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Heute schreibe ich über einen Widerspruch, welcher mich persönlich schön länger bewegt und auch ärgert. Nämlich die Tatsache, dass Musik einerseits immer prominenter wird in der Gesellschaft, immer mehr Musik entsteht, und Musik sich in immer mehr Kontexten etabliert. Gleichzeitig jedoch sorgt die Form der Etablierung dafür, dass wir nicht ”richtig” Musik hören. Ich spreche hier z.B.. von Clubbing, Discotheken, Musikvideos, Musik beim Internetsurfen oder auch der alltägliche Gebrauch von mobilen Musikplayern. Obwohl Musik in den Mittelpunkt rückt, so ist sie doch eher eine Klangtapete als der Gegenstand der Aufmerksamkeit selbst. Einer meiner Interviewten Musikproduzenten bezeichnete dies mal recht treffend:

Musik ist halt so ne Wegwerfware geworden, das heißt, wenn du den Leuten was vorspielst sagen die ja, klingt gut, hören aber gar nicht mehr genau hin. Du musst die Leute entweder mit massig Alkohol abfüllen oder mit denen nen Joint rauchen, dich ganz in Ruhe hinsetzen und sagen jetzt hör mal zuDadurch das halt so nen Überfluss an Musik produziert wird. Es sitzen Leute da und produzieren wie am Fließband, du hast halt so ne ganz geringe Halbwertszeit und die Musik wird halt konsumiert wie nen Schokoriegel. Du reißt die Verpackung auf, hast deinen Spaß, genießt es für ein paar Sekunden und dann ist vorbei. Dasselbe passiert auch gerade in der elektronischen Musik, oder in der Musik allgemein, dass die Leute sich halt nicht hinsetzen, dass es einfach nur ein Konsumgut geworden ist, also es gibt Leute die produzieren auch auf Konsum, aber es gibt Leute die Musik machen, zu denen würde ich mich auch zählen, die Produzieren was über das Konsumgut hinausgeht. Ich will halt einfach dass die Leute mal wieder nen bisschen mehr hinhören und sich nen bisschen mit der Musik beschäftigen.” (Quelle: Ein Musikproduzent aus meiner Diplomarbeit, 2009)

Es geht mehr um die Effekte, die sie im spezifischen konstellativen Kontext produziert: Genuss, Zerstreuung, Erleichterung, Ablenkung, Begleitung, usw. So geht es beim Clubbing ums Tanzen, Lautstärke, um die Vergemeinschaftung, um die geschaffenen Räume für Kontakte und Gespräche, um die Wirkungen zusammen mit Formen flüchtiger Kollektivität und Konsum verschiedener Substanzen. Beim mobilen Musikplayer werden die Umgebungseindrücke durch eine Art “Soundglockeüber das Bewusstsein mit der Musik verbunden; lenken ab, amüsieren und stimulieren ein großstädtisches Kopfkino. Daher frage ich euch: Sind die meistenMusikliebhaberheutzutage nicht eher Liebhaber der kontextuellen Effekte von Musik, anstatt der Musik selbst? Versteht mich nicht falsch, ich genieße diese Effekte ebenfalls; aber ich habe mittlerweile auch gelernt, dass eine zusätzliche Zuwendung zumreinen Musikhörenneue Einsichten in Musik verschafft.

Uns nur der Musik widmen, das tun wir schon lange eher selten, die meisten vermutlich gar nicht mehr. Dabei wäre es doch toll, endlich mal ein Musikstück zu hören, vielleicht ähnlich, wie es der Musikproduzent hörte, als er oder sie es schuf? Sich den Details der Musik zu widmen, die volle Aufmerksamkeit auf die musikalischen Elemente, Strukturen und Übergänge zu lenken, anstatt sie als zuträglich zu einem Videoclip, einem Blogbeitrag oder einer Landschaft zu sehen?

Ein Meme im Netz zeigt, welch merkwürdiges Verhältnis wir mittlerweile zu Musik besitzen. Immenser Aufwand wird fürs Schaffen der Musik aufgebracht, mit teilweise sehr hohem Anteil an Passion, um am Ende doch nur zurechtgestutzt via winzigen Knopf- oder trendig-bunten HiFi-Kopfhörern im Ohr der Konsumierenden zu landen. Und das sehen wir alsFortschritt“, manche Firmen wollen uns dies sogar als “Revolution” verkaufen. (Draufklicken zum Vergrößern)

modernrecording 1 Kritik und Anleitung: Einfach mal wieder richtig Musik hören !  ! ?  ?

Wie sollreine Musikhörenfunktionieren, wie könnten wir uns der Musik selbst mehr zuwenden? Wir müssen nicht weiter diskutieren, dass dasreinenatürlich eine fiese und völlig enthistorisierte Idealisierung ist. [Edit: Gerade in den Kommentaren wurde deutlich, dass dies mancher Leser nicht verstanden hat: Dieser Text ist keine wissenschaftliche Veröffentlichung, sondern ein kurzes Essay, welches den Leserinnen und Lesern nahe legen möchte, sich den Strukturen der Musik selbst beim Hören mehr zuzuwenden. Es ist eine Einladung für eine kulturelle Praxis, die kultürlich selbst nicht ohne bestimmte wertgeleitete und sozialstrukturelle Grundlagen, die hier nicht weiter expliziert wurde, auskommt.] Viel lieber möchte ich eine auf persönlichen Erfahrungen basierte Anleitung mitgeben, die ich über die Jahre der Beschäftigung mit Musik für mich gefunden habe.

_________Anleitung_________

1. Erst einmal gilt es, zumindest die ersten Male, so viele Einflussquellen wie möglich auszuschalten. Und das kann man machen, indem man sich auf sein Bett legt, Tür zu, Licht aus, Fenster zu, Telefon aus, still hinlegen auf den Rücken und Augen zu. 2-3 Minuten in sich gehen und einfach ausruhen

2. Und dann macht man ein Musikstück an. Idealerweise eine Playlist, oder einfach einen längeren DJ-Mix. Dauer ca. 30 Minuten bis eine Stunde, oder eben länger. Wichtig: Nicht zu laut. Ruhig leise. Indem man sich aufs Musikhören konzentriert, wirkt die Musik automatisch noch einer Weile lauter, weil sich das Gehör auf die Lautstärke einstellt und eure Aufmerksamkeit fokussiert ist. Normale Lautsprecher einer Anlage sollten erstmal reichen, bitte keine Laptop-Lautsprecher.

