Ja, das hört man nun wahrlich öfters. Da ist ein Track noch so hart, noch so furchtbar, zu cheesy, zu langweilig, offensichtlich unkreativ oder schlecht produziert – und womöglich ist dieser dann auch noch in den Top 10 irgendwelcher Charts, die besten Freunde fahren tierisch drauf ab -  und man selbst versteht die Welt nicht mehr.

Zeit sich zu fragen: Was ist eigentlich Musikgeschmack, wenn man sich über den der anderen echauffiert?

eigentlich alles musikgeschmack Über Musikgeschmack lässt sich nicht streiten?! (Musikwissenschaft, Musiksoziologie)

Zu diesem Thema gibt es bereits zahlreiche Veröffentlichungen. Bei meiner Recherche im Netz fand ich eine kostenlos zugängliche musikwissenschaftliche Diplomarbeit von Evelyn Hemmer, die sich der Aufarbeitung des Thema “Musikgeschmack” ein ganzes Kapitel widmet. Eigentlich dreht sich die Arbeit um “Die Veränderungen der Musikrezeption durch das  Web 2.0 und deren Auswirkung auf die Musikpromotion”, aber besonders spannend im Zusammenhang zu diesem Posting finde ich das Kapitel I “Musikrezeption und Musikgeschmack”, Seite 6-25. Spätestens wenn ihr das gelesen habt, werden ihr auch andere Kapitel aus der Diplomarbeit lesen wollen. Nur zu, es lohnt!

Außerdem seid ihr dann bei der nächsten Diskussion über Musikgeschmack informiert. Wenn euch dann jemand vorwirft, “Du hast ja echt mal überhaupt keine Ahnung und einen richtig miesen Musikgeschmack”, dann sagt ihr: “Moment mal, es gibt da eine Diplomarbeit von Eveyln Hammer im Netz und die sieht das folgendermaßen ..” icon wink Über Musikgeschmack lässt sich nicht streiten?! (Musikwissenschaft, Musiksoziologie)

Die komplette Diplomarbeit hier als PDF runterladen: CLICK

Evelyns Schlussfolgerungen lauten wie folgt:

“Zusammenfassend kann man sagen, dass Musikrezeption eine aktive Tätigkeit ist  und  zur  Ausbildung  des  Musikgeschmacks  führt.  Der  Musikgeschmack  ist  nicht  willkürlich,  sondern  von  verschiedenen  Faktoren  der  Sozialisation  abhängig.  Darunter   fällt   auch   die   Prägung   durch   die   Medien.   Durch   eine   aktive  Auseinandersetzung  mit  Musikmedien  nehmen  wir  neue  Musik  passend  zur  Identität auf. ”

„Medien  verändern  oder  erweitern  den  Musikgeschmack  insofern,  als  die  Erweiterung  der  medialen  Erfahrungsmöglichkeiten  mit  der  Ausdehnung  der sozialen Kreise korrespondiert. Neue Hörerlebnisse werden erst dann  in  die  eigene  kulturelle  Praxis  integriert,  wenn  sie  in  den  relevanten  sozialen  Kontext  akzeptiert  und  identitätsstiftend  sind,  also  zu  einer  Ressource in sozialen Strategien wurden.“ (Gebesmair 2001, S. 229)

“Durch     die     Erweiterung     des     WWW     zum     Web 2.0     werden     die  Aktivitätsmöglichkeiten  der  Rezipienten,  oder  nunmehr  User,  stark  erweitert.  Mittels  verschiedener  Programme  können  User  zusammenarbeiten  und  ihre  kollektiven  (Musik-)  Interessen  einbeziehen.  Es  wird  nicht  nur  kommuniziert  sondern auch Inhalte stehen im Mittelpunkt (vgl. Alby 2007, S. 90). Durch diese  Programme entstehen erhebliche Erleichterungen der Publikation eigener Inhalte  und ihre globale Zugänglichkeit. Verlage und Sender verlieren somit ihr Privileg,  darüber  zu  entscheiden,  welche  Inhalte  wann  veröffentlicht  werden  (vgl.  Niedermaier 2008, S. 59). Dem Musikrezipienten stehen nun um ein vielfaches  mehr  Möglichkeiten  zur  Verfügung  sich  mit  Musik  auseinanderzusetzen.  Die  verstärkten   Aktivitätsmöglichkeiten   zeigen   sich   im   nächsten   Kapitel   als  entscheidende Veränderung in der Musikrezeption durch das Web 2.0.”  (PDF-Quelle)

Bildquelle: CLICK

Related articles:

  1. Popmusik als Industrieprodukt (Peter Wicke, 1997) (Musikindustrie, Kulturindustrie, Musiksoziologie)

  2. Clubkultur als Clubwirtschaft: Über Professionalisierung in der Berliner Techno-Szene (Sabine Vogt)

  3. Studie über das wirtschaftliche Potenzial der Club- und Veranstalterszene in Berlin

  • http://www.soundcloud.com/domenique-xander Domenique Xander

    yeah..thanks..very interesting staff!

  • Fwilk

    Muss mir mal das erwähnte Kapitel mal genauer durchlesen, weil der obige Artikel für mich immer noch nicht erklärt, warum ich auf so ausgefallene Musik wie zum Beispiel Progressive Rock und insbesondere Psychedelic Rock / Krautrock (teilweise mit extremen Disharmonien) stehe, während in meinem Umfeld es mit nur wenigen Ausnahmen kaum einen gibt der mit dieser Musik klar kommt. Mir ist es auch auf gut deutsch gesagt scheißegal, wenn jemand meine Musik scheiße findet. Da gebe ich nichts drauf.
    Bedetuet das etwa, dass in meiner Sozialisation etwas schief gelaufen ist?

  • http://www.berlin-mitte-institut.de Fresh Meat

    Viel Spaß beim Lesen :-)

  • Pingback: The changes in reception of music through the Web 2.0 and its impact on music promotion and taste | minimalismi.net

  • Ken-park-pulle

    ja

  • Pingback: Anonymous



Party, Live WebTV, Radio, Shows, Blog, Techno, Electronic Dance Music

Techno Szene, Berlin Mitte Institut für Bessere Elektronische Musik, Underground

Techno Szene, Berlin Mitte Institut für Bessere Elektronische Musik, Underground

Techno Szene, Berlin Mitte Institut für Bessere Elektronische Musik, Underground

blogoscoop