Turning the Beat Around: Reinterpretation, Metrical Dissonance, and Asymmetry in Electronic Dance Music (Mark Butler, 2001)
May 10, 2012 | Gesammeltes Wissen über die Techno-Kultur | Leave a Comment"This paper considers some of the issues involved in the analysis of rhythm and meter in electronic dance music. It begins by considering metrical dissonance and ambiguity within the context of a layered approach to musical meter; it also highlights some of the distinctive ways in which these phenomena are manifested in this repertory. The second half of the paper focuses on the use of asymmetrical patterns in electronic dance music and considers some broader questions of rhythmic and metrical theory. Throughout, the paper draws upon a number of different music-theoretical sources, including work by Harald Krebs, Jay Rahn, and Christopher Hasty, as well as scholarship in ethnomusicology and cognitive science."
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Mitschnitt: Was erwarten wir von Music Board Berlin (10.04.2012, Mitternachtstalk auf der Dienstagswelt)
May 3, 2012 | Dates: - Parties, Shows, Streams, Gesammeltes Wissen über die Techno-Kultur, Jan Kühn Wissenschaft | Leave a CommentAm 10. April 2012 veranstalteten Dienstagswelt und BLN.FM den Mitternachtstalk, wo diskutiert wurde, was im Rahmen des baldigen Music Board Berlin politisch geschehen soll, was wir erwarten können bzw. sollten: Wofür sollen die bereitgestellten 1 Million Euro genutzt werden, was sollen überhaupt die Aufgaben des Music Board sein?
Es diskutierten: Katrin Schmidberger, die Clubpolitische Sprecherin vom B90/ Die Grünen, Steffen Hack, Betreiber des Watergate, Techno-Wissenschaftler Jan Kühn vom Berlin Mitte Institut, sowie Lutz Leichsenring, der Sprecher der Clubcommision Berlin e.V. Anbei gibts den Mitschnitt einmal zum Hören und Runterladen. Viel Spaß damit, das sind ein paar Stimmen aus der "Szene" (!sic). Und posted ruhig eure Meinung dazu, leitet es weiter. Es geht immerhin um unsere geliebte Szene und Szenewirtschaft elektronischer Tanzmusik ![]()
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Ich saß mit auf dem Podium, daher ein kleines Resümee meinerseits:
Erstens scheint es so, dass seitens des Senats vor allem einer Vernetzung, Koordination, Professionalisierung und Kommerzialisierung der "Berliner Musiklandschaft" (!sic) mithilfe des Music Boards vorgesehen ist. Man will aber auch Stimmen "aus der Szene" berücksichtigen. Diese aber scheinen sich mehr für stadtplanerische Maßnahmen zu interessieren, sprich: Verringerung und stärkere Kontrolle von Gentrifizierung und Touristifizierung. Bzw. im Fall von Steffen Hack, dem Watergate-Betreiber, sei von der Politik sowieso nichts zu erwarten, was der Szene und Szenewirtschaft helfen könnte. (Read more…)
Text: On and On: Repetition as Process and Pleasure in Electronic Dance Music (Luis Manuel Garcia, 2005)
April 23, 2012 | Gesammeltes Wissen über die Techno-Kultur | Leave a Comment"Repetition has often been cast in a negative light, associated with immature or regressive states. This view is reflected in music criticism and pedagogy, recast in aesthetic terms and it also reappears in cultural criticism, attacking repetition as a dangerous tool for social control. Defenses that have been mounted in favor of repetition seem inadequate in that they tend to recategorize certain repetitive practices as not-quite-repetition, rather than defend repetition tout court. This article uses examples from Electronic Dance Music (EDM) to provide an alternate approach to repetition that focuses on the experience of pleasure instead of a static attribution of aesthetic or ethical value. In particular, this is explored through three concepts: repetition as process, repetition as prolongation of pleasure, and process itself as pleasurable. Underlying these concepts is a formulation of pleasure first coined as Funktionslust, or "function pleasure," reconceived here as "process pleasure."
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Wie funktionieren MP3s?