3. Und dann hört ihr einfach mal der Musik zu, ohne dabei rumzulaufen oder im Netz zu surfen. Einfach mal hören. Wie hört sich die Bassdrum an? Wie die Snare? Wie klingt die Fläche? Konzentriert euch auf ein Element und verfolgt, wie sich dieses im Laufe des Stücks ändern. Versucht den Ideen der Schaffer zu folgen. Ihr werdet schnell merken, dass dies gar nicht so einfach ist, da die Musik immer im Kontext zu den anderen Elementen des Musikstücks klingt. Sobald diese sich verändern, verändert sich auch die Wahrnehmung des Elementes, auf welches ihr euch konzentriert. Und schon seit ihr mittendrin im Kopfkino, da das Gehirn jetzt allerlei wirre Sachen anstellen wird, um irgendwie Sinn daraus zu machen. Erinnerungen und Fantasien entstehen, werden mit der Musik verbunden. Plötzlich schlingert ihr aus dem Kopfkino raus und merkt, dass da irgendwas passiert ist mit euch. Und ihr taucht wieder ein, merkt wie viele Strukturen in der Musik ihr plötzlich hört, die ihr vorher nicht bemerkt habt. Plötzlich wird jede Hihat zu einem komplexen Gefüge von Sound, welche sich in sich verändert. Die Hihat ist nicht mehr einfach der Typ, als den wir sie normalerweise kategorisieren, sie gewinnt eine eigene Lebendigkeit.

4. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit dem Mix von Dan Curtin gemacht, versucht es mal damit. Der Anfang ist toll: Merkwürdige elektronische Sphären, gehen über in amerikanischen Fahrstuhl-Jazz, schließlich Funk, und fettem Disco. Zwischendrin immer mal hin und her. Gerade bei den Discosachen war ich weit jenseits davon noch ruhig auf dem Bett liegen zu können. Insgesamt muss ich ziemlich lächerlich ausgesehen haben, wie ich im Liegen vor mich hinzappelte, Arme fuchtelnd und Lenden merkwürdig wackelnd. Allgemein ist ein guter Start ruhige Musik, z.B. Ambient, Experimental bis hin zu chilligem Hip Hop. Aber natürlich gehen auch House & Techno. Experimentelle Musik ist weniger klar strukturiert und fordert damit das normale Musikhören heraus. Und normales Musikhören ist erstmal die Barriere, die es zu überwinden gilt.

5. Die Effekte sind überwältigend, ich beschreibe das mal anhand eigener Erfahrungen. Vielleicht stellen die sich bei euch nicht beim ersten oder zweiten mal ein, aber irgendwann kommen sie.

Erstens lernt man plötzlich Qualität zu unterscheiden, man hört die auf maximalen Genuss und Gefallen hin getrimmten Musikstücke plötzlich raus, weil sie sich aufdringlich anhören. Irgendwann merkt man auch die Effekte von Kompression, man merkt was es bedeutet eine möglichst energievoll klingende Musik zu machen, die Menschen mitreißen und möglich laut sein soll – die deswegen auch wenig Dynamik besitzt. Man merkt die Aufdringlichkeit der Musik, die vielen Gefallen möchte und dabei auf Bewährtes und Mittel technologischer Steigerung davon setzt. Gleichzeitig merkt man, dass auch diese Mittel sich irgendwie geil anhören können, wenn man einfach nur genau hinhört.

Zweitens fängt das Gehirn an die irrsten Dingen zu produzieren: Angefangen beim Kopfkino durch die geschlossenen Augen, deren wilde Formen sich mit der Musik verbinden, einen immer wieder der Musik entreißen, um einen wieder zu ihr zurückzuführen. Irgendwann fängt das Gehirn an die fehlenden Kontexte selbst zu produzieren, und im Falle eines gescheiten Techno-Mix teleportiert man die Anlage und den Floor des Berghain in seinen Kopf, stellt sich Interaktionen mit Freunden und Fremden vor. Die Wuchtigkeit und sonische Rücksichtslosigkeit eines massiven Soundsystems entsteht und verschwindet im Kopf, ohne physisch präsent sein zu müssen. 20000 Kilowatt im Kopf !

Ein wahrlich toller Effekt ist zweifellos der, dass ich es schon mehrmals geschafft habe den Eindruck zu gewinnen, eine Musik wieder zum ersten Mal zu hören, obwohl ich sie seit vielen Jahren kenne. Gerade bei Techno ist dies überwältigend. Plötzlich fühlt man sich in Schlüsselerlebnisse der 1990er zurückversetzt, hört eine bestimmte Kickdrum oder ein Arrangement jungfräulich und kommt nicht davon ab sich beim Hören selbst zu schwören, was das doch plötzlich für eine irgendwie neue und geile Musik ist, die man da gerade hört.

6. Kann man die Wahrnehmung davon auch noch weiter intensivieren und erweitern, z.B. mit Lichtquellen im Raum fürs Kopfkino, Heizung in der Nähe usw. Man kann Stück für Stück einzelne Sinne wieder “hinzuschalten” oder auch einfach mal mit Substanzen wie nem Joint experimentieren (uiuiui !). Die Entwicklungsräume davon sind quasi unendlich: Von der warmen Badewanne über den blubbernden Whirlpool bis hin zu einer Dolby-Surround-Anlage. Der Interpretation der musikalischen Strukturen wird damit immer eine weitere neue Dimension aufgesetzt, die zumindest in der subjektiven Wahrnehmung ein neues Ergebnis produziert.

Viel Spaß beim Ausprobieren ! Erzählt mir euer Feedback und eure Erfahrungen. Lasst auch gerne eure Tipps hier.

 

 Kritik und Anleitung: Einfach mal wieder richtig Musik hören !  ! ?  ?Author info: Fresh Meat

Fresh Meat is the founder of the „Berlin Mitte Institut für Bessere Elektronische Musik" web project, producing laid back webTV shows around the Berlin electronic dance music (EDM) scene, work and economy since 2006. He is spinning records in the universes of techno, minimal, techhouse, chillout and breakbeat music. Jan studied sociology at the Technische Universität Berlin and graduated with a thesis on the production of EDM in homerecording studios. He currently writes a sociologial dissertation on work in the Berlin EDM "underground" scene economy.

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Comments

55 Responses to “Kritik und Anleitung: Einfach mal wieder richtig Musik hören !–! ?–?”

  1. Renato on Januar 30th, 2013 12:28 pm

    Danke!

    Genau das versuche ich den Leuten schon seit Jahren zu erklären, aber sie wollen es einfach nicht verstehen.
    Es wäre vllt. bei manchen, noch eine Anleitung für das “sich Zeit nehmen” notwendig um deine Anleitung überhaupt verwenden zu können.
    Ich persönlich höre oft auf diese Art und Weise Musik.
    Je nach Stimmung und Laune, geht da von sphärischem post-Metal bis zu knackig trockenem Techno einiges.
    Und ja das ganze mit Tüte im Schädel gibt echt Buntes Kopfkino :)

  2. w on Januar 30th, 2013 12:47 pm

    wow! Danke für den Artikel, der mich tatsächlich über meinen Musikkonsum nachdenken lässt.

