wird – aufgrund des grundgesetzlich gewährleisteten Versammlungsrechts nicht möglich. 

Unser Ziel ist es, die Diskussion zu versachlichen.

Wir bereiten uns kommunikativ sowie medial darauf vor – im Vorfeld über Interviews, Statements und lancierte Medienberichte und ein Schreiben an die Diskotheken- und Clubbetreiber. Am Tag selbst laden wir die Presse in alle Bezirksdirektionen und Generaldirektionen zu einem Gespräch ein. Die Dynamik in den Social-Media-Kanälen verfolgen wir mit einem erweiterten Backup-Team, das hier schnell und schlagkräftig posts und tweets kommentiert und die Diskussion rund um die Demo sachlich steuert.

Was können Sie tun?

Einige von Ihnen unterstützen unsere Medien- und Kommunikationsarbeit bereits aktiv in der Öffentlichkeit, in der Politik als auch auf unseren Social-Media-Kanälen GEMAdialog. An dieser Stelle möchte ich mich bei Ihnen ganz herzlich dafür bedanken. Denn: Ihre Argumente, Ihr Eintreten für eine angemessene Vergütung der Urheber und Ihr Wort finden Gehör. Sie als Musikurheber sind in dieser Forderung glaubwürdig.

In der Diskussion um die neuen Tarife ist Ihr Wort als Urheber mehr denn je gefragt.

Um diese Diskussion auch argumentativ zu führen, haben wir für Sie ein Dokument erarbeitet, indem wir die Tarifreform stichpunktartig plakativ zusammengefasst haben. Wir wollen Ihnen damit weitere schlagkräftige Argumente für die Diskussion liefern.

Da unsere Datenbank aktuell leider nur rund 33.000 E-Mail-Adressen umfasst, bitte ich Sie, diese Email und dieses Fact sheet an all jene weiterzuleiten, die diese Informationen womöglich nicht erreicht haben.

Ich danke Ihnen sehr für Ihre Unterstützung und verbleibe mit den besten Grüßen,

Ursula Goebel

Edit FM: Hier gibts die angehangene "Argumentationshilfe" zum Runterladen: CLICK


Direktorin Marketing

Leitung Kommunikation & PR

GEMA Generaldirektion
Marketing & Kommunikation
Rosenheimer Straße 11, 81667 München
Telefon: +49 89 48003-426
Fax: +49 89 48003-424

E-Mail: ugoebel@gema.de
Internet: www.gema.de

 

GEMA – Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte
USt-ID-Nr. der GEMA: DE136622151
Vorstand: Dr. Harald Heker (Vorstandsvorsitzender), Lorenzo Colombini, Georg Oeller



Comments

15 Responses to “Gema versucht Mitglieder gegen die Demos am 06.09.2012 zu mobilisieren”

  1. Peter on September 4th, 2012 11:34 am

    Naja ich finde das Vorgehen der GEMA nicht wirklich bedenklich. Sondern im Gegenteil ist es doch gut, dass in allen Standtorten auch Diskussionen statt finden können. Dass Sie Ihre Mitglieder versuchen auf eine einheitliche Kommunikationslinie zu bringen ist doch legitim, es besteht ja auch kein Zwang für Mitglieder.

    In der eMail steht, im Gegensatz zu deiner Behauptung, übrigens nicht, dass sie es bedauern, dass sie Demo nicht verhindern können, sondern, dass es rein rechtlich nicht möglich ist. Dies zu schreiben beugt ja nur einer unnötigen Diskussion vor oder?

    Die Diskussion ist im übrigen in vielen Aspekten polemisch und unsachlich, aber auf beiden Seiten. ;)

    Etwas schade finde ich deswegen, dass jeder Schritt der Gegenseite immer extrem negativ bewertet wird. Am Ende muss wohl eine Einigung stehen und dafür wäre wohl eine Entschärfung des Konfliks ein erster Anfang. Denn klar ist ja auch, sterben die Clubs wird der GEMA eine wichtige Einnahmequelle wegbrechen und die GEMA ist nicht abschaffbar sondern auch wichtig für das System Musikindustrie und Vergütung. Also am besten Lösungen suchen und Chancen nutzen anstatt auf einander rumzuhacken.

    Die GEMA nicht die Demonstranten ernst, das ist doch ein erster Schritt in die richtige Richtung!

  2. Peter on September 4th, 2012 11:35 am

    *nimmt die Demonstration ernst.

  3. ohcibi on September 4th, 2012 12:45 pm

    Korrekturhinweis: Der E-Mail-Link lautet dugoebel@gema.de. Der Text des Links ist ugoebel@gema.de (ohne d).