April 20, 2012 | Gesammeltes Wissen über die Techno-Kultur, Social Media Techno Archive | 1 CommentIm Slices Tech-Talk wird gezeigt, wie "MP3s" funktionieren. Einmal sehr anschaulich erklärt und demonstriert von einem der Entwickler selbst (Prof. Dr. Juergen Herre, Fraunhofer-Institut), zweitens wird in einem kurzes Praxistest gezeigt, dass selbst langjährige Profis der Techno-Szene (z.B. Tanith, Alexandra Dröhner, Wolle XDP) zwischen Schallplatten, WAV und MP3s (sogar ab 128kbs aufwärts, korrigiert mich falls ich falsch liege) nicht zuverlässig unterscheiden können – "We also could have flipped a coin", merkt die Kommentantorin dazu an. Es spielt für Clubsound keine Rolle, ob die musikalische Wiedergabe in MP3 (ab 128kbs?), WAV oder auf Schallplatte erfolgt. Gerade für die Vinyl vs. MP3-Debatte ist dieser Beitrag nützlich. Da die technologischen Differenzen nicht die ausschlaggebenden sein können, scheint es eher um kulturelle Unterschiede zu gehen, die sich als persönliche Präferenzen in den musikalischen Praxen zeigen (z.B. Auflegen mit Vinyl. vs Auflegen mit Laptop).
Kleiner Exkurs: Desweiteren sind Technologien heutzutage schon lange kein rein pragmatisches Input-Output-Werkzeug mehr, sondern eng verbunden mit Identitätsbildung der Nutzenden. Ob man mit Platten auflegt oder mit Laptop, ob man Apple nutzt oder Ubuntu, darin zeigen sich auch Charaktere und Einstellungen der Menschen. Wird eine Technologie im immer schnelleren Wandel zunehmend ausrangiert, kann das tiefgehende, oftmals verletzliche Konsequenzen für die persönliche Identität bedeuten, gegen die man sich wehrt und versucht pragmatische Argumente zu finden – um den Teil der eigenen Identität nicht zu verlieren. Um das Argument zuspitzen und zu übertreiben, aber den Kern noch deutlicher darzustellen: Wandel bedeutet immer auch, dass in Menschen etwas persönlich gewordenes "mitstirbt". Für den Menschen, bekanntermaßen ein Kulturwesen, nicht unproblematisch. Viel Spaß beim Schauen ![]()
Doku über das Berliner Kreuzberg der 1970er und 1980er
April 5, 2012 | Gesammeltes Wissen über die Techno-Kultur, Social Media Techno Archive | Leave a CommentFür das Entstehen der Clubkultur in Berlin waren zahlreiche Faktoren wichtig – einer davon ist die alternative Kiezkultur Kreuzbergs. Diese entstand, weil Westberlin nach dem zweiten Weltkrieg zu einem Paradies für Kriegsdienstverweigerer und aufgrund der politischen Ideale dieser Akteure zu einem Labor moderner und alternativer Lebens- und Arbeitsformen wurde. Immer mehr politisch ambitionierte Menschen (Punks, Hedonisten, Hippies, usw.) zogen hinterher und formten breite, linksorientiere Szenen und Subkulturen. Diese Doku gibt Einblicke in diese Entwicklungen und zeigt, welche Rolle (durchaus paradox) linksgeprägte Gruppen für den modernen, kreativen Kapitalismus spielen. Viel Spaß beim Schauen.
Dissertationsprojekt: Lebenswelt House/Techno – DJs und ihre Musik
April 1, 2012 | Gesammeltes Wissen über die Techno-Kultur | Leave a CommentTimor Kaul startet mit einem musikethnologischen Dissertationsprojekt über die Lebenswelt von House/Techno-DJs. Dafür sucht er InterviewparterInnen, sprich DJs. Wer Lust hat sich interviewen zu lassen, einfach bei ihm melden. Meine Empfehlung und Erfahrung: Macht es! Ich habe bereits einige Szeneteilnehmende zu meinen Uni-Projekten interviewt, und jedes Mal waren es für alle Beteiligten sehr interessante und intensive Gespräche.
Lebenswelt House/ Techno: DJs und ihre Musik ist der Titel eines Forschungsprojektes und Promotionsvorhabens an dem Timor Kaul seit Herbst 2011 arbeitet. Diese Arbeit wird durch Prof. Dr. Reinhard Schneider und J.- Prof. Dr. Klaus Näumann vom Institut für Europäische Musikethnologie an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln betreut, beratend steht der Historiker und Milieuforscher Prof. Dr. Michael Klöcker zur Seite.