    Bist Du sicher, daß Clubbing (also im Sinne von sich-auf-dem-Floor-befinden) auch in die Kategorie “nebenbei-hören” gehört? Ist das nicht die Situation, in der man die Musik einerseits genau so hört, wie sie vom Produzenten gedacht war und andererseits ihr volle Aufmerksamkeit widmet?
    Ich bilde mir zumindest ein, dass es mir so geht…

  3. Sven on Januar 30th, 2013 1:00 pm

    Kurz ein paar Anmerkungen:

    Deine These rekurriert auf eine normative Annahme: Nämlich dass eine “richtige” Form des Musikhörens gäbe. Hingegen bergen die verschiedenen Situationen in denen Musik auftaucht auch unterschiedliche Wahrnehmungsmöglichkeiten. (Vgl. etwa Thomas Turino “The Politics of Participation”). Implizit reproduzierst du damit auch auf die bürgerliche Moralvorstellung in Bezug auf Musikkonsum: Sich in der Musik versenken und voll darauf konzentrieren ist das Ideal (Nur die Sonatenform fehlt jetzt noch ;-) ). Musik (gerade im Ritual) ist aber auch körperlich erfahrbar – im Club etwa ertanzbar… Interessant, dass du gerade eigentlich versuchst das Ideal des Konzertsaales auf Techno zu übertragen. Der Vorwurf der Flüchtigkeit und des ausschließlich beiläufigen Genusses anstelle der Versenkung und des konzentrierten Räsonnements, ist dabei nicht neu: Nicht nur Adorno wäre in diesem Punkt (dem Ansatz nach) dein Freund gewesen. (Hier etwa in Bezug auf den Konzertsaal und das Fernsehen und Radio als negativer Pool) Es lässt sich aber nicht pauschal aus einer Veränderung der Orte und Praxen und Situationen des Musikkonsums auch eine “Verschlechterung” der Wahrnehmung ableiten(Headphones in der Bahn, wie gut sind die Headphones technisch und wie laut die Bahn!? Und was heißt hier gut und schlecht). Und ob jemand tatsächlich auf die Snare achtet oder nicht hängt gleichermaßen von seiner momentanen Absicht, wie auch seiner grundsätzlichen Disposition zur Musik ab. (Vgl. hier auch Mediennutzertypen in der soz. Psychologie) Eine empirische Studie wäre hier aufschlussreicher: In welchen Situationen konsumieren Menschen Musik und mit welchem Ziel. Ich kenne genug Leute, die in den Club gehen explizit um die Musik zu erleben (das Set des DJ) und höre selbst etwa selten so konzentriert Musik, wie in der Bahn (Meine Inear Teile machen das auch normalerweise problemlos möglich)!

  4. Hendrik on Januar 30th, 2013 1:05 pm

    Haha, Dolby-Surround funktioniert, wenn auch das Tonsignal “Surround” ist. Musik ist im allgemeinen immer schnöde Stereo. Gibt natürlich auch massig Musikexperimente mit 5.1 (Kino-Ton), aber des Menschen Augen UND Ohren nach vornehin ausgerichtet sind, wird ne Techno-Bassdrum von hinten eher zu nem Unwohlsein und Fluchtreflex führen :)

  5. Fresh Meat on Januar 30th, 2013 1:14 pm

    Hey, danke euch allen schon mal für die Kommentare.

    @w

    Clubbing ist ein äußerst komplexer Kontext mit derartig vielen Einflussquellen, dass eine Konzentration auf die musikalischen Strukturen vermutlich meistens im Hintergrund bleibt. Das fängt ja alleine schon bei der komplexen Interaktivität von Menschen auf dem Dancefloor an. Clubbing ist eine ganz eigene Praxis für sich, und Musik nur ein teil davon: Da geht es zwar ums gute Musikhören, aber auch Reden, Tanzen, Leute kennenlernen, Alkohohl, Drogen, Coolsein, Tratschen, usw usf. Ganze viele Einflüsse, die die Aufmerksamkeit eher von der Musik ablenken.

  6. Fresh Meat on Januar 30th, 2013 1:22 pm

    @Sven

    Völlig richtig, das hier ist keine wissenschaftliche Veröffentlichung sondern eher ein kleiner persönlicher Essay. Was du gerade explizierst hast habe ich kategorisch mit dem Wort “enthistorisierend” erstmal außen vor gelassen. Unhinterfragt idealisiere ich damit natürlich eine “bessere” Form der Musikrezeption, welche ihre Eckpfeiler besonders in den 6 Punkten der Anleitung zeigt. Sie soll den Lesern einfach eine bestimmte Rezeptionspraxis nahelegen, die sich versucht in den musikalischen Strukturen von Musik selbst zu verwurzeln.

  7. Fresh Meat on Januar 30th, 2013 1:24 pm

    Ach ja, und damit steht sie natürlich in Kontrast zu anderen populären Rezeptionsformen, die die Musik eher als “Klangtapete” verstehen. Rezeptionsformen, die für sich natürlich auch ihre Qualitäten und Eigenheiten besitzen, die ich jetzt einfach mal alle ganz frech ignoriert habe :-)

  8. w on Januar 30th, 2013 1:25 pm

    @fresh meat: Das ist schon klar, deswegen habe ich mich ja explizit auf die Zeit des auf-dem-Floor-Befindens bezogen. Ich habe da oft die Augen geschlossen und nehme um mich herum kaum etwas wahr, als die Musik. (Weil ich es genieße, sie richtig laut und körperlich erfahrbar zu erleben. )

  9. Fresh Meat on Januar 30th, 2013 1:35 pm

    @w

    Also ich bin da ständig mit koordinationsarbeit beschäftigt: nicht andere schubsen, sich nicht schubsen lassen, getränk nicht verschütten, sich nicht selbst mit der kippe ankokeln, andere nicht ankokeln, selbst nicht umfallen, nach ein paar sekunden kurz augen öffnen um zu schauen, wie man zu den anderem um raum steht. und dann noch das ganze gebrabbel. kurze momente der zuwendung sind da sicherlich möglich, aber länger und intensiver?

    nee, raven ist schon ein sehr kollektiver akt, bei dem es gerade um die wirkungen der musik zusammen mit den anderen menschen in einer größeren gruppe geht.

    und wenns richtig voll wird, wird ausm club auch schnell ne schafherde.

  10. Katherina on Januar 30th, 2013 3:14 pm

    Super Artikel! Alternative zum ruhig auf dem Bett liegen: Musik (welche mit Gesang) laut, Licht aus, durchs Zimmer tanzen und mitsingen (hört ja keiner, weil Musik lauter), irgendwann mega Gänsehaut.
    Noch ne Alternative: heiße Badewanne, halbe Stunde mitsingen und lauschen während die Schaumbläschen leise dazu zerplatzen. :-)
    Beides ist prima zum Abschalten zwischendurch, wenn man grade gedanklich anspruchsvolles Zeugs arbeitet.

  11. Jasmin on Januar 30th, 2013 3:26 pm

    danke für diesen Artikel! ich treffe mich regelmäßig mit freunden zum reinen musikkonsum, und es ist jedes mal ein erlebnis, wenn man die augen schließt und sich auf eine reise begibt. einen sozialen aspekt hat musik für mich jedoch immer: danach reden wir über das, was wir gesehen und gehört haben, und genau das stellt die musik auf eine noch höhere ebene. auch wenn ich gerne mal alleine musik höre, ist für mich das kollektive erlebnis immernoch von ganz besonderem wert. ich habe aber eine frage: wie kann einer, der sich kein hifi-system leisten kann, geschweige denn ordentliche platten (ich bin sehr vinyl-verliebt), musik heute in der hohen qualität hören, wie sie produziert wird? genau deshalb gehe ich nämlich auch in clubs.. (natürlich nur in die, wo der sound gut ist, wovon es leider viel zu wenige gibt) fakt ist doch, dass der “wahre” musikkonsum für die meisten schlichtweg zu teuer ist. ich würde sagen, dass auch deshalb viele zu billigen kopfhörern und co. greifen. und noch etwas, aber das ist meine persönliche meinung: ich kenne einige menschen, für die musik einfach keine so große rolle spielt. die rasten nicht so aus wie ich, wenn sie was neues finden. die finden nicht mal was, sondern lassen sich einfach berieseln. diese menschen würden sich NIE zum musikhören auf ihr bett legen und das licht ausmachen. ich denke mir manchmal: scheiß auf diese art von konsumenten, für die interessiere ich mich nicht. aber die musikindustrie interessiert sich ja genau für die, weil sie “leichte” konsumenten sind, die musik völlig unreflektiert wahrnehmen, und deshalb eher das drumherum kaufen, als die klänge. sie bezahlen nicht den musiker oder produzenten, sondern das marketing, den ganzen glamour, das drumherum eben. oder wie hier beschrieben, das clubbing-gefühl. ich finde jedenfalls, dass viel zu viele musiker perlen vor die säue (im club) werfen. schade, aber so ist es eben.

  12. t on Januar 30th, 2013 3:38 pm

    Danke für den Artikel, ich finde dan Gedankengang auf jeden Fall gut. Man hört so oft Leute sagen “Das ist ein geiler Track.” oder “Das ist ein klasse Set.”, doch wenn man dann fragt, warum sie es gut finden, können sie keine Antwort geben. Das ist ja ansich nicht schlimm, doch das gibt eben das Gefühl, dass nur mit halbem Ohr hingehört wird und die Musik dann eben für gut oder schlecht befunden wird. Allerdings muss ich zugeben, dass mir auch meist viel zu wenig Zeit bleibt, um wirklich intensiv Musik zu hören. Meistens mach ich das dann beim Spazierengehen im Park oder im Wald an schönen Tagen. Wenn ich den Track, den ich mir angehört habe dann an einem anderen Tag wieder hör, hängen viele schöne Bilder und Eindrücke dran, das mag ich.

  13. loveitorleaveit on Januar 30th, 2013 3:53 pm

    für mich DER mix zum hinlegen und augen schließen, viel spaß!

    https://soundcloud.com/underground-paris/10-years-without-you

  14. Lazer on Januar 30th, 2013 5:05 pm

    oha, das ist mal ein interessanter artikel. meiner erfahrung nach findet man wenig leute, die elektronische musik so fokussiert konsumieren. wenn man aber solche leute kennt, wird es spannend, weil man auf einer ganz anderen ebene connected =D

    du schreibst, dass du dich ohne störende fremdeinflüsse auf die couch legen musst, um die nötige konzentration aufzubringen. ich kann das jedoch auch im club. vielleicht habe ich mehr training als du ;) aber wenn ich auf dem berghain floor stehe, habe ich gerne mal 30 minuten am stück die augen geschlossen. das einzige, was mir dabei sorgen macht ist, dass ich mich beim tanzen unmerklich richtung treppe bewege und da plötzlich runterkrache =D

    andere menschen um mich herum stören mich dabei nicht im geringsten. mein fokus liegt ganz klar auf der musik in dem moment. teilweise ist es aber interessant, wer dich beobachtet, wenn du denn mal wieder die augen öffnest :> das gelingt mir aber nur bei monotoner musik wie z.b. techno. bei breakbeat kann ich das nicht und da ist es auch nicht von mir erwünscht, weil ich zu breaks mit der menge feiern will.

    und da zeigen sich meiner meinung nach auch die grenzen deines artikels. sicherlich kann man musik so geniessen, aber man muss es nicht. jeder verfolgt andere ziele, gerade im club. wenn jemand die musik nur als klangtapete braucht, um die stille zu übertönen, so ist das auch ok. nur werde ich dann wahrscheinlich nicht mit dieser person connecten =)

  15. Fresh Meat on Januar 30th, 2013 5:08 pm

    @ katherina

    badewanne ist super ! einfach mal völlige ruhe probieren und den seifenblasen zuhören. ist auch gar nicht so leicht, weil man oftmals geneigt ist doch irgendwas anderes zu machen. das ist so eine innere unruhe, die uns nicht loslassen will. die muss man überwinden :-)

  16. Fresh Meat on Januar 30th, 2013 5:13 pm

    @ jasmin

    zu deiner frage: ich glaube nicht, dass zuhören zwangsläufig was mit teurem hifi-equipment zu tun hat. sicherlich kann das noch höher auflösen, aber bereits aus normalen lautsprecherboxen kommt eine qualität, die man entdecken kann, wenn man sich ihr einfach mal richtig zuwendet. auch eine gute mp3 hat genug auflösung, um fesseln zu können. darüber hinaus geht natürlich noch mehr. aber die andere hälfte passiert eh im kopf, und vor allem eben durch unsere bewusste zuwendung uns dem musikhören zentral zuzuwenden. imho.

  17. Fresh Meat on Januar 30th, 2013 5:16 pm

    @ loveitorleaveit

    der anfang hört sich vielversprechend an, ich probier den heute abend vorm schlafengehen mal aus :-)

  18. Jasmin on Januar 30th, 2013 6:42 pm

    @Fresh Meat

    Ja, das hast du wahrscheinlich Recht… Ich höre trotzdem lieber Platten über eine Hifi Anlage, wenn man sehr genau zuhört hört man das knistern usw. wollte da jetzt aber keine digital vs. analog diskussion draus machen oder so. im großen und ganzen gebe ich dir schon recht. denke nur, dass viele eben musik über schlechte kopfhörer oder laptop-boxen hören, und da geht leider alles verloren.

