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Der Rap Gott in der Elektroszene


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Es kommt nicht häufig vor, dass man eine Künstler wie Eminem in der Elektroszene wiederfindet. Aber was ist dieser Tage schon normal? In unseren modernen Zeiten ist es gängiger denn je, dass Musiker scheinbar problemlos die Grenzen von Genres ausreizen und diese dabei häufig überschreiten. War es bis in die späten 90er Jahre noch so, dass das Gros an Künstlern durch ein strikt definiertes Labyrinth an Genres hat navigieren müssen, um eventuell außerhalb der eigenen Szene zu agieren, kommen heute immer mehr Kollaborationen auf. Wer hätte beispielsweise gedacht, dass der Rap Gott mit Künstlern wie Beyoncé, Rihanna, oder auch Ed Sheeran zusammenarbeitet?

Das Beste aus zwei Welten

Dass Eminem noch immer zu den absoluten Größen der Hip-Hop Szene gehört, ist keine News mehr wert. Jedoch kommt es ein wenig überraschend, wie freizügig er sich mittlerweile in anderen Bereichen der musikalischen Vielfalt bewegt. Zuletzt hat er allein dadurch für Aufmerksamkeit gesorgt, dass er in seiner Heimatstadt Detroit Geld und Zeit für karikative Einrichtungen inmitten dieser aktuellen Situation gespendet hat. Mehr noch aber: um jungen DJs der Stadt eine Chance zu geben, arbeitet er immer wieder eng mit lokalen Radiostationen und Eventveranstaltern zusammen. Aber auch professionell ist er weiter ganz vorne mit dabei. So kommt demnächst tatsächlich eine neue Single von ihm zusammen mit Beyoncé raus – ein weiter Weg, wenn man bedenkt, wie er vor 20 Jahren noch auf der Marshall Matters LP über diese ganze Sparte gesungen hat. Fraglos ist aber Eminem weiter sehr kontrovers unterwegs.

Wie der MVP in zwei Sportarten

Überhaupt scheint Eminem kein Interesse daran zu haben, nur für seine Hip-Hop Karriere bekannt zu sein. Immer häufiger kokettiert er dabei mit scheinbaren grenzenlosen Auftritten mit Künstlern, von denen er früher die Finger gelassen hätte. Parallelen aus der Sportwelt werden hier deutlich. Auch einen Sportler wie Michael Jordan hielt es nicht ewig beim Basketball; er musste beispielsweise auch dem Baseball seinen Stempel aufdrücken. Daher ist es nur wenig überraschend, dass ein Eminem auch in der DJ Szene und in der Pop-Kultur immer wieder für Ausrufenzeichen sorgt. Nicht nur für DJs ist es interessant zu sehen, wie ein Musiker, der so weltbekannt ist wie Marshall Matters, ohne Probleme Neues ausprobiert. Aus soziologischer Sicht ist es mehr als spannend zu betrachten, wie eng die Musikwelt ineinander verflochten ist.

Ein Poet

Man mag von diesem Künstler halten, was man will. Allerdings muss man neidlos anerkennen, dass er die letzten 20 Jahre der progressiven Musikwelt maßgeblich mit gestaltet hat. Fraglos hat er dabei auch einige Male ins Klo gegriffen, was seine Musik aber nur nachhaltig verbessert hat. Zudem scheint er auch gelernt zu haben, dass Kollaborationen mit Popstars nicht automatisch bedeuten, dass man die eigenen Wurzeln verleugnet. In der Welt der Schönen und Reichen gibt es immer wieder Ausreißer, die scheinbar mühelos Grenzen überschreiten können. An Eminem scheiden sich die Geister. Und wer einmal den Blick von der Kontroverse, die in vielen seine Texte mitschwimmt, lässt, wird feststellen: dieser Mann ist ein reimender Poet sondergleichen.

Bildquelle: https://pixabay.com/de/photos/kaputze-mann-gr%C3%BCn-cool-person-1171625/



Dr. Jan-Michael Kühn

Freiberuflicher DJ Coach, Marktforscher, Dozent, Soziologe für Szenewirtschaft und Musikszenen, Linux & Selfhosting Geek


Foto Jan-Michel Kühn