Rund zwanzig Jahre nach dem großen Hype der 1990er Jahre haben sich um die Musikstile House und Techno äußerst vitale Subkulturen mit alten und neuen Protagonisten gebildet. Diese sich teilweise überschneidenden Szenen konstituieren sich vor dem Hintergrund zunehmender Vernetzung im Spannungsfeld von Globalem und Lokalem als „glocal scenes“ (Toynbee, 2002). Ausgangspunkt des Projektes sind Feldforschungen in der Kölner House- und Technoszene, vor allem in Form von qualitativen Interviews mit DJs und Produzenten. Die biographisch-lebensgeschichtliche und musikwissenschaftliche Ausrichtung der Leitfragen soll Rückschlüsse auf die vermuteten Zusammenhänge und Überschneidungen von Lebenswelt, kultureller Praxis und Mentalitäten gestatten. Da das Internet ein wichtiges Informations- und Diskussionsforum der Szene und zugleich die entscheidende Schnittstelle zum Globalen darstellt, sollen auch dort stattfindende ´Diskurse´ analysiert und in Beziehung zu lokalen Phänomenen gesetzt werden. Das Gesamtergebnis soll abschließend mit Hilfe eines interdisziplinären theoretischen Bezugsrahmens reflektiert werden.
Im Rahmen der Arbeit werden seit Januar 2012 Interviews mit Protagonisten der Kölner Szene und vor Ort gastierenden DJs durchgeführt. Erste Kontakte nach Berlin sind geknüpft und Interviews in Leipzig und Frankfurt angebahnt. Gesucht werden noch weitere Interviewpartner, insbesondere aus der ostdeutschen House-Szene und dem süddeutschen Raum, die sich gerne melden können. Für das gesamte Projekt wurde eine Gesamtdauer von drei Jahren veranschlagt, die Interviewphase soll Ende 2012 abgeschlossen werden.
10.04.2012, Mitternachtstalk: Was erwarten wir vom Music Board Berlin? (Dienstagswelt)
March 27, 2012 | Dates: - Parties, Shows, Streams, Gesammeltes Wissen über die Techno-Kultur, Jan Kühn Wissenschaft, Places where we DJ | Leave a CommentAm 10. April gibts ab 23:59 einen Mitternachtstalk rund um das geplante und mit einer Million Euro subventionierte Music Board Berlin. Dort werde ich auf dem Podium sitzen und mitdiskutieren, außerdem schneiden wir alles mit und laden es ins Netz hoch. Mit dem Music Board bekommen die Berliner Szenen und Szenewirtschaften rund um elektronische Tanzmusik interessante Möglichkeiten kollektive Interessen der Szenen zu formulieren und in die Stadtpolitik einzubringen. Auf gehts !
Leitet dies weiter, kommt vorbei, diskutiert mit !
MITTERNACHTSTALK: Party & Politics:
Erwartungen an das Musikboard Berlin
Es diskutieren (mit Euch)
Steffen Hack (Betreiber Watergate)
Lutz Leichsenring: (Sprecher Clubcommission Berlin)
Katrin Schmidberger (Clubpolitische Sprecherin B90/ Die Grünen)
Jan Kühn (Technokultur-Wissenschaftller, Berlin Mitte Institut)
Moderation: Tim Thaler (bln.fm)
Uni-Seminar: Die Soziologie der Techno-Szene, Sommersemester 2012 TU Berlin
March 21, 2012 | Gesammeltes Wissen über die Techno-Kultur, Jan Kühn Wissenschaft | 1 CommentFreue mich darauf dieses Jahr mein erstes Uni-Seminar zu geben: Die Soziologie der Techno-Szene. Los gehts am 10.04.2012, jeden Dienstag um 18 Uhr, Institut für Soziologie, Raum FR 1064 im Franklingebäude, letzte Sitzung ist am 17.07.2012. Mehr Information im Vorlesungsverzeichnis der TU Berlin: CLICK
Veranstaltungstext: Die Berliner Techno-Szene ist einerseits eine "post-traditionale" Sozialform, in der Menschen basierend auf individuellen Geschmäckern ihre Vergemeinschaftung und Freizeit organisieren (Hitzler). Sie ist darüber hinaus auch ein wirtschaftlich aktiver Bereich moderner pluralisierter Gesellschaften, in welchem SzeneakteurInnen im Rahmen spezifischer Institutionen der ETM-Kultur (Trackmusik, Clubkultur, DJing, Distinktion gegenüber "Mainstream") mit alternativ-prekären Formen des Wirtschaftens auf kulturspezifischen Märkten (Musiktrackmarkt, Veranstaltungsmarkt, Bookingmarkt) in eigener Infrastruktur und Wertschöpfungskette Erwerbsarbeit vollziehen.
In diesem Seminar geht es um die Lektüre und Diskussion von soziologischen und musikwissenschaftlichen Texten, die sich mit der Kultur elektronischer Tanzmusik (ETM) beschäftigen. Fokus liegt auf House/Techno/Tech-House in Berlin. Explorativ werden wir uns verschiedenen Dimensionen der ETM-Kultur widmen: Der Musik, ihrer Sozialform "Szene", der Szenewirtschaft, der Musikproduktion, Clubkultur, Distinktionen ("Underground"), usw. Ziel des Seminars ist das Kennenlernen und Verstehen der zentralen wissenschaftlichen Ansätze zur ETM-Kultur. Darüber hinaus sind zwei Sitzungen geplant, für die Studierende Texte bzw. Themen zur Behandlung vorschlagen.
Seminarplan: Die Soziologie der (Berliner) Techno-Szene
Textangaben in fett sind Plichtlektüre für alle Studierenden, Texte kursiv zusätzlich Pflicht für Referierende. Texte in Klammern dienen als Empfehlungen für weiterführende Lektüre über das Seminar hinaus. Teilnahmebedingungen sind Referat + aktive Teilnahme. Dafür gibt es 4 Bachelorpunkte oder einen Teilnahmeschein, je nachdem was ihr braucht.
Für themenspezifische Diskussionen (organisatorische Nachfragen zu einzelnen Sitzungen bitte direkt an mich) habe ich eine Mailingliste eingerichtet:
http://www.berlin-mitte-institut.de/mailingliste-techno-szene-forschung/.
Die Pflichttexte & Kursverwaltung findet ihr im ISIS: CLICK, das Zugangsschlüssel für die Texte/ISIS gibt’s im Seminar.
Den kompletten Seminarplan inkl. Textangaben könnt ihr hier als PDF runterladen.
Sitzung 10.04.2012:
Bekanntmachung, Einführung, Verteilung Referate, usw.
Sitzung 17.04.2012:
Die Geschichte elektronischer Tanzmusik (ETM)
Sitzung 24.04.2012:
Was ist elektronische Tanzmusik?
Sitzung 08.05.2012:
Entstehung von ETM-Szenen in Berlin
Sitzung 15.05.2012:
Die ETM Club-Party: Feiern statt Raven
Sitzung 22.05.2012:
„Klötzchenschieber“ – Die Produktion der Musik
Sitzung 29.05.2012:
Begriffe: Lebensstil, Milleu, Szene und Subkultur
Sitzung 05.06.2012:
ETM-Szenen als Massenkultur
Sitzung 12.06.2012
ETM-Szenen als Nischenkultur I: Distinktion
Sitzung 19.06.2012:
ETM-Szenen als Nischenkultur II: Der Spirit des Berliner Techno-Underground
Sitzung 26.06.2012:
Distinktives Wirtschaften: Die Szenewirtschaft
Sitzung 03.07.2012
Sitzung 10.07.2012:
Auswertung und Zusammenfassung des Seminars
Onlineressourcen zu Wissenschaft & elektronischer Tanzmusik:
http://www.dancecult.net
http://aspm.ni.lo-net2.de/samples/
http://www.jugendszenen.com/Techno/Intro.html
http://www.berlin-mitte-institut.de/category/wissen-uber-die-techno-szene/
SoSe 2012, TU Berlin, Allgemeine Soziologie, Veranstaltungsnummer 06371300 L 40, 2 SWS, Wahlbereich
10.04.2012 – 17.07.2012, wöchentlich dienstags 18 Uhr c.t., TU Berlin Franklingebäude, Raum FR 1064
Dozent: Dipl. soz. tech. Jan-Michael Kühn, verantwortlich: Prof. Dr. Hubert Knoblauch
Kontakt: jankuehn (nospam AT) gmx.net / Termine nach Absprache
Diskotheken aus biologischer Perspektive
March 19, 2012 | Gesammeltes Wissen über die Techno-Kultur | 2 CommentsEin TED-Talk des Forschers Yale Fox, der"Nightclubs" (würd ich seiner Beschreibung als Diskotheken übersetzen) untersucht. Ist eine stark (evolutions-)biologisch und ökonomisch geprägte Sicht, sodass man hier und dort etwas stutzig guckt. Für ihn gehts in "Nightclubs" z.b. als "Commodities" um Sex und Status. Ich dachte die Leute gehen auch oder vor allem aus um zu tanzen, zu socialisen, nette Leute kennenzulernen, laute Musik zu hören, zu trinken und zu feiern, usw. Aber vielleicht ist das auch einfach lediglich ein weiterer Hinweis darauf, was Techno-Clubs von Diskotheken unterscheidet. Er versteht z.B. DJs ganz klar als Dienstleister, welche sich nach dem Geschmack des Publikums zu richten haben. Im Techno ist das Konzept eher andersläufig: DJs sind "MixKünstlerInnen" und das Booking die Visitenkarte des Clubs.
"Yale researches social nightclub behaviour with a particular emphasis on music and how it affects people at an implicit level. With a background in biology, psychology, and sociology, Yale investigates such topics as how music can affect bar sales and people's ability to multitask, how it determines listening patterns, and how the stock market can affect mood, which in turn predicts the characteristics of popular music. "
Text: Die Szenewirtschaft elektronischer Tanzmusik – eine explorative Skizze
March 12, 2012 | Gesammeltes Wissen über die Techno-Kultur, Jan Kühn Wissenschaft | 10 CommentsArbeiten in der Berliner Techno-Szene
Skizze der Theorie einer Szenewirtschaft elektronischer Tanzmusik
Von einigen wenigen (1) im deutschsprachigen Raum Mitte und Ende der 1980er vorangetrieben, erlebten die Szenen elektronischer Tanzmusik (ETM) ab Anfang der 1990er einen Boom, der sie bis in die Studios der Musiksender und auf die Agenden der Major-Labels brachte. Der Höhepunkt vollzog sich ca. 1995, ab Ende der 1990er wurde ETM für die breite Masse wieder uninteressant und zog sich in die Nischen der Clubkulturen zurück, in denen sie bis heute verweilt und wieder ständig wächst – insbesondere in Berlin, dem „Mekka“ der Technoiden.
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Im Rahmen dieser mittlerweile über dreißigjährigen (Erfolgs-)Geschichte waren Szenen elektronischer Tanzmusik, öffentlich meist Techno-Szene oder „Elektro“ genannt, oft Gegenstand sozialwissenschaftlicher Untersuchungen. Die Untersuchungsfokusse waren meist verbunden mit Fragen von Vergemeinschaftung, Politik oder der Musik selbst. Nur wenige Untersuchungen gibt es aber zu wirtschaftlichen Aspekten. Während es für Szenen auf verschiedenen Ebenen mittlerweile ausgearbeitete systematische Deutungen gibt (z.B. die massenkulturell orientierte Szenetheorie von Ronald Hitzler, die nischenkulturell orientierte Studie von Sarah Thornton, oder die "underground"-orientierte Theorie von Anja Schwanhäußer), so beschränken sich bestehende Untersuchungen von wirtschaftlichen Aspekten (bis auf wenige Ausnahmen) auf DJs und die Clubkultur – die sichtbare Oberfläche.
Auch die Musikindustrieforschung interessierte sich bisher wenig für die erwerblichen Strukturen von Musikszenen – geht sie doch davon aus, dass diese aufgrund ihrer komplexen organisatorischen Verzweigungen mit eher szenefernen Unternehmen Teil der Musikindustrie sind, ihr distinktives Gebaren vor der Realität ihres Handeln nicht standhalte – und ihre Produkte letztendlich auch nicht "besser" seien.
Seit Mitte der 1990er werden Szenen ebenfalls von ökonomisch-geografischen Diskursen rund um die eher undeutliche Abgrenzungen von Kreativ- und Kulturwirtschaft umworben – mit der impliziten Annahme, dass ETM-Wirtschaft grundsätzlich irgendwie im Netzwerk dieser politisch und gesellschaftlich popularisierten Formen zu verorten sei, da es in „Kreativszenen“ um die Produktion kultureller Güter mit dem Fokus auf "Kreativität" gehe.
Es lässt sich festhalten, dass die erwerbliche Tätigkeit in Musikszenen bisher noch nicht systematisch untersucht wurde, wie es ausführlich für die Praxis der Vergemeinschaftung geschehen ist. Daher ist es an der Zeit, bisherige vereinzelte Forschungen zu verbinden und in eine gemeinsame Systematik zu bringen. Denn spezifisch für die Sphäre des Erwerbs in Szenen ist, dass es sich dabei nicht lediglich um freiwillige und launische Vergemeinschaftung handelt (wie z.B. noch von Hitzler für AkteurInnen der "Organisationselite" unterstellt), sondern dass die erwerblich orientierten AkteurInnen von den Märkten und der Kultur elektronischer Tanzmusik in sukzessiv steigendem Maße an wirtschaftlicher und biografischer Abhängigkeit "gewinnen" – und dies mit ihrem Spaß, lebensweltlichen Vorstellungen und Leidenschaft an Musik und Szene verbinden. Die Szene stellt sich für sie zunehmend als Absatz- und Arbeitsmarkt dar (und nicht mehr als rein spaßorientierte Vergemeinschaftung), anhand dessen spezifischen kulturellen Institutionen und produktiven Verhältnissen sie ihre wirtschaftliche Aktivitäten organisieren.
Um diese Sphäre soziologisch einzugrenzen, plädiere ich für den Begriff der Szenewirtschaft. Zwar sind bisherige Einsichten in das Wirtschaften rund um Szenen durchaus aufschlussreich (z.B. der Befund der komplexen Verästelung mit Akteuren der kapitalintensiveren Kulturindustrien, die kaum haltbare Unterscheidung von "Underground" und "Mainstream" als sozialwissenschaftliche Kategorien, oder die wirtschaftliche Orientierung der erwerblichen SzeneakteurInnen); bisherigen Analysen fehlt aber eine systematische Perspektive, die die ästhetischen, distinktiven und erwerblichen Orientierungen der Professionellen im Rahmen der Bedingungen ihrer spezifischen kulturellen Voraussetzungen (Homeproducing, Clubkultur, DJing, Trackkultur) und Nischenmärkten (Bookingmarkt, Musiktrackmarkt, Partymarkt) analysiert. Meine These lautet, dass die Szenewirtschaft von Szenen elektronischer Tanzmusik eigene ausdifferenzierte wirtschaftliche Felder mit spezifischen Strukturen darstellen, welche eigene Strukturlogiken entwickelt haben. Folge und Grundlage dieser Logik sind spezifische Handlungsbedingungen und Produktionsverhältnisse in eigener Infrastruktur und Wertschöpfungskette, welche sich aus spezifischen Kulturen und Marktverhältnissen elektronischer Tanzmusik ergeben. Diese These entwickle ich derzeit im Rahmen einer Promotion mit dem Thema „Erwerbsarbeit in der Berliner-Techno-Szene“, welche von der Hans-Böckler-Stiftung mit einem Stipendium gefördert wird und die ich im Rahmen des Promotionskolleg „Die Produktivität von Kultur“ anfertige.
Drei methodische Anmerkungen: Diese Ausführungen und Thesen basieren auf meiner Forschung mithilfe fokussierter Ethnografie über ProduzentInnen elektronischer Tanzmusik, sechs ersten ExpertInneninterviews mit in unterschiedlichen Bereichen der Szenewirtschaft Tätigen sowie meiner langjährigen Szeneteilnahme als DJ, Booker und Medien-Produzent (Online Radio & WebTV) als Formen soziologischer Ethnografie. Zweitens benutze ich idealtypische Darstellungen. Das heißt, ich arbeite mit zugespitzten Darstellungen der Unterschiede, die tatsächlich wesentlich vermischter und undeutlicher auftreten. Aber gerade in ihrer Zuspitzung lassen sich die Kerne ihrer Spezifika am deutlichsten darstellen. Drittens sind dies explorative Ausführungen, die einen Zwischenstand meiner Ergebnisse darstellen. (Read more…)


