    @t
    Genau das passiert mir auch! manche leute kann man gar nicht in eine diskussion über einen künstler und sein werk verwickeln, weil sie überhaupt nicht richtig hinhören. dabei gibt es so viel zu entdecken! spazierengehen und dabei musik hören, auch noch in der natur, ist doch super!! und mit der musik ist es tatsächlich wie mit gerüchen: wenn sie wiederkommen, irgendwo an eienm vorbeiziehen, geben sie einem ein richtig gutes gefühl.

  19. Waulmurf on Januar 30th, 2013 9:42 pm

    Gute Gedanken stecken in dem Artikel! Ich empfehle jedem die Gründung eines “Hörzirkels” :) Kleiner Musiktipp am Rande (es muss ja nicht immer Techno bzw. Elektro sein): Die Platte von Fink “Perfect Darkness”. Hammermäßig von A-Z, von Norden nach Süden und vom ersten bis zum letzten Track. (Ist natürlich Geschmackssache.)

  20. Steffen Lepa on Januar 30th, 2013 10:21 pm

    Hey Jan,

    meine wichtigsten theoretischen Einwände hat ja praktischerweise schon Sven weiter oben vorweggenommen. Im Grunde finde ich es übrigens auch mehr als ulkig, wenn jemand der von Musikproduktion lebt (wie “undergroundig” auch immer), sich über die Nutzung von Musik als Konsumware aufregt (bezieht sich jetzt auf Deinen Interviewpartner) ;-) Aber das war ja schon immer die schizophrene Dialektik von “Pop”.

    Fest steht doch Folgendes: Musik ist in den meisten Kulturen der Welt immer nur ein Teil eines größeren rituellen Kontexts gewesen. Das Salz in der Suppe gewissermaßen. Aber eben nicht die Suppe. Manche haben dann so getan, als wäre dies anders (l’art pour l’art Konzept, Konzerthausmusik des 19. Jahrhunderts in Europa – vorher war es auch bei uns komplett anders), aber selbst das stellt sich bei genauerer Betrachtung als wohlgefällige Fiktion heraus, denn auch dies war im wesentlichen ein soziorituelles Gesamtereignis und vielen Besuchern wird die Frisur der Nachbarin wichtiger gewesen sein als das zweigestrichene C des Soprans. Auch wenn wir heute von Techno-Kultur sprechen oder sowas, so ist es nur vordergründig so, dass sich alles an der Musik als Material aufhängt und alles weitere nachrangig ist.
    Zugespitzt gesagt: Die Essenz von Musik besteht in der Gesamtschau über alle Menschen hinweg wohl doch primär in Ihrem Beitrag zum sozialen Ereignis. Das gilt, so denke ich, für die meisten Menschen auf diesem Planeten und in Vergangenheit und in Zukunft. (vgl. Christopher Small: Musicking, 1999, der das ganz großartig auseinandernimmt)
    “Uns Musiker” (wenn ich das mal hier so sagen darf) mag das bekümmern, weil für uns Musik einfach nur Musik qua Musik ist und für uns eine Welt für sich. Aber sollten wir unsere Weltsicht anderen aufdrücken, die damit, was Musik für sie ist, glücklich sind? Ich glaube nein. Mit dieser normativen Nummer sind schon Adorno und Klaus-Ernst Behne und viele andere grandios gescheitert.
    Ferner zweifle ich auch daran, dass es “DIE” gute Praktik des intensiven Musikhörens gibt und würde meinen, dass gerade Körperbewegungen beim “Verstehen” von Musik helfen, aber das wär nochmal ne ganz andere Diskussion, die Du hier ja nur anreißt.
    Spannender finde ich da schon die Frage, warum wer heute wie Musik hört und welche Bedeutung dabei jeweils der Kontext und die Technologie hat und welche Praktikten da jeweils vorherschen. Also vom Normativen weg ist das schon ne interessante Fragestellung, die Dein Artikel aufwirft und das untersuche ich auch grad in einem aktuellen Forschungsprojekt. Bin selbst gespannt, was rauskommt.
    Bis dahin lausche ich am Samstag mal intensiv, wie es klingt, wenn ein letztes Mal Möbel gerückt werden ;-)

  21. Fresh Meat on Januar 30th, 2013 11:05 pm

    @ Steffen Lepa

    Hallo, schön dich mal wieder hier zu lesen :-)

    Zu deinem Kommentar:

    Bourdieu zeigte bereits, dass sich die “Kunst ist Kunst” Betrachtung als ein Pol eines kulturellen Feldes verorten lässt – mit Positionen und entsprechenden Positionierungen. Daher würde ich nicht einfach von einer reinen wohlgefälligkeit sprechen, sondern eher nach entsprechenden handlungskonsequenzen schauen, die aneinander gekoppelt durchaus strukturen ergeben können. solche “underground-orientierungen” scheinen mir auch heute noch relevant, gerade wenn es darum geht grenzen um ästhetiken und produktionsweisen zu ziehen.

    daher ist das zitat vom dem produzenten auch durchaus instruktiv: er stellt zwar kommerzielle produkte her, aber vermutet in ihnen doch eine gewisse differenz gegenüber anderen. dabei entstehen eigene wertzuweisungen und als konsequenz auch fundierungen von hierarchien, die sich auch in seinen ästhetiken abbilden.

    und es geht natürlich jetzt im artikel auch nicht darum jemandem eine gewisse hörpraxis aufzudrücken oder als die beste darzustellen. es geht lediglich darum das leben der menschen mit einer weiteren zu bereichern, die ihnen die musik selbst noch mal näher bringt – und andere hörgewohnheiten ermöglicht.

    oben wurde schon mal der bezug zu adorno hergestellt – dabei macht der eigetlich auch heute nur unter bezug auf seine bestimmte sozialphilosophie sinn. aber bei der aufforderung sich einfach mal musik ein bisschen genauer anzuhören? heutzutage wird man ja schnell und subtil in kulturpessimistische ecken geschoben, auch wenn man derlei gar nicht praktiziert :-)

  22. Bonsei on Januar 30th, 2013 11:37 pm

    Oh ja, Musik hören genügt vollkommen : ) Man muss sich nur entspannen und alles entschleunigen. Dann kann man alte Musik wirklich neu erleben. Ich schreibe nur uiuiui ; )
    Und der Musiktipp von Maulwurf passt perfekt dazu!

  23. cologne123 on Januar 30th, 2013 11:46 pm

    Dufte! The return of the Räucherstäbchen! Nun, Scherz beiseite! Ich würde zum einen nicht allzu kulturpessimistisch sein. Es ist m.E. nicht ein spezielles Signum unserer Zeit und auch nicht Elektronischer Musik, dass sie nicht “bewusst” gehört wird. Was das meint, darüber lässt sich wohl trefflich streiten. Meint es ein technizistisches Hören von Produzenten (toller Hihat- Sound..), ein funktionales von DJs (toller Opener…) oder das assoziative vieler Musikbegeisteter, zu denen wiederum zweifelsohne auch viele Produzenten und DJs gehören….?

    Dabei steht die Funktionalität der meisten Tracks einer kontemplativen Wahrnehmung doch eigentlich zunächst eher entgegen. Sie wollen primär, mit Walter Benjamin gesprochen, taktil und zerstreut wahrgenommen werden, d.h. im sozialen Kontext des Clubs, tanzend, chillend, feiernd. All das spricht natürlich nicht gegen die Rezeptur des Dr. Freshmeat (kann jeder machen, der Lust und Zeit dazu hat) aber m.E. gegen die These, dass “wir” nicht mehr “richtig” Musik hören.

  24. Steffen Lepa on Januar 31st, 2013 12:50 am

    @freshmeat:

    Nix gegen Bourdieu, aber die Frage ist schon, ob die Verwendung von Musik als symbolischer Ausdruck eines “feinen Unterschieds” überhaupt mit dem zu tun hat, wovon wir hier reden, nämlich dem intensiven (körperlichen) Erleben von Musik, wie es, so denke ich, von Musikliebhabern leidenschaftlich praktiziert wird.
    Also die Debatte der Mobilisierung von “Musik” zur Identitätspolitik, die mit der Reproduzierbarkeit des Kunstwerks erst losgeht, wie Benjamin zutreffend bemerkt hat, scheint mir nochmal ne völlig andere Frage zu sein.
    Und natürlich hast Du recht, dass man die Produzentenaussagen in diesem Kontext gut interpretieren kann. Aber das hat dann unterm Strich wenig mit der Frage des “richtigen Hörens” von Musik zu tun, meine ich. Zugespitzt könnte das eben auch schon der Irrtum Adornos gewesen sein.
    Um eine Analogie zu bilden: Ein Regenmantel kann natürlich auch als Ausdruck von Reichtum, Modebewusstsein usw. dienen. Und man kann dann fragen: Wie muss man den Mantel “richtig” tragen, damit man diese Ausdrucksfunktionem auf die richtige Weise herausarbeitet.

    Ich dachte aber, wir reden hier darüber, wie man einen Regenmantel am besten verwendet, um vor Regen geschützt zu sein. Und ich denke, bei dieser Frage helfen uns weder Bourdieu noch Adorno, sondern eher Durkheim, Mauss, Levi-Strauss, Turner und evtl. noch Latour ;-)

  25. Steffen Lepa on Januar 31st, 2013 12:59 am

    Nachtrag @freshmeat: Das normative “Aufdrücken” wollte ich Dir persönlich auch nicht unterstellen.. es ist nur so, dass man Deinen Beitrag ohne viel Mühe so AUCH lesen kann, wie man an manchen der Kommentare sehen kann..

  26. Fresh Meat on Januar 31st, 2013 10:45 am

    @ Moin Steffen :-)

    ich hab hier den bourdieu und identitäten nur reingeschoben, weil du solcherlei sachen als “reine wohlgefälligkeit” abgewatscht hast ;-) mit der idee des artikels hats natürlich erstmal weniger zu tun.

    und beides trennen, also identitätspolitik und die idee des “reinen hörens” würde ich auch nicht – wie oben schon angemerkt wurde von sven, lässt sich hinter der idee des “reinen hörens” durchaus auch das relikt bzw die verortung meiner distinguierten kleinbürgerlichkeit herauslesen ;-)

    allerdings würde ich im falle dieses artikels darauf bestehen, diese nicht zur distinktion zu bemühen, sondern hin zu einer neuen produktivität mit einer kulturellen praxis.

    hoffe, ich hab dich richtig verstanden und wir haben jetzt nicht aneinander vorbeigeredet ?

    lass uns weiter darüber nachdenken, wie wir uns den regenmantel “am besten” anziehen können. und zwar in dem sinne, dass wir am ende den regenmantel lieber mögen und mehr von ihm kennen und nutzen, als vorher ;-)

  27. Fresh Meat on Januar 31st, 2013 10:56 am

    @ loveitorleaveit

    habe gestern abend vorm schlafengehen deinen tipp ausprobiert. der anfang ist wirklich schön, aber mir wirds dann schnell zu hektisch, wild. da fehlt irgendwie die deepness bei dem mix. außerdem hört man es, wenn sounds nicht produziert sondern gespielt werden. produzierte sounds sind vielleicht sogar spannender als live gespielte, da da sie sich in ihren formen unterscheiden – sie werden ja meist erst hergestellt oder zumindest noch bearbeitet und in den groove reinproduziert. die open hihat eines drumsets hingegen hört sich immer irgendwie gleich an.

  28. domenique xander on Januar 31st, 2013 3:20 pm

    ..feiner artikel! sehr schön geschrieben.

  29. Florian Meindl on Januar 31st, 2013 7:41 pm

    Eine kleine Geschichte am Rande:

    Ich kann nur sagen, dass mich das “Vinyl Fieber” wieder gepackt hat – aber diesmal nicht mit Techno Neu-Erscheinungen, sondern mit audiophilen 180g Pressungen von akustischer Musik (Jazz, Rock, Pop teilweise), am besten mit “Direct Metal Mastering” – was bedeutet, dass man eine direkte Kopie vom Masterband, bzw. der Master-Scheibe hören kann. Da die Schneide-Technik mittlerweile so ausgereift ist bzw. bei solchen Pressungen nur High-End Equipment verwendet wird, durchläuft das Audio Signal nie eine Analog-Digital Wandlung, was immer einen geringen Qualitäts-Verlust bedeuten würde. Man hat auch so gut wie kein Rauschen oder knistern wie bei herkömmlichen oder billig geschnittenen Platten.

    Das ganze macht nur Sinn wenn man eine dementsprechende High-End Anlage zuhause hat, das ist klar! Aber seitdem ich mir das alles zugelegt habe, von guter Nadel bis hin zu guten Lautsprechern (Bullfrog von Martion Audio) und Raum-Akustik bin ich echt wieder süchtig nach Vinyls hören. Man erkennt teilweise keinen Unterschied ob man echt mitten im Konzert steht oder nicht und das ist wie wenn man das erste mal einen HD Film sieht, es wirkt unglaublich echt.