  4. Fresh Meat on September 4th, 2012 3:51 pm

    Hallo Peter, Netzpolitik.org hat das Vorgehen ganz interessant bewertet, siehe hier: https://netzpolitik.org/2012/clubsterben-gema-versucht-die-offensive/

    Und das “Bedauern” scheint mir gegeben, da es im Newsletter den Anschain macht, dass die Gema ein Verbot / rechtliche Schritte der Demos in Betracht ziehen würde, wenn es rechtstaatlich möglich wäre.

    Grüße,FM

  5. Fresh Meat on September 4th, 2012 3:54 pm

    danke ohcibi

  6. Fresh Meat on September 4th, 2012 4:16 pm

    Ansonsten werden im Internet gerade die “Argumente” der Gema auseinandergenommen, siehe z.B. hier: http://de-bug.de/musik/9973.html

  7. Hans Wurst on September 5th, 2012 3:53 pm

    Hallo, wo kann man sich als Jubelperser bewerben?

  8. Alexander Koenitz on September 5th, 2012 11:53 pm

    Es wird schon ziemlich peinlich, wie jede noch so kleine Regung der GEMA total alberne und höhnische Interpretationen verursacht.

    Interpretation:
    “die geäußerte Kritik vieler Kulturarbeiter und Medien wird auch als “polemisch und unsachlich” qualifiziert”

    Original:
    “von den Organisatoren vielfach mit falschen und polemischen Behauptungen”

    Da ist schon ein Unterschied, oder?

    Hier wird dann noch auf den de:bug-Artikel verwiesen. Der ist einfach nur noch peinlich. Schon in Punkt 1 wird bewiesen, dass es einige Journalisten nicht mal schaffen den Tarifvorschlag bis zum Ende zu lesen.

    Dieses schlampige Lesen und fahrlässige “Interpretieren” aus einer selbstgerechten Position heraus finde ich dieser Tage extrem schlimm. Es macht mich vor allem wütend, weil ich hoffe, dass Menschen in der Gegenkultur einen gewissen intellektuellen Vorsprung gegenüber der Denkfaulheit anderer besitzen. Die ganze GEMA-Debatte straft dem leider Lügen: der eine schreibt die Polemik des anderen ab ohne mal die im Internet verfügbaren Originaldokumente durchzulesen.

  9. Fresh Meat on September 6th, 2012 12:29 am

    Hans Wurst, bewerb dich bei der Social Media Versachlichungseingreiftruppe der Gema :-)

  10. DerNoob on September 6th, 2012 2:42 pm

    Rechtliches Vorgehen leider nicht möglich ?
    GEMA Kacken Junge!

  11. Sioxe on September 6th, 2012 2:50 pm

    Was passiert mit Clubs, die nur “Open-Source”-Musik spielen? (D.h. Musik deren Schöpfer auf den Urheberschutz verzichten)

    Erinnert mich alles sehr an die GEZ, die Geld für nen Internetfähigen Laptop eintreiben, obwohl gar kein Internetzugang vorliegt…

  12. peter on September 6th, 2012 6:28 pm

    Naja wie gesagt, das bedauern ist halt deine Interpretation, die ich etwas empfindlich finde. Krasser sind ja einfach wirklich die Argumente die da im Anhang geliefert werden. Darüber hätte man ganz ohne Spekulationen eine Abhandlung schreiben können ganz so wie es die DE:BUG gemacht hat. Es sollte auch nur ein Hinweis sein, ich glaube dieser “Dialog” braucht halt an allen Enden ein gute Konfliktmanagment, weil sonst bleibt da wieder ne Menge auf der Strecke und im Zweifelsfall verlieren wieder die Künstler und damit auch wir als Musikliebhaber.

  13. Fresh Meat on September 6th, 2012 7:08 pm

    Ich geb dir Recht, jetzt nach 2 Tagen Abstand hätte ich auch eher “Gema weist drauf hin” geschrieben. Aber insgesamt ist der Newsletter eben furchtbar geschrieben, sodass auch das “Bedauern” alleine aufgrund der Zwischenüberschrift “Wie agieren wir?” mit den anschließenden Absatz durchaus möglich ist, imho.

  14. Blitzmerker on September 6th, 2012 8:11 pm

    Heißt die Sachbearbeiterin wirklich Goebel? Also wie göbeln von kotzen? Dann passt’s ja.

  15. Die GEMA – Betrachtungen aus dem Ausland | www.toalster.de on September 12th, 2012 6:10 pm

    [...] Imagekampagne wieder Boden gut zu machen. Im Angesicht der zu erwartenden Demonstrationen sie eine Email an die Mitarbeiter, die die zukünftige Kommunikationsstrategie vorgeben soll. Die Email kam [...]

Thanks for reading !

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Techno Szene, Berlin Mitte Institut für Bessere Elektronische Musik, Underground





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