Bei Recherchen im Netz fand ich einen lesenswerten Beitrag der Musiksoziologin Dr. Sabine Vogt zum Wirtschaften in der Berliner Techno-Szene. Basierend auf ihrer Dissertation schrieb sie für Industrie-Kultur.de einen kurzen Artikel, die ich auch hier in der Rubrik “Wissen über die Techno-Szene” archiviert haben möchte. Daher bat ich um Erlaubnis den Text hier posten zu dürfen, und nun ist er hier. Voila!  Er gibt interessante Einblicke in die Situation Berlins in den 1990ern, quasi die “Rahmenbedingungen” für die Entwicklung der Berliner Techno-Szene. Deckt sich mit den Erzählungen der Akteure von damals, aber in dem Beitrag kompakter und zusammenhängender. Im Anschluss daran gibt intressante Gedanken dazu, warum sich die Berliner Techno-Szene in den 1990ern zunehmend professionalisierte und damit auch weiter kommerzialisierte.

Clubkultur als Clubwirtschaft – das Beispiel Berlin

Sabine Vogt, 21. Mai 2007

Berlin ist Anziehungspunkt und Schmelztiegel, ein Eldorado für Abenteurer und Jugendliche, gerade in Sachen Musik. Man improvisiert, arbeitet zusammen, tauscht sich aus, gründet Firmen und öffnet immer neue Clubs. In diese Kultur der Hauptstadt und ehemaligen Industrie-Metropole hat sich Sabine Vogt begeben. In ihrer Dissertation geht es um die Metamorphose von urbanen Industriekulturen in selbstverwalteten Kulturindustrien. Mit vielfältigen Perspektivwechseln zwischen der Rezeption und der Produktion von Popmusik macht die Autorin dem Leser klar, dass gerade diejenigen, die in postmodernen Idyllen und Alternativnischen unangepasst sein wollen, mit ihrer auf Musik bezogenen Lebensplanung zur erweiterten Reproduktion kapitalistischer Mentalitäten beitragen. Mit dem Ende der DDR ist Berlin zum Übergangsraum in vielerlei Richtungen geworden. Für einen historischen Augenblick stand die Stadt sogar im Mittelpunkt des Weltgeschehens: Nach dem Mauerfall am 9. November 1989 kam die deutsch-deutsche Vereinigung, am 20. Juni 1991 die Entscheidung für Berlin als Hauptstadtsitz, danach die Klärung von Eigentumsfragen sowie der Regierungsumzug. Zum alten Berlin-Gefühl gesellte sich nun ein neues: Gefühlsverwirrung zwischen Abschied und Aufbruch. Abschied allerdings, so schien es, war eine Vokabel, die es nur im östlichen Stadtteil gab. Ostberlins morbider Charme wich einer spekulativen Geschichtslandschaft, deren Bilder Ereignisse und Persönlichkeiten der lokalen, deutschen und auch europäischen Geschichte wiedergaben, die man hier seit Ende des Zweiten Weltkriegs nicht gesehen hatte. Was zwischen heute und früher lag, die DDR, schien auf einmal vergessen und ausgelöscht. (Read more…)

Fresh Meat and Kandel present the latest and hottest releases in electronic music, every second Monday from 7 pm (CET) till open end on ShoutedFM, channel mth.electro in live video and audio streaming – the New Releases Show. Make sure to be on the chat to join our discussions. We like to talk about the music we play! Via various promotion agencies, music distributors, contacts to the artists and labels directly or single artists without label affiliation we receive lots of fresh music. If you wish your vinyls to be played and presented, contact us here.

Full show is available online now on Soundcloud, see below. Listen, check the tracks, go buying your favourites and ask for track names and other comments in the Soundcloud comment timeline. Thank you :-)

30.08.2010 – The New Releases Show w. Kandel and Fresh Meat by berlinmitteinstitut

newreleasesshow Listen To: The New Releases Show with Kandel & Fresh Meat (30.08.2010, 7 11pm, Live WebTV)

Am Promotionskolleg “Die Produktivität von Kultur” werde ich, gefördert durch ein Stipendium der Hans-Böckler-Stiftung, ab Juli 2010 bis (geplant) Juli 2012 eine soziologische Dissertation mit dem Namen Arbeiten in der Berliner Techno-Szene: Die Vergemeinschaftungsform „Szene“ als Struktur für Erwerbsarbeit am Beispiel der Berliner Techno-Szene” an der Technischen Universität Berlin anfertigen. Betreut wird diese durch Hubert Knoblauch und Vinzenz Hediger. Bei Hubert Knoblauch schrieb ich bereits eine Diplomarbeit zur Produktion von Techno-Musik in Homerecording-Studios.

Dieses Promotionsvorhaben, angesiedelt an der Schnittstelle zwischen Kunst-, Musik-, und  Arbeitssoziologie, wird sich mit der Erforschung neuer Formen von Erwerbsarbeit am Gegenstand der Berliner Techno-Szene beschäftigen. Fern von gewerkschaftlicher Regulierung, spezieller beruflicher Ausbildung und auch häufig ohne formale Arbeitsverträge schafft sie vielen Szeneteilnehmenden übergangsweise und auch über eine jahrelange Dauer hinweg durch verschiedene Formen von Erwerbsarbeit eine strategische Grundsicherung, und darüber hinaus Karriereperspektiven. Herausgebildete Arbeitsidentitäten, wie der “Techno-DJ”, “Booker” oder “Musikproduzent” sind dabei tief verwurzelt in symbolischer Arbeit kombiniert mit ökonomischem Kalkül, szenespezifischer Werthaltung kombiniert mit strategischem Verdienen von Geld, der Produktion von massenhaft konsumierbarer Ästhetik unter der marktwirtschaftlich-pluralisierten Bedingungen.

Erstes Ziel ist zu zeigen, wie die Vergemeinschaftungsform der Szene solche „losen“ Formen von Erwerbsarbeit schafft und stabilisiert. Zweites Ziel ist die Dokumentation der Arbeitspraxis und Arbeitsbedingungen zentraler Tätigkeiten (Techno-DJ, Booker, Produzent, u. A.). Wie bewerten sie diese ihre Arbeitsbedingungen? Wie sieht ihr Arbeitsalltag aus? Und schließlich drittens: Die Beantwortung der Frage, wie dauerhafte Szenearbeit durchgeführt werden kann. Welche Ansätze von Professionalisierung treten bereits auf? Wie hängt die Arbeitspraxis mit allgemeinen gesellschaftlichen Institutionen zusammen?

Zur Erhebung der Daten ist eine methodische Triangulation aus Autoethnografie, Experten- / biografischen Interviews und Videoanalyse vorgesehen. In der Promotion wird argumentiert, dass die Techno-Szene als modellhafte ökonomische Struktur unter den Bedingungen stetiger Individualisierung und technologischer Demokratisierung für neue Formen von Erwerbsarbeit auch für andere Bereiche  verstanden werden kann.

Das gesamte Exposè kann hier heruntergeladen werden: PDF
Kontakt Jan Kühn: Click

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