    Da ich mir nur das beste vom besten kaufe genieße ich diese Schallplatten dann auch und bin voll bei der Sache und in der Musik drin!

  30. cologne123 on Februar 1st, 2013 12:45 am

    @freshmeat Nun, ich habe gewiss nichts gegen Durkheim und Turner, aber die Analogie mit dem Regenmantel hinkt doch gewaltig! Du hattest ja darauf hingewiesen, dass selbst der Gebrauchsgegenstand Regenmantel in ganz verschiedenen modischen Varianten erscheinen kann (The Return of the Friesennerz). Darüber hinaus kann besagter Friesennerz selbst bei strahlendem Sonnenschein neu kontextualisiert werden, also in deinem Sinne “falsch” verwendet werden. Das mag für den Träger/ die Trägerin nicht besonders angenehm sein, bleibt aber seine/ ihre Wahl. Es gibt weder ein “richtiges” Tragen von Regenmänteln, noch ein “richtiges” Hören von Musik, sondern lediglich verschiedene Varianten und Motivationen beider Vorgänge. Diese herauszuarbeiten scheint mir wesentlich aufschlussreicher als ein Sinnieren über das “Richtige”, d.h. dem Objekt/ Track/ oder gar “Werk” Angemessene. Btw.: Dies ist meines Erachtens nach die eigentlich verbleibende Aufgabe wissenschaftlicher Beobachtung und Reflexion über Ästhetik…

  31. Fresh Meat on Februar 1st, 2013 10:39 am

    cologne, richtig, aber das wurde doch schon längst geklärt? die metapher des “richtigen” dient lediglich dazu sich den strukturen der musik selbst mehr zuzuwenden. richtig ist in diesem sinne eine tipp für eine bestimmte orientierung / zuwendung, kein postulat objektiver sachverhalte. dies hier ist _kein wissenschaftlicher text_, sondern lediglich ein kleiner essay mit beobachtung und anleitung.

  32. cologne123 on Februar 1st, 2013 4:50 pm

    Dann nenne es doch vertieftes Hören, denn um dieses, an sich löbliche Ziel scheint es dir doch zu gehen.Metaphern meinen sprachliche Übertragungen, die gewählt werden, um etwas zu verdeutlichen- auch bzw. gerade in Essays.”Richtig” taugt zu diesem Zweck nicht (und btw auch nicht wirklich als “Metapher”), weil es offensichtlich auch als Gegenteil von “falsch” gelesen wird.

    Natürlich würde auch das dem “vertieften Hören” entgegengesetzte “oberflächliche Hören” negative Konnotationen haben, doch erscheint mir dieser Begriff weniger normativ und teilweise durchaus zutreffend. Gleichwohl bleibe ich lieber bei Benjamins “zerstreuter” und “taktiler” Rezeption- beides auch im Falle das Musikhörens und -erlebens häufig anzutreffende und absolut legitime (=ebenfalls “richtige”) Modi.

  33. Fresh Meat on Februar 1st, 2013 10:39 pm

    Cologne, “vertieftes Hören” hat im Endeffekt dieselben problematischen Implikationen. Da nennen wir das Kind direkt beim Namen. Und ich tue auch gar nicht erst anders, als dass ich mit dem Vorschlag einer bestimmten Hörpraxis auch durchaus eine bessere Hörweise meinte. Deswegen schlage ich es den Leuten auch vor.

    Außerdem liest man solche Artikel eher, wenn da so eine Sichtweise vertreten wird. Vertieftes Hören ist nur irgendwie kompliziert, lädt nicht zum Lesen ein. Richtiges Hören hingegen meint, schau mal her, da hat einer was mitzuteilen.

    Wieso haben die Leute hier nur ein Problem damit im Rahmen eines Essays auch mal einen normativen Standpunkt zu vertreten? Das ist doch sonst auch im Alltag kein Problem.

  34. Blabla on Februar 2nd, 2013 8:09 pm

    Musik mit Bauch hören hier und jetzt sein

  35. Totti on Februar 3rd, 2013 1:12 pm

    Dieses Prinzip vom “Musikhören” betreibe ich schon seit langem mit hochwertigen Materialien! Du hast es textuell hammerhart auf den Punkt getroffen. Das muss raus an die Menschen die noch herum irren und nicht wissen was Musik bedeutet und bezwecken kann!

  36. cologne123 on Februar 3rd, 2013 10:28 pm

    Nun, wenn “vertieftes Hören” nicht zum Lesen einlädt, wäre “versunkenes Hören” noch eine Alternative, welche auch als Metapher sehr poetisch daher kommt. Aber vielleicht sollten wir dann lieber nicht nur “richtig hören”, sondern auch “richtig lesen” üben?

  37. Fresh Meat on Februar 4th, 2013 12:08 am

    :-)

  38. Dirk on Februar 6th, 2013 9:45 pm

    Großartiger Text!
    “Listening to music in public” wäre doch mal ein interessantes Clubkonzept…

  39. phil on Februar 9th, 2013 11:37 am

    ich hab ADS ihr arschlöcher!

  40. Stefan on Februar 9th, 2013 11:46 am

    Mega geiler Artikel Alter !!!! Als einzelnes Thema so zusammengefasst , echt schöne Idee!!! <3 <3

    Echt fette propz !!!

  41. Stefan on Februar 9th, 2013 11:53 am

    Und Leute

    viele der ” Anmerkungen ” sind hier recht egal.
    Auch wenn das ein oder andere Detail fehlen oder nicht ganz richtig sein mag(Also laut mancher comments).

    Die Message bzw die Idee dahinter ist die selbe und genau darauf kommt es hier meiner Meinung nach an!!!

    :) :) :)

  42. D on Februar 11th, 2013 9:00 am

    Tja das liegt dann wohl an der Musik selbst, die heutzutage produziert wird. Das meiste (nicht alles!) ist wirklich komplett anspruchslos, einerseits weil -jeder- denkt, er kann Musik machen und andererseits wollen die Leute leichte Kost. Es gib jede Woche tausende neuer Tracks, ohne jeden Sinn und Verstand. Wer will da schon zuhören? Überlegt mal eins: Es gibt Musik, die ist so komplex, so schön und anspruchsvoll, dass sich Menschen seit mehreren 100 Jahren hinsetzen und -zuhören-. Ich rede hier von Chopin, Beethoven, Bach, um nur einige der Protagonisten zu nennen. Der Name Klassik kommt nicht von ungefähr, diese Musik hat Klasse und spielt auch in einer ganz anderen Klasse. Wer das nicht versteht, hat noch nie zugehört! Hier mal zwei Beispiele, die auf nur einem(!) Instrument gespielt wurden. Wer von den heutigen sogenannten Produzenten könnte mit einem Instrument so viele Stimmungen und Ausdruck erzeugen? Hört zu!
    Beethoven: http://www.youtube.com/watch?v=oqSulR9Fymg
    Chopin: http://www.youtube.com/watch?v=V60USaluxGA

    Letztendlich ist die meiste(!) elektronische Musik für die Arschwackler, die “jawohl”-gröhlenden Partygänger, die unter-der-Dusche-Poplieder-Mitsänger und nicht für die Zuhörer bestimmt.

  43. cologne123 on Februar 12th, 2013 10:00 pm

    @ D Hey, hey, smells like Hochkultur kontra “Massenkultur”!
    Nun, nichts gegen Bachs Goldbergvariationen, Beethoven Cellosuiten oder Klaviersonaten und Chopins Nocturnes… Aber diese Kompositionen erschließen sich nun mal anhand ganz anderer- überwiegend melodischer- Kategorien. Den Komponisten standen darüber hinaus nur die Instrumente, ästhetischen Parameter und auch Erfahrungen ihrer jeweiligen Zeit zur Verfügung. Insofern klingt diese Musik notwendigerweise anders als heutige, zumal sie ja auch weitgehend andere Funktionen erfüllte.

    Unsere Zeit ist, da muss ich dir natürlich völlig recht geben, schon sehr schlimm…der Untergang des Abendlandes ist mal wieder ganz nahe, wenn Partygänger gröhlen (O.K., kann nerven), wenn Ärsche gewackelt werden (kommt drauf an…) und unter der Dusche gesungen wird (gute Akustik!, Probier´s mal einfach aus, Beatles für den Anfang, das ist schon seit mindestens 30 Jahren hochkulturell akzeptiert…. Eleanor Rigby… im Original mit Streichquartett- wow!!!).

    Wenn du dich wirklich für die Komplexität guter House und Technotracks interessieren solltest (ja, das gibt es!), achte auf die rhythmischen Dinge, die dort passieren, denn diese Musik steht in der Tradition der Afro-amerikanischen Musik…. die Ebene der Sounds wäre dann das andere, wo es eine Menge zu entdecken gibt- Stimmung und Ausdruck eben.

  44. shituationist institute on Februar 17th, 2013 7:08 pm

    we completely disagree with the proposal that one should listen to rave music immobilized and all alone, because this is an escapism into the wrong direction: privatism instead of club sociability.

    the base for this fault in your argumentation lies in your personal understanding of club sociability (as chatter and distraction and not as – how we see it – as a condition of comfortable togetherness). your understanding of the club sociability is too narrow to imagine an immersion into club music inside a club.

    what we do agree on is the ‘open your ears’ approach, to encourage a more conscious attitude towards club sound. and this is why we want to share our most recent track review with you, to add it to this approach of opening up sound perception through the written word: http://si-blog.net/2013/02/15/review-oake-erajh-nur-dwfa/

  45. Fresh Meat on Februar 18th, 2013 10:07 am

    @shituanist

    The proposal is not a dichotonomy of privatism vs club sociability. The idea is to enjoy both, but the analysis suggests that turning to the music itself and really actually listing isn’t happing that much but should happen more often.

  46. shituationist institute on Februar 18th, 2013 11:51 pm

    well our criticism is against your idea of a pure experience: “reine Musikhören”. we consider this idea problematic, as the music that you propose to listen to was made for the club situation. so when you take it out of the club context you are not getting a more pure approach, but you construct a laboratory situation where you examine the technique of the tracks.

    our argument is not against the inspirational approach, to get the consumers to listen more closely, but about the ideology that you produced with it.

  47. Fresh Meat on Februar 19th, 2013 12:07 am

    @ shituanist institute

    “reines musikhören”, in this article, does not refer to an abstract concept of purity rooted in a supreme way of enjoying music. It refers to a practice by turning towards actually listening closely to the musical structures and paying more attention to those. It is not supposed to replace club experience, it is supposed just to show people another way of listening.

    Also, it is not limited to club music. For example the mix which I pointed to in the instructions is clearly rather made for home listening. But of course, listening to club music this way also makes a great experience.

    And thank you for your criticism, although it my not look like it it is much appreciated :-)

  48. Fresh Meat on Februar 19th, 2013 12:09 am

    The term “reines” is really misleading in this context, I should have chosen a different word …

  49. shituationist institute on Februar 19th, 2013 10:51 am

    ok, glad our point came through and thanks for clarifying why you talk about these sets like that. now you might want to learn to spell our name right ;)

  50. Dirk on Februar 27th, 2013 1:26 pm

    Möglicherweise ist dieser Podcast gut dazu passend:

    Abgründe der Popmusik
    Von Musik und Müll
    Der Essay “Musik = Müll” arbeitet sich an Themen wie Sinn und Unsinn von Streamingdiensten, Urheberrecht und Popakademien ab. Der Zündfunk Generator bittet Hans Platzgumer und Didi Neidhart zum Gespräch über den Stellenwert von Musik im Jahr 2013.

    http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/kolumnen-sendungen/generator/generator-musik-muell100.html

  51. Fresh Meat on Februar 27th, 2013 7:07 pm

    Danke für den Link !

  52. Fresh Meat on April 28th, 2013 8:14 pm

    Alles klaro, hab den doppelten Beitrag gelöscht Marco :-)

  53. Joe on Mai 15th, 2013 12:34 am

    Ehrlich – ich hab den Beitrag nur überflogen.
    Schon nach den ersten Zeilen “…richtig-musik-hören” hab ich aufgehört und mich gefragt: Wie kann man denn “falsch” Musik hören?

    Ja, kann man. Indem man sich einen Player seiner Wahl in die Hosentasche steckt und Musik hört, während man Dinge tut (Bus fahren, einkaufen….)

    Ich gehöre schon in die “Rentner-Ecke” mit Baujahr 1962, habe aber Musik immer so gehört:
    - klassische analoge Stereoanlage
    - Plattenspieler
    - anständiger Kopfhörer
    - gemütlicher Sessel
    - ein paar Bierchen
    - gefühlte 100 Kerzen
    und dann:
    Hören
    aktuell:
    - Pearl Jam on two Legs

    Was willste mehr??

  54. Fresh Meat on Mai 15th, 2013 8:57 am

    Joe, vielleicht einfach mal Text und Kommentare “richtig” lesen ;-)

  55. Jaron Weinzeig on Mai 18th, 2013 1:09 am

    Musik in Dolby Surround? Ich bleib bei Stereo :D Aber recht haste! Musik-Hör Kultur muss wiederbelebt und gepflegt werden! Und das nicht nur im Bereich der elektronischen Musik

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