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Weil ich öfter gefragt werde, was Soziologie ist – und mich dann immer in komplexen Worten wälze. Einer der soziologischen Klassiker formulierte dies so:

„Soziologie soll heißen: eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will.

“Handeln‘ soll dabei ein menschliches Verhalten […] heißen, wenn und insofern als der oder die Handelnden mit ihm einen subjektiven Sinn verbinden.”

“Soziales‘ Handeln aber soll ein solches Handeln heißen, welches seinem von dem oder den Handelnden gemeinten Sinn nach auf das Verhalten anderer bezogen wird und daran in seinem Ablauf orientiert ist.“

Komplett und umsonst lesen: Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, 1920.

“Es wäre Kraftwerks erster Auftritt in der Volksrepublik gewesen. Die Geburtshelfer elektronischer Tanzmusik waren auf dem Pekinger „Strawberry Music Festival“ (29.04. bis 01.05.2013) schon eingeplant, als das chinesische Kulturministerium den Veranstaltern Ende März einen Strich durch die Rechnung machte.”

Quelle: china-stoppt-kraftwerk, Der Freitag

Ein wesentliches Merkmal szenebasierter Produktionsweise ist es, dass Clubbesitzer, Veranstalter, Booker und andere zentrale Gatekeeper die Möglichkeiten haben, ihre persönlichen ästhetischen Präferenzen und sozialstrukturell basierten Abgrenzungen mit der House/Techno-Kultur zu verbinden, und dadurch Erlebnisräume schaffen, die ihnen, ihren Freunden, und anderen gefallen werden, die ihnen ähnlich sind. Es bedarf eben keiner Marktforschung, sondern geht um die Realisierung persönlich-sozialstruktureller Attribute im Rahmen der Szenekultur. Und da Szenen quer zur gesellschaftlichen Sozialstruktur liegen, ergibt sich alleine daraus eine große Vielfalt unterschiedlicher Orte. In Berlin kennen wir das nur zu gut: Da weiß man fein zwischen den Feierorten der Arbeitermileus, Studierenden, Szenefreaks, Touris, Agenturfuzzis und Schickimicki*s zu differenzierten. Wer öfter weggeht, hat recht schnell eine Berliner Clubkarte im Kopf, die sich nicht nur musikalisch, sondern auch an sozialstrukturellen Merkmalen orientiert.

Marcus Trojan, Betreiber vom Weekend, hat seine Präferenzen und Hintergründe neulich im Tagesspiegel zu Markte getragen. Man hatte das Weekend immer schon eher als schicker auf der virtuellen Sozialstruktur-Szenekarte. Jetzt geht es noch ein Level weiter: Ein Geschäftsmodell für den Betuchten-Tourismus?

“All das, weil Marcus Trojan eine ganz spezielle Vorstellung von der Zielgruppe hat, die sein Club anziehen soll. „Wir sind ein Fünf-Sterne- Club für Berlinbesucher.“ Und eben auch davon, wer lieber unten am Boden bleiben soll: Berliner Studenten und Easyjetsetter. „Die können ins Berghain oder in eine der Bretterbuden an der Warschauer Straße“, sagt Trojan. Wer nicht in der Lage sei, 20 Euro für ein Taxi zu bezahlen, sei für ihn auch nicht attraktiv als Kunde.”

“Marcus Trojan glaubt eine Marktlücke in der Berliner Partyszene aufgetan zu haben: die Ü-40- Touristen. „Die sitzen zurzeit einfach länger im Restaurant, bevor sie wieder in ihrem Hotel einchecken“, sagt er. Sie hätten kein adäquates Angebot zum Feiern. Denn im Weekend zähle Niveau, Aussehen und Zahlungskraft.”

Lesen: Seite 1: Berliner bitte draußen bleiben!

Ist mir zum Glück noch nie passiert, aber kann mich auch schon an den ein oder anderen Clubmanager/Veranstalter erinnern, der mir mitten im Set sagte, dass ich mal mehr in eine bestimmte Richtung spielen solle, weil das Publikum eher solchen Sound erwarte. Habe es natürlich nicht gemacht. Auch die Techniker und Nightmanager waren eigentlich immer, bei vorgehaltener Hand, anderer Meinung – sind vielleicht eher music driven und weniger geschäftsorientiert.

Mit der weltweiten Popularisierung elektronischer Tanzmusik, insbesondere durch EDM gerade, hört man immer wieder von solchen Geschichten, wie sie z.B. DJ Shadow passierten oder erst jüngst einem DJ namens Nick Warren in Soul. In Falle anderer Städte/Länder und auch EDM sicherlich noch mal anders gelagert: In manchen Fällen in Las Vegas, oder in diesem konkreten Fall in Soul, ging es speziell darum, dass wohlhabende Gäste auch über die gespielte Musik bestimmen möchten.

“Sadly this is not just a one-off, with clubs bowing to wealthy customers who wish to control the music policy becoming an all too common occurrence. Both Mark Farina and DJ Shadow suffered a similar fate in Las Vegas and Miami last year.”

Lesen: Nick Warren Kicked Off The Decks In Seoul

Tom Cosm hat einen sehr ausführlichen und detaillierten Berater geschrieben, wie ihr euch auf am besten auf eure Live-Gigs vorbereitet und mit technischen/organisatorischen Problemen vor Ort umgeht. Nicht nur für Live-Acts ein guter Read – auch Serato- und Traktor-DJs. Techniksoziologisch ebenfalls interessante Darstellung: Denn obwohl es von einem Techniker geschrieben werden, fallen viele Situationen ins Auge, in denen wirklich offensichtlich organisatorische, ästhetische und technische Dispositionen zusammen die Probleme konstituieren. Und nicht eben nur der technische Fehler. People skills sind ebenso gefragt wie Knowhow icon wink Wie man sich auf einen Live Act vorbereitet und mit Problemen in situ umgeht

“Performing live electronic music is a double edged sword. If all the conditions are right, a live set can feel like you’re playing an awesome video game that you know for a fact you are going to win. However, things do sometimes go wrong and if you’re not prepared you might find yourself in a world of confusion and embarrassment.”

Lesen: How to Prepare for Problems When Performing Live Music From a Computer

Wollte euch mal mit der Nase auf das Reduced-Label stupsen: Was die Aktualisierung von deepem und groovigem Minimal House angeht, ganz vorne dabei. Fett, massiv und einfach schön gelassen und dabei schön nach vorne. Die vierte Scheibe steht in den Startlöchern, aber auch schon alle drei zuvor sind wahre Floor-Perlchen. Auch das Mutti-Label Varied geht in eine ähnliche Richtung, hört’s euch an !



Techno Szene, Berlin Mitte Institut für Bessere Elektronische Musik, Underground